Spreads – Ein nicht zu unterschätzender Baustein – Kolumne von Marius Hoerner, ARTUS Asset Management AG

Donnerstag, 17. Juli 2014
marius_hoerner_groß_21012014 Anleihen Finder Kolumnist Portfolio Artus Asset Management AG


Spreads kann man vielfältig definieren. Spreads zur Benchmark, Credit Spreads und Swap Spreads um nur die gängigsten und geläufigsten zu nennen. Wichtig ist nur, dass man keine Äpfel mit Birnen vergleicht, da die Aussagekraft ansonsten gleich Null ist.

In Bezug auf €-Corporate Bonds und somit auch auf die Mittelstandsanleihen bevorzuge ich den Spread zur Benchmark der europäischen Staatsanleihen mit entsprechender Restlaufzeit. Der Vorteil ist, dass die Benchmark in den entsprechenden Informationssystemen definiert ist, sich mit kürzer werdenden Restlaufzeit anpasst und die Aussagekraft in der rückwärtigen Betrachtung ebenfalls zutrifft.

Der Spread in Bezug auf eine einzelne Anleihe ist aber nur ein Baustein. Er gibt Hinweise darauf, ob der Zeitpunkt zu Kauf oder Verkauf günstig ist bzw. günstig erscheint.

Als Beispiel nehme ich die Anleihe von Homann in der Betrachtung der letzten zwei Jahre:

kolumne_spreads_1_17072014

Die oberste Linie zeigt den Spread zur Benchmark. Der Mittelwert liegt bei etwa 660 Basispunkten (6,60%). Die Ausreißer liegen bei < 600 BP bzw. > 700 BP, aktuell beträgt er 723,5 Basispunkte.

Dementsprechend gilt für den Käufer, sofern die fundamentalen Daten und die Aussichten für das Unternehmen positiv bewertet wurden, dass der Zeitpunkt günstig ist. Umgekehrt kann es für einen potentiellen Verkäufer durchaus Sinn machen zu warten, bis der Spread wieder auf das Normalmaß zusammengelaufen ist.

Neben den Fundamentaldaten gehört natürlich auch eine Zinsmeinung dazu, denn wenn die Zinsen steigen, kann der Spread zwar schrumpfen, aber im Zweifel, ohne dass sich dies in Kursgewinnen niederschlägt.

Die mittlere Linie zeigt den Kursverlauf und gibt kurzfristig Hinweise darauf, wo der Kurs sich befindet, wenn der Spread sich verändert und unten wird das Volumen angezeigt. Das sollte man im Auge behalten, denn wenn man mit seinem Volumen den Kurs deutlich beeinflusst, wird der Spread, egal auf welcher Seite man steht, zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Spreads dienen aber nicht nur der Einschätzung der von einzelnen Anleihen, sondern können auch wichtige Hinweise darauf geben, wie das Marktverhalten der Anleger ist und welche Risiken eingegangen werden oder nicht.

Die Grafik unten zeigt in den Balken die Renditen der BB EUR Benchmark Kurve von 1 Jahr bis 10 Jahre und zwar jeweils die aktuelle Rendite, die vor einem Monat, vor 3, 6 und 12 Monaten. Außerdem werden die aktuelle Zero Kurve und die vor 12 Monaten als Linie gezeigt.

kolumne_spreads_2_17072014

Auffällig ist, dass ab drei Jahren Laufzeit die Renditen heute höher sind als vor einem Monat. Das bedeutet, dass bei einem All Time High des Bundfuture am 10.07. die Anleihen mit BB Rating im Spread gegen den Markt verloren haben. Anders ausgedrückt: Entweder gibt es Druck von der Verkäuferseite oder die Käufer sind nicht mehr bereit die niedrigen Renditen im Non Investment Grade Bereich zu akzeptieren.

Was das bedeutet, sieht man am deutlichsten bei den 10-jährigen Fälligkeiten. Hier liegt die Differenz zu vor einem Monat bei 42 Basispunkten in der Rendite bzw. einem rechnerischen Kursverlust von 3,90% was mehr als ein durchschnittlicher BB Jahreskupon ist.

