„Wir konzentrieren uns auf Projekte mit fester Einspeisevergütung“ – Interview mit Martin Tauschke, Geschäftsführer der SUNfarming GmbH

Dienstag, 10. Juli 2018


Die SUNfarming GmbH gibt ihr Debüt am KMU-Minibond-Markt und bietet derzeit eine Anleihe (WKN: A2LQZZ) mit einem Volumen von bis zu 15 Millionen Euro und einem jährlichen Zinskupon von 6,50% an. Die Zeichnungsphase über die Börse Frankfurt läuft noch bis zum 19. Juli 2018. Die Anleihen Finder Redaktion hat mit Martin Tauschke, dem Geschäftsführer des Unternehmens, über die Anleihen-Emission gesprochen.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Tauschke, wofür benötigt die SUNfarming GmbH frisches Fremdkapital?

Martin Tauschke: Ein Betrag von 5,0 Mio. Euro dient der Optimierung unserer Finanzierungsstruktur, indem wir ein leicht höher verzinstes Mezzanine-Kapital vorzeitig ablösen. Die weiteren zufließenden Mittel sollen für die Finanzierung unseres eigenen Projektgeschäfts und des Projektgeschäfts der Schrum-Tauschke-Unternehmensfamilie, zu der im weitesten Sinne auch die SUNfarming GmbH gehört, verwendet werden. Zudem soll eine Sicherheit für die Anleger gestellt werden, indem ein Betrag in Höhe der Zinszahlung für ein Jahr auf ein Treuhandkonto eingezahlt wird.

Anleihen Finder Redaktion: Erklären Sie uns doch kurz, was die SUNfarming GmbH macht? Wie verdient das Unternehmen sein Geld?

Martin Tauschke: Wir sind spezialisiert in der Projektierung und schlüsselfertigen Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. Zusätzlich zu diesem Kerngeschäft EPC (Engineering, Procurement, Construction) übernehmen wir die technische und teils kaufmännische Betriebsführung von Photovoltaikanlagen. Auf dieser Basis erwirtschaften wir seit Gründung 2004 durchweg stabile, positive Erträge.

„Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette ab“

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie uns an einem Beispiel-Projekt ihre Geschäftstätigkeit anschaulich erklären?

Martin Tauschke: Lassen Sie es mich allgemeiner formulieren und erläutern: Wir decken in unserem Kerngeschäft die gesamte Projektentwicklungs- und EPC-Wertschöpfungskette ab. In der Praxis bedeutet dies, dass wir im ersten Schritt im Rahmen der Entwicklung die Akquise der Projekte, Grundstücke und Dachflächen, die kaufmännische, technische und bauliche Anlagenplanung sowie die technologische Auslegung übernehmen. Zusätzlich kümmern wir uns um die Einholung behördlicher Genehmigungen und Gutachten sowie weiterer vertraglicher Grundlagen, u. a. mit der Bundesnetzagentur und den Energieversorgern, die Beauftragung aller Bauplanungs- und Montageleistungen sowie die Herstellung der Baureife und grundbuchdinglichen Sicherheiten.

Im nächsten Schritt verantworten wir die Beschaffung einschließlich einer strengen Qualitätskontrolle der Komponenten durch unsere eigenen Ingenieure. Im Rahmen der Errichtung übernehmen wir die Bauleitung und Steuerung der Einzelgewerke bis zur Inbetriebnahme und Übergabe der Photovoltaik-Komplettanlagen. Insgesamt haben wir bereits eine Anlagenleistung von mehr als 500 MWp erfolgreich realisiert.

Zusätzlich zum EPC-Geschäft erbringen wir Wartungs-, Monitoring- und andere Service- und Betriebsführungsleistungen. In diesem Bereich haben wir derzeit Solaranlagen mit einer Leistung von über 280 MW im In- und Ausland unter Vertrag.

Anleihen Finder Redaktion: Im Projektgeschäft – gerade im Solarbereich – gibt es viele Hindernisse (Rahmenbedingungen, Finanzierungen, Partner, etc.) zu überwinden. Wie überspringen Sie diese Hürden?

„In der Beschaffung setzen wir auf Halbjahresbezugsverträge“

Martin Tauschke: Durch eine entsprechend ausgerichtete Strategie und langjährig gewachsene Partnerschaften. In der Projektentwