„Unsere China-Aktivitäten entwickeln sich großartig“ – Interview mit Dr. Hubertus Bartsch, Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Donnerstag, 9. November 2017
Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH: Erste Mittelstandsanleihe in 2014 ab Montag in der Zeichnungsfrist – Herr Dr. Bartsch, wieso gerade jetzt eine Mittelstandsanleihe? - Und wie wird die NZWL es schaffen, in China nicht unterzugehen und gesund zu wachsen? – Interview mit dem CEO


Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH (NZWL) legt eine neue Anleihe 2017/23 auf und bietet den Gläubigern ihrer Anleihe 2014/19 (ISIN: DE000A1YC1F9) ein freiwilliges, öffentliches Umtauschangebot an. Das Gesamtvolumen beträgt dabei bis zu 15 Millionen Euro. Dr. Hubertus Bartsch, CEO der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH, erzählt im Anleihen Finder-Interview, warum sich das Unternehmen für diese Maßnahme entschieden hat.

Anleihen Finder: Hallo Herr Bartsch, Sie bieten den Anleihen-Inhabern der NZWL-Anleihe 2014/19 (Anleihe I) derzeit ein Umtauschangebot in eine neue Anleihe an. Was ist die Motivation dahinter? Ist die Zinssenkung und die damit verbundene Verringerung der jährlichen Belastung der einzige Hintergrund?

Hubertus Bartsch: Nein, wir bieten ja einen Zinskupon von 7,25 % zuzüglich 25 Euro Umtauschprämie, was damit fast genauso attraktiv wie unsere Anleihen 2014 und 2015 ist. Es geht uns um etwas anderes: Unsere Aktivitäten in China, wohin ja vorrangig die Mittel der ersten Anleihe geflossen sind, entwickeln sich großartig. Einerseits generieren wir dort bereits starke Cashflows, andererseits eröffnen sich uns dort hervorragende zusätzliche Marktchancen. Beispielsweise haben wir jetzt einen Großauftrag eines führenden chinesischen Automobilherstellers gewinnen können. Deshalb wollen wir mit dem Umtauschangebot zwei Dinge erreichen: Ein Volumen von bis zu 15 Mio. Euro bis in das Jahr 2023 verlängern, um dadurch freiwerdende Cashflows für einen zusätzlichen Kapazitätsausbau in China nutzen zu können und gleichzeitig unser Versprechen einlösen, die Verschuldung zurückzuführen und eben keine neuen Mittel aufzunehmen, sondern dann planmäßig die restlichen mindestens 40 % tilgen.

Anleihen Finder: Ärgern Sie sich dennoch im Nachhinein darüber, keine vorzeitige Kündigungsmöglichkeit für die Anleihe 2014/19 in die Anleihebedingungen eingebaut zu haben?

Hubertus Bartsch: Das würden wir benötigen, wenn es uns um die Optimierung der Zinslast ginge. Wir wollen ja aber vielmehr unsere Investoren davon überzeugen, uns weitere sechs Jahre in unserer Entwicklung zu begleiten. Das geht viel besser mit attraktiven Konditionen und guten Argumenten als mit den bei Investoren ungeliebten Kündigungsoptionen.

„Diese Frage wurde uns schon oft gestellt“

Anleihen Finder: Die Kursentwicklung der beiden NZWL-Anleihen zeigt, dass der Markt Vertrauen in Ihr Unternehmen hat. Der Kupon der Umtauschanleihe wurde jedoch nur leicht um 0,25% gesenkt. Wäre da nicht ein niedrigerer Kupon drin gewesen?

Hubertus Bartsch: Diese Frage wurde uns auch auf der Roadshow schon mehrfach gestellt. Richtig, mit unserer Entwicklung und in diesem Umfeld wäre bei einer Neu-Anleihe mit Kapitalaufnahme vermutlich ein signifikant geringerer Kupon möglich gewesen. Wir wollen aber ausschließlich unsere Investoren der Anleihe I für den Umtausch gewinnen und da finde ich es nur angemessen, dass wir auch das alte Zinsniveau als Bezugsgröße wählen.

„Wir benötigen keine zusätzlichen Mittel“

Anleihen Finder: Warum wird die neue Anleihe 2017/23 nicht öffentlich angeboten, um bspw. weitere Investoren für die NZWL zu gewinnen?

Hubertus Bartsch: Wir haben nichts gegen neue Investoren, aber wir benötigen keine zusätzlichen Mittel. Die China-Aktivitäten laufen mittlerweile so gut, dass wir unsere Anleihe I planmäßig tilgen könnten. Wenn uns von diesem Volumen nun bis zu 15 Mio. Euro durch den Tausch länger zur Verfügung stehen, dann können wir in China gemeinsam mit unserer dortigen Hausbank den Ausbau der Kapazitäten wie gewünscht umsetzen.

Anleihen Finder: Inwiefern passt der dritte NZWL-Minibond in Ihre aktuelle Finanzierungsstrategie (und den Finanzierungsmix)?

„Unternehmensanleihen sind ein ganz wichtiger Baustein“

Hubertus Bartsch: Die Unternehmensanleihen waren und sind ein ganz wichtiger Baustein. Deswegen liegt mir viel daran, dass wir die Anleihen als Säule dauerhaft erhalten – auch wenn wir das Volumen aktuell nicht ausbauen wollen. Gleichzeit war und ist die Bankenfinanzierung für uns ebenfalls sehr wichtig. Diese beiden Fremdkapitalsäulen waren für uns nie eine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine gegenseitige Ergänzung, jeweils mit besonderen Stärken.

