„Unsere Produkte werden stärker nachgefragt als erwartet“ – Interview mit Dr. Hubertus Bartsch, Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Donnerstag, 25. Oktober 2018
Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH: Erste Mittelstandsanleihe in 2014 ab Montag in der Zeichnungsfrist – Herr Dr. Bartsch, wieso gerade jetzt eine Mittelstandsanleihe? - Und wie wird die NZWL es schaffen, in China nicht unterzugehen und gesund zu wachsen? – Interview mit dem CEO


Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH begibt sich einmal mehr auf den KMU-Anleihen-Markt und emittiert ihre nunmehr vierte Unternehmensanleihe. Der neue Minibond 2018/24 (ISIN: DE000A2NBR88) hat ein Volumen von bis zu 12,5 Millionen Euro und wird mit 6,5% p.a. verzinst. Wir haben mit dem NZWL-Chef Dr. Hubertus Bartsch über die aktuelle Entwicklung des Leipziger Automobilzulieferers gesprochen.

Anleihen Finder: Hallo Herr Dr. Bartsch, wir freuen uns, Sie erneut zu einer Anleihen-Emission befragen zu dürfen. Im April dieses Jahres sagten Sie uns während des Umtauschangebots in den 2017er NZWL-Bond noch, dass vorerst keinerlei Kapitalmaßnahmen geplant seien – das hat sich nun aber relativ schnell geändert. Wie kam es dazu? Wozu wird das neue Geld konkret benötigt?

Dr. Hubertus Bartsch: Wir sind in der großartigen Situation, dass unsere Produkte sowohl von den europäischen Automobilherstellern als auch in China sehr stark nachgefragt werden – stärker als wir das selbst geplant und erwartet hatten. Dieses damals noch nicht absehbare zusätzliche Volumen beziffere ich auf rund 30 Mio. Euro Umsatz pro Jahr ab Erreichen der Kammlinie in der Produktion. Es gibt sogar weitere, derzeit aber noch lockere Anfragen für zusätzliche Volumenerhöhungen. Auch verzeichnen wir aktuell ein sehr starkes Wachstum in der E-Mobilität. Rund 25 % dieses zusätzlichen Volumens entfallen auf Lösungen für hybride oder rein elektrische Antriebe. Für diese Volumina wollen wir uns jetzt wappnen – dafür benötigen wir zusätzliche Mittel.

Anleihen Finder: Der neue Bond ist mit 12,5 Mio. Euro kleiner als seine Vorgänger, was für eine sehr gezielte Mittelverwendung spricht. Werden dennoch Erlöse aus der neuen Anleihe auch teilweise zur Refinanzierung von Alt-Anleihen verwendet oder ist das aktuell kein Thema?

Dr. Hubertus Bartsch: Nein, die Refinanzierung ist kein Thema, denn die Tilgung der Altanleihe 2014/2019 ist über den zu 100 % erfolgreichen Umtausch 2017/2018 und die vorhandene Liquidität bereits gesichert. Wir haben sehr genau kalkuliert, wie hoch unser Mittelbedarf ist für die geplanten Erweiterungsinvestitionen in Europa sowie für eine neue Werkshalle in China, die über ein Darlehen an unsere Schwestergesellschaft finanziert wird. Zusätzlich investieren wir gezielt in Entwicklungskapazitäten sowohl in Europa als auch in China, da unser Entwicklungsbeitrag von den OEMs immer stärker nachgefragt wird.

„Der Charme liegt in der Kombination“

Anleihen Finder: Warum bleibt die NZWL trotz anderer Finanzierungsmöglichkeiten dem KMU-Anleihen-Markt treu?

Dr. Hubertus Bartsch: Wir sind jetzt seit rund 5 Jahren mit Anleihen am Kapitalmarkt aktiv und haben fast durchweg positive Erfahrungen gesammelt – ich glaube und hoffe, das gilt auch umgekehrt für unsere Investoren. Wir setzen auf einen Mix aus vernünftiger Eigenkapitalausstattung und Anleihefinanzierung, aber auch klassischen Bankdarlehen, speziell in China. Der Charme liegt in der Kombination.

Anleihen Finder: Bei den ersten Anleihen in 2014 und 2015 lag der Kupon bei 7,50 %, dann ging es bei der 2017er Anleihe dezent runter auf 7,25 %, nun ist die Reduzierung auf 6,50 % doch etwas deutlicher ausgefallen – ist das als Spiegelbild der NZWL-Geschäftsentwicklung zu werten?

Dr. Hubertus Bartsch: Wir haben die Interessenslage der Investoren im Vorfeld über unsere Partner Quirin Privatbank und DICAMA sehr genau abgefragt. Das Umfeld ist in diesen Tagen ja etwas turbulenter. Dass nun ein Zinskupon von 6,50 % die Größe ist, die sich Investoren vorstellen, führe ich zum ganz überwiegenden Teil auf die durchweg stabile und positive Entwicklung unseres Unternehmens in all den Jahren zurück.

INFO: Der Wertpapierprospekt der neuen NZWL-Anleihe 2018/24 kann hier eingesehen werden.

Anleihen Finder: Würden Sie sagen, dass die NZWL in 2018 den Sprung auf ein neues Level geschafft hat? Wenn ja, warum?

„Wir denken und planen in sehr langen Zeiträumen“

Dr. Hubertus Bartsch: Man kann das so sehen, wenn man von außen auf das Unternehmen schaut. Als Automobilzulieferer denken und planen wir aber in sehr langen Zeiträumen. Die großen Automobilmarken, für die wir in 90 % der Fälle als Alleinlieferant agieren, vergeben ihre Aufträge mit mehrjährigem Vorlauf. Wir unsererseits planen ebenfalls entsprechend langfristig, um die Kapazitäten und Volumina termingerecht bereit zu stellen. Wenn wir dann in dem chinesischen Werk, das vorrangig zur Belieferung des größten deutschen Automobilerstellers errichtet wurde, nun bereits zusätzlich zwei substanzielle Großaufträge eines führenden chinesischen Markenherstellers erhalten, nehmen wir das als Bestätigung, dass wir gute Arbeit abliefern. Aus unserer Perspektive „springen“ wir also nicht, sondern entwickeln uns sehr positiv entlang unserer langjährigen Planungen – und nun eben sogar noch etwas besser als von uns selbst erwartet.

Anleihen Finder: Durch welche Stellschrauben konnte die NZWL Ihrer Meinung nach den Auftragseingang in den letzten Jahren kontinuierlich erhöhen?

„Starke Nachfrage aus der reinen Elektromobilität“

Dr. Hubertus Bartsch: Natürlich profitieren wir davon, dass sich die Autos unserer Kunden offenbar besonders gut auf dem Weltmarkt verkaufen. Der weltweite Trend zu Doppelkupplungsgetrieben ist ungebrochen und hier sind wir mit unseren Synchronisierungen der führenden Zulieferer. Die steigende Zahl an Hybrid-Fahrzeugen verstärkt diese Dynamik zusätzlich, weil diese Autos zu 100 % mit Automatik-Getrieben ausgestattet werden. Dass wir nun auch eine sehr starke Nachfrage aus der reinen Elektromobilität sehen, verdanken wir unserer frühzeitigen Positionierung in diesem Feld. Aktuell machen wir einen Jahresumsatz von rund 6 Mio. Euro im Bereich Hybrid- und Elektroantriebe. Von den Neuaufträgen 2017/2018 entfallen aber bereits 25 % auf Hybrid und Elektro – deutlich mehr als jemals zuvor. Wir haben beispielsweise einen Neuauftrag erhalten über jährlich 23.000 Einheiten mit bereits erfolgten Vorgesprächen über eine Erhöhung auf jährlich 45.000 Einheiten. Diese Volumina werden dann ab 2021/2022 zum weiteren Umsatzwachstum beitragen.

Anleihen Finder: Lassen Sie uns konkret über das China-Geschäft sprechen. Wie wichtig ist dieses für den Gesamtkonzern und wie viel macht es vom Gesamtumsatz der NZWL-Gruppe aus?

Dr. Hubertus Bartsch: Das China-Geschäft kam 2017, 3 Jahre nach Start, auf einen Umsatz von rund 36 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2018 wurden 22 Mio. Euro erlöst. In Europa streben wir über 100 Mio. Euro Umsatz für 2018 an nach 55 Mio. Euro im ersten Halbjahr. Wir sind kein Konzern. Das China-Geschäft wird über unsere Schwestergesellschaft abgewickelt. Als Unternehmensgruppe sollten wir dieses Jahr auf rund 150 Mio. Euro Umsatz kommen.

Anleihen Finder: Was ist am chinesischen Markt anders als in Deutschland/Europa?

