Joh. F. Behrens AG arbeitet an Anleihe-Refinanzierung – Steigt der Bund ein?

Freitag, 4. September 2020


Gelingt die Anleihe-Refinanzierung? Die Joh. Friedrich Behrens AG arbeitet derzeit auf Hochtouren an der Refinanzierung ihrer am 11. November 2020 endfälligen Anleihe 2015/20 (ISIN: DE0005198907) mit einem Restvolumen von rund 16,2 Mio. Euro. In diesem Zusammenhang gebe es laut Unternehmensangaben fortgeschrittene positive Verhandlungen für mehrere Finanzierungsbausteine. Sollte die Refinanzierung nicht gelingen, droht der Behrens AG aufgrund der signifikanten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie die Insolvenz, wie das Unternehmen in einer Adhoc-Meldung mitteilt.

Neue Anleihe im vierten Quartal

Zum einen plant die Behrens AG die Emission einer neuen Unternehmensanleihe, die einen Umtausch mit Barausgleich für die bisherigen Anleihegläubiger der Anleihe 2015/20 beinhalten und im vierten Quartal 2020 platziert werden soll. Zum anderen liegen der Gesellschaft als weiterer Finanzierungsbaustein Termsheets von zwei verschiedenen Debt Fonds für entsprechende Brückenfinanzierungen vor, die ergänzend zur Ausfinanzierung eingesetzt werden können.

Stille Beteiligung des Bundes

Aufgrund der drastischen Auswirkungen der Coronakrise auf die Geschäftsentwicklung der Behrens-Gruppe hat das Unternehmen nach eigenen Angaben Anfang Juli 2020 proaktiv beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen Antrag auf Garantieunterlegung einer neuen Anleihe bzw. stille Beteiligung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes gestellt.

Die Gespräche und Rückmeldungen hierzu seien Unternehmensangaben zu Folge positiv, so dass die Behrens AG zuversichtlich ist, eine stille Beteiligung des Bundes in Höhe eines einstelligen Millionenbetrags zu erhalten. Die finale Bewilligung des Antrags steht jedoch noch aus.

Joh F. Behrens-Anleihen

ANLEIHE CHECK: Die im Jahr 2015 platzierte Behrens-Anleihe 2015/20 (ISIN DE000A161Y52), die mit einem Zinskupon von 7,75% p.a. ausgestattet ist und im November dieses Jahres zurückgezahlt werden muss, hat ein ausstehendes Volumen von 16,2 Mio. Euro.

ANLEIHE CHECK: Im vergangenen Jahr hat die Joh. Friedrich Behrens AG eine weitere Anleihe 2019/24 (ISIN DE000A2TSEB6) mit einem platzierten Gesamtvolumen von insgesamt 23,2 Mio. Euro begeben. Die Anleihe wird jährlich mit 6,25% verzinst.

Halbjahreszahlen 2020

Die Behrens AG weist im ersten Halbjahr 2020 insgesamt einen Umsatzrückgang um 11,6 % auf 54,4 Mio. Euro (Vj. 61,5 Mio. Euro) aus. Ursächlich war hier das zweite Quartal, das – wie im gesamten wirtschaftlichen Umfeld – in hohem Maße von der Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im ersten Quartal konnte hingegen noch ein leichtes Umsatzwachstum um 0,1 % und eine insgesamt zufriedenstellende Entwicklung verzeichnet werden.

Aufgrund der signifikanten Auswirkungen der Corona-Krise verringerte sich das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (ohne Erträge aus Joint Ventures) um knapp 0,9 Mio. Euro auf 0,3 Mio. Euro (Vj. 1,2 Mio. Euro). Hier wirkte sich der deutliche Umsatzrückgang im zweiten Quartal 2020 aus, der trotz signifikanter Kosteneinsparungen bei Personal und Sachkosten zu einem negativen Betriebsergebnis von -0,7 Mio. EUR geführt hat. Das EBIT der Behrens-Gruppe beläuft sich nach den ersten sechs Monaten 2020 auf 0,8 Mio. Euro, entsprechend einem Minus von 51,6 % (Vj. 1,7 Mio. Euro). Die aktuelle EBIT-Marge beträgt 1,5 % der Gesamtleistung (Vj. 2,7 %) und liegt damit unter der ursprünglichen Vor-Corona-Planung des Vorstandes (2,0-4,0 % für das Gesamtjahr 2020). Unter Berücksichtigung der Ertragssteuerbelastung weist der Konzern per 30.06.2020 einen Fehlbetrag von 1,2 Mio. Euro aus.

Hinweis: Weitere Informationen zum ersten Halbjahr 2020 finden Sie unter www.behrens.ag.

Ausblick: „Belastbare Prognosen kaum möglich“

Der Ausblick auf das Gesamtjahr 2020 ist nach wie vor signifikant durch die Corona-Pandemie beeinflusst. Zwar zeigten die Monate Juni und Juli nach dem Umsatzeinbruch bereits eine deutliche Erholung mit Trend zum Vorjahresniveau und für das laufende dritte Quartal rechnet die Behrens-Gruppe mit weiter steigenden Umsätzen, die im vierten Quartal die Ursprungsplanung vom November 2019 möglicherweise wieder erreichen werden. Dennoch wird die Behrens-Gruppe im Gesamtjahr 2020 die ursprüngliche Planung mit einem Umsatzwachstum zwischen 1,5 % und 3,0 % und einer EBIT-Marge zwischen 2,0 % und 4,0 % nicht mehr erreichen. Aktuell sind mit Blick auf den nicht einschätzbaren Verlauf der Corona-Pandemie belastbare Prognosen kaum möglich.

Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Joh. Friedrich Behrens AG

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