Vergleicht man die BB Renditen mit den A Renditen (die Grafik ist identisch aufgebaut), bekommt man einen Eindruck was passiert ist.

kolumne_spreads_3_17072014

Hier waren die Renditen vor 6 Monaten höher als vor 12 Monaten. Man darf also davon ausgehen, dass vor ca. 9 Monaten große Tauschoperationen raus aus Investment Grade rein in den Non Investment Grade stattgefunden haben.

Jetzt sieht es so aus, dass die Marktteilnehmer die Risiken neu definieren und den Non Investment Grade Bereich meiden – zumindest auf dem aktuellen Spread-Niveau.

Unterstützt wird die Annahme, wenn man sich zusätzlich die Differenz der Corporate Bond-Renditen in Europa zu denen in den USA anschaut und um die jeweiligen Zero Kurven bereinigt. Man erkennt dann sehr schnell, dass der Non Investment Grade-Bereich in Europa extrem teuer geworden ist.

Das A & O bei der Anlage in Corporate Bonds bleibt selbstverständlich die Beurteilung des Schuldners und dessen Zukunftsaussichten. Schließlich geht es darum, Geld zu verleihen, Zinsen zu bekommen und die Rückzahlung des Nominalkapitals.

Wer nur auf den Zins und die Rückzahlung fokussiert ist, für den spielen Spreads kaum bis gar keine Rolle. Wer aber einen Mehrwert erzielen möchte, muss die Spreads beobachten. Sowohl bei einzelnen Anleihen als auch über die Rating-Klassen und die unterschiedlichen Märkte hinweg.

Marius Hoerner, Portfolio Manager, ARTUS Asset Management AG

TIPP: Sie haben gerade einen Beitrag unseres aktuellen Newsletters „Der Anleihen Finder“ gelesen. Melden Sie sich hier kostenlos für den regelmäßigen Bezug unseres Newsletters „Der Anleihen Finder“ an, so dass „Der Anleihen Finder” automatisch im Zwei-Wochen-Rhythmus in Ihr E-Mail-Postfach gelangt. Es entstehen Ihnen keine Kosten.

Anleihen Finder Kolumnen

Steht uns die Zinswende vor der Tür? – Ausblick: “Nachfrage nach Hochzinsanleihen – darunter auch den Mittelstandsanleihen – wird eine längere Zeit bestehen bleiben” – Kolumne von Florian Weber, SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank

Beeinflusst die Entscheidung der EZB den Mittelstandsanleihemarkt? – Eine Kolumne von Christoph Karl, Senior Berater bei der BLÄTTCHEN & PARTNER AG

Differenzieren statt pauschalieren! – Ein Kommentar zur aktuellen Entwicklung des Marktsegmentes der Mittelstandsanleihen von Dirk Elberskirch, Vorsitzender der Börse Düsseldorf AG

Kann man Ratingagenturen und deren Ratingnoten bei der Auswahl von Unternehmensanleihen des Mittelstands (noch) vertrauen? – Kolumne von Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG

Schutzregeln von Anleihen: Warum Anleihekündigungen oft angedroht, aber nicht vollzogen werden und warum Besicherungen erst durch Wertgutachten wertvoll sind – Kolumne von Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst bei Sphene Capital GmbH

Börsenguru Max Otte: „Gelegentlich interessante Investments, aber Emittenten suggerieren, dass Anleihen weniger Risiko bergen, als dies tatsächlich der Fall ist“ – Was der Professor, der den Crash des Finanzmarktes vorhersagte, über Mittelstandsanleihen sagt – Interview

Wie Anleger dem drohenden Zu-Null-Spiel der Europäischen Zentralbank kontern können – Und warum sie so schnell wie möglich ihre festverzinslichen Anlagen überprüfen sollten – Kolumne von Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG

Best Practice Guide oder “Seid doch bitte anständig” – Kolumne von Marius Hoerner, ARTUS Asset Management AG

Fluchtburg Schweiz für Mittelstandsanleihen? Oder warum die Konsequenz der Schweizer Banken einen Best Practice Guide à la Deutsche Börse AG in der Schweiz überflüssig macht – Kolumne von Dr. Konrad Bösl, Vorstand der BLÄTTCHEN & PARTNER AG