Dr. Hubertus Bartsch: Operativ ist das für uns kein großer Unterschied, weil wir in China ja überwiegend für einen deutschen Hersteller arbeiten. Dank der Nicht-Exklusivität können wir nun mit Great Wall auch einen  namhaften chinesischen Kunden bedienen. Hier gelten die gleichen Regeln wie mit allen Herstellern weltweit.

Anleihen Finder:Die Halbjahreszahlen waren sehr gut. Wird die NZWL Ihre operativen Ziele für das Geschäftsjahr 2018 erreichen bzw. übertreffen und für 2019 weiter nach oben schrauben?

Dr. Hubertus Bartsch: Wir sehen uns im Rahmen unserer Prognosen und Planungen. Wir wollen den letztjährigen Umsatz in Höhe von 97,5 Mio. Euro um 5 bis 9 % steigern und einen Konzernjahresüberschuss von 1,4 bis 1,9 Mio. Euro erreichen. Diese Prognose aus dem Konzernjahresabschluss 2017 berücksichtigt natürlich noch nicht die außerordentlichen Aufwendungen aus der aktuellen Anleihe-Emission.

Da die Gesellschafter unverändert die Gewinne vollständig im Unternehmen belassen und dies mit einer Quote von mindestens 75 % auch für die Zukunft garantiert haben, soll die erwartete, positive Geschäftsentwicklung auch mit einer entsprechenden Erhöhung der Eigenkapitalausstattung einhergehen.

„Unsere Erfolgsgeschichte in China ist auch in Amerika möglich“

Anleihen Finder: Wo möchten Sie mit der NZWL in sechs Jahren, wenn der aktuelle Minibond zurückgezahlt werden muss, stehen?

Dr. Hubertus Bartsch: Ich könnte mir perspektivisch vorstellen, die Erfolgsgeschichte, die wir derzeit in China schreiben dürfen, in Amerika zu wiederholen – immer unter der Voraussetzung, dass unsere Kunden diesen Weg gemeinsam mit uns gehen möchten. Aktuell stehen wir in der Unternehmensgruppe, also einschließlich unserer Schwestergesellschaft, bei einem Umsatz von rund 150 Mio. Euro. Wenn ich die heute vorhandenen Neuaufträge addiere, sehe ich uns in einer Größenordnung von über 200 Mio. Euro. Dabei müssen wir aber natürlich auch zur Bestätigung unserer heutigen Umsätze und Aufträge hart und gut arbeiten. Gleichzeitig ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, dass es uns gerade auch wegen der Dynamik in der E-Mobilität gelingt, noch weitere Aufträge zu gewinnen. Abhängig davon werden wir dann auch die Finanzstruktur gestalten. Stand heute belassen wir es bei einem Gesamt-Anleihevolumen von 50 Mio. Euro, wie wir es mit Tilgung im März 2019 wieder erreichen werden, und arbeiten weiter an der Stärkung der Eigenkapitalausstattung.

Anleihen Finder: Ihr Schluss-Plädoyer: warum sollten sowohl Alt-Anleger als auch neue Investoren der NZWL ihr Geld anvertrauen?

„Haben Vertrauensvorschuss der Investoren gerechtfertigt“

Dr. Hubertus Bartsch: Da fällt mir eine ganze Reihe von Gründen aus dem operativen Geschäft ein, wie dass wir tolle Kunden, wie VW, Audi, Porsche, Seat, Skoda, Daimler, Nissan, BMW und ZF, beliefern, dies in 90 % der Fälle als Alleinlieferant tun und bei den zukunftsstarken Direktschaltgetrieben mit unseren Synchronisierungen einer der führenden Produzenten sind. Fast am wichtigsten erscheint mir, dass wir den Vertrauensvorschuss, den uns die Investoren der Altanleihen gegeben haben, mit dem Erfolg bei der Erschließung des chinesischen Marktes, der deutlich schneller und erfolgreicher als geplant verlief, rechtfertigen und zurückzahlen konnten. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir fortsetzen. Deshalb würden wir uns sehr freuen, wenn alte und neue Investoren uns ihr Vertrauen in Form eines Investments erneut bzw. erstmalig schenken und diesen Weg mit uns gemeinsam gehen würden.

Anleihen Finder: Besten Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion. Das interview führte Timm Henecker.

Foto: pixabay.com

Anleihen Finder Datenbank

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2014/19

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2015/21

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2017/23

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