Börsenguru Max Otte: „Gelegentlich interessante Investments, aber Emittenten suggerieren, dass Anleihen weniger Risiko bergen, als dies tatsächlich der Fall ist“ – Was der Professor, der den Crash des Finanzmarktes vorhersagte, über Mittelstandsanleihen sagt – Interview

Donnerstag, 15. Mai 2014


Anleihen Finder Redaktion:
Wie schätzen Sie die aktuelle Lage des Marktes für Mittelstandsanleihen ein?

Max Otte: Der große Hype ist sicher durch die ersten Firmenpleiten, die von mir vorausgesagt wurden und im Übrigen absolut vorhersehbar waren, vorbei. Das Zinsumfeld ist aber immer noch günstig. Wir sollten also eine insgesamt gesündere Marktsituation bekommen.

Anleihen Finder Redaktion: „Spreu vom Weizen“, „Umbruchphase“ oder „Finger weg von Ramschanleihen“ sind Schlagwörter, die in der Diskussion um Mittelstandsanleihen in den letzten Monaten auftauchten. Welche Etiketten kleben Sie auf die Kiste voller Mittelstandsanleihen?

Max Otte: Mittelstandsanleihen = „Junk Bonds mit zu niedriger Rendite, die durch das Etikett ‚Mittelstand‘ geadelt werden“. Es finden sich sicherlich gelegentlich interessante Investments darunter, insgesamt nutzen aber die Emittenten das günstige Zinsumfeld und suggerieren, dass diese Anleihen weniger Risiko bergen, als dies tatsächlich der Fall ist.

Anleihen Finder Redaktion: Was halten Sie von den Leitplanken, die die Börse Frankfurt Emittenten von Unternehmensanleihen im Entry Standard in ihrem „Best Practice Guide“ empfiehlt?

Max Otte: Ich halte nichts von selbst auferlegten Standards. Das grundlegende Problem der Anreizstruktur wird damit nicht gelöst.

Anleihen Finder Redaktion: Inwiefern haben Mittelstandsanleihen als Baustein in der Unternehmensfinanzierung Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsformen? Auf der anderen Seite: Welche Nachteile haben Sie?

Max Otte: In der jetzigen Form dienen Mittelstandsanleihen vor allem dazu, riskante Geschäftsmodelle zu finanzieren und Risiken auf Privatanleger abzuwälzen. Das kann für Emittenten durchaus interessant sein.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Unternehmensfinanzierungs-Vehikel werden sich langfristig am stärksten durchsetzen? In welcher Reihenfolge sehen Sie Genussscheine, Schuldscheindarlehen und Mittelstandsanleihen oder andere Instrumente?

Max Otte: Das ist schwer zu sagen, da es vom jeweiligen Umfeld abhängt.

Max Otte: „Wenn ein Unternehmen ‚mittelstandsanleihenfähig‘ ist, ist das derzeit sicher sehr attraktiv“

Anleihen Finder Redaktion: Die Finanzierungsform Crowdfunding scheint sich zu etablieren. Ist Schwarmfinanzierung eine tragfähige Alternative im Instrumentenkasten Unternehmensfinanzierung? Welche Vorteile bzw. Nachteile sehen Sie im Vergleich zu Mittelstandsanleihen oder anderen Instrumenten der Unternehmensfinanzierung?

Max Otte: Das wird das nächste Hype-Vehikel. Besser wäre es, wir hätten wieder Banken, die finanzieren dürfen und einen ordentlichen Markt für Neuemissionen.

Anleihen Finder Redaktion: Welches Kapitalmarkt-Instrument der kleinen und mittleren Unternehmungen (KMU) ist aus Investoren-Sicht das Ihrer Meinung nach attraktivste?

Max Otte: Wenn ein Unternehmen „mittelstandsanleihenfähig“ ist, ist das derzeit sicher sehr attraktiv. Denn der deutsche Kapitalmarkt für Aktienemissionen ist immer noch ziemlich tot.

Anleihen Finder Redaktion: Angenommen Sie könnten sich die perfekte Neuemission einer KMU- Unternehmensanleihe basteln. Wie sehe diese – grob umrissen – aus? Was darf nicht fehlen? Auf was würden Sie verzichten?

Max Otte: Gut sind traditioneller Markenname oder „heißes“ Thema.

Anleihen Finder Redaktion: Professor Otte, vielen Dank für das Gespräch!

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Institut für Vermögensentwicklung (IFVE)

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