Transparenz statt Risikoschutz: Warum Insolvenzen von Anleihe-Emittenten keine Rückschlage für die Börse Frankfurt sind – und warum die Emission der ALNO-Anleihe ein kalkuliertes Investitionsrisiko war

„Bei einem durchschnittlichen Kupon von 7,3 Prozent ist bei den 55 Anleihen im Entry Standard nur ein Default bei drei insolventen Unternehmen sehr wenig“ – Warum der Begriff „Mittelstandsanleihen“ irreführend ist und Journalisten die Rolle der Börse falsch darstellen – Interview mit Eric Leupold, Deutsche Börse AG

Nach dem Shitstorm gegen Mittelstandsanleihen: Björn Stübiger von Rödl & Partner sagt Ja zu Mittelstandsanleihen – „Selbstheilungskräfte eines lebenden Finanzierungsvehikels“

Zinsdeckungskennzahlen – Was Sie über Mittelstandsanleihen wissen müssen – DVFA-Kennzahlen Teil 3 – von Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst bei Sphene Capital GmbH

Mit dem „Best Practice Guide“ auf dem richtigen Weg! – Warum die Börse Frankfurt bei Unternehmensanleihen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Führungsrolle unter den Qualitätstreibern übernimmt – Kolumne von Hans-Jürgen Friedrich, KFM Deutsche Mittelstand AG

Mittelstandsanleihen-Bashing hinterfragt: Herr Gebhardt, wieso der scharfe Kontrast zwischen Kritik an den Börsen und hoher Nachfrage von Emittenten sowie Investoren? – Gastbeitrag von Cord Gebhardt, Börse Frankfurt

Windreich-Prokon Fusion: Warum der Zusammenschluss von Windreich und Prokon zur Pro-Wind AG Sinn macht – Kolumne von Marius Hoerner, ARTUS Asset Management AG

Die Stunde der Wahrheit steht den Mittelstandsanleihen erst noch bevor – Kolumne von Dr. Konrad Bösl, Vorstand der BLÄTTCHEN & PARTNER AG

Covenants bei Mittelstandsanleihen – Fluch oder Segen für Anleihegläubiger? – Und warum bei der MT-Energie-Anleihe ein Verzicht auf Covenants das lukrativere Ergebnis bieten könnte – Kolumne von Florian Weber, SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank

Was Sie über Mittelstandsanleihen wissen müssen – DVFA-Kennzahlen Teil 2: Kapitalstrukturkennzahlen – von Peter Thilo Hasler, Analyst bei Sphene Capital GmbH

Die Chance nutzen! – Warum am Ende alle vom Re-Start der Mittelstandsanleihen profitieren können – Kommentar von Dirk Elberskirch, Vorsitzender des Vorstands der Börse Düsseldorf AG

Wer möchte schon, dass sein Geld fastet? – Was Disziplin mit Mittelstandsanleihen zu tun hat – Kolumne von Hans-Jürgen Friedrich, KFM Deutsche Mittelstand AG

Konsequente Inkonsequenz – Warum manche Emittenten die Börsen nicht ernst nehmen – Kolumne von Marius Hoerner, ARTUS Asset Management AG

Mittelstandsanleihen: „Schneller, Höher, Weiter, Mehr!“ – Kolumne von Dr. Konrad Bösl, Vorstand der BLÄTTCHEN & PARTNER AG

Mittelstandsanleihen – “Remember that credit is money“ – Kolumne von Britta Hosters, SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG

Mittelstandsanleihen – Was Sie über sie wissen müssen – DVFA-Kennzahlen Teil 1: Kapitalstrukturkennzahlen – von Peter Thilo Hasler, Analyst bei Sphene Capital GmbH

Mittelstand ist Vertrauensweltmeister – Wie Anleger davon profitieren können – Kolumne von Hans-Jürgen Friedrich, KFM Deutsche Mittelstand AG

Experten-Chat

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

HAIG MB Flex Plus - Ein Kombination von Renten, Absolut- Return-Ansätzen und geldmarktnahmen CharakterMB Fund Advisory

Menü