Anleihen Finder: Kommen wir zu den gegenwärtigen Konzernzahlen. Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH hat Umsatz und Ertrag im ersten Halbjahr 2017 gesteigert. Auch der Auftragseingang lag über dem der letzten Jahre. Was läuft derzeit richtig gut bei der NZWL?

Hubertus Bartsch: Bei aller China-Euphorie dürfen wir in der Tat nicht vergessen, dass auch das Geschäft in Deutschland und Europa sehr gut läuft. Bei unseren Synchronisierungen für Doppelkupplungsgetriebe profitieren wir davon, dass diese Art des Schaltgetriebes stark wächst im Vergleich zu herkömmlichen Handschaltungen – und zwar weltweit. Was mich besonders freut, ist dass der Auftragseingang sowohl quantitativ als auch qualitativ überzeugt. Damit meine ich, dass es uns gelungen ist, weitere strategisch wichtige Aufträge zum Beispiel in der E-Mobilität oder auch in anderen Zukunftsthemen der OEMs zu gewinnen.

Anleihen Finder: Als Lieferant (oftmals auch Alleinlieferant) von Synchronisierungen für Direktschaltgetriebe in der Automobilbranche hat sich NZWL einen Namen gemacht. Was produzieren Sie sonst noch und wo generieren Sie die meisten Umsätze?

Hubertus Bartsch: Die Synchronisierungen für die Doppelkupplungsgetriebe sind unsere mit Abstand umsatzstärkste Produktgruppe. In Deutschland und Europa profitieren wir darüber hinaus von unserer zweiten Produktgruppe Zahnräder und Wellen, die von uns in die Großserie weiterentwickelt wurde. Die Nachfrage ist sehr erfreulich und wir werden in der Großserie in Kürze den Break-Even erreichen

Anleihen Finder: Wie ist die NZWL im Zukunftsbereich „E-Antriebe“ aufgestellt?

Hubertus Bartsch: Wir haben hier seit 2012 verschiedene gemeinsame Projekte mit führenden deutschen Herstellern. Teils noch im Entwicklungsstadium, teils schon in der Serienfertigung. Wir sehen uns mittel- und langfristig gut aufgestellt. Ich habe ja gerade erwähnt, dass sich die Großserienproduktion bei Zahnräder und Wellen sehr gut entwickelt. Hier liefern wir auch Räder und Wellen für einen E-Fahrzeug-Antriebsstrang und zwar für einen renommierten OEM im Sportwagenpremiumsegment. Die Zahl der Elektroantriebe wird zwar weiter zunehmen, doch muss die Bedeutung der E-Mobilität auch im Gesamtkontext betrachtet werden. Denn laut einer aktuellen Studie werden im Jahr 2030 immer noch rund 87 Prozent der Fahrzeuge einen Verbrennungsmotor und ein Getriebe haben.

Schwestergesellschaft NZWL TTP

Anleihen Finder: Bei der chinesischen Schwestergesellschaft NZWL TTP läuft es derzeit ebenfalls richtig gut. Was sind die Gründe dafür?

Hubertus Bartsch: Wir sehen hier ganz deutlich die Effekte, die sich in der Endphase eines Produktanlaufs bei einem Überschreiten der Break-Even-Menge ergeben: Werden zunächst bei niedrigen Anfangsstückzahlen Anfangsverluste erwirtschaftet, flacht diese Kurve bei steigender Stückzahl bereits zunehmend ab und entwickelt sich dann bei Stückzahlen oberhalb des Break-Even-Punktes deutlich positiv.

Hinzu kommt, dass die Stückzahlen auch nächstes Jahr mit unserem Hauptkunden weiter ansteigen werden sowie die Produktivität der mittlerweile geübten Mannschaft in China vor Ort ebenfalls deutliche Fortschritte gemacht hat.

Dies alles stimmt uns positiv, auch den neu gewonnenen Großauftrag für Synchronisierungen für einen chinesischen Automobilbauer nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich umsetzen zu können.

Anleihen Finder: Nach der Internationalisierung 2008 durch den Aufbau eines Produktionsstandortes in der Slowakei hat NZWL ihre Expansion 2014 in China fortgesetzt. Soll die Internationalisierung fortgeführt werden?

„Wir folgen unseren Kunden“

Hubertus Bartsch: Die Internationalisierung ist alternativlos ab einer gewissen Größe und um ein entsprechendes Wachstum zu erzielen. Wir folgen unseren Kunden, den führenden Automobilherstellern. Das ist zuallererst eine strategische Entscheidung und muss sich dabei aber natürlich auch rechnen, so wie uns das jetzt mit der Erfolgsgeschichte unseres China-Engagements gelungen ist.

Anleihen Finder: Warum wird die NZWL auch weiterhin ein vertrauenswürdiger Anleihe-Emittent am KMU-Anleihen-Markt sein?

Hubertus Bartsch: Ich glaube schon, dass das, was wir seit Emission der Anleihe I in 2014 erreicht haben, für sich spricht und jedem Investor ein gutes Gefühl hinsichtlich unserer zukünftigen Entwicklung gibt. Wie wichtig wir unsere Investoren und unseren Kapitalmarktzugang sehen, belegt ja jetzt auch das Umtauschangebot mit den Konditionen, die sich an der Anleihe I orientieren und nicht am maximal Möglichen.

Anleihen Finder: Besten Dank für das Gespräch, Herr Bartsch.

Anleihen Finder Redaktion.

Fotos: Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Anleihen Finder Datenbank

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2014/19

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2015/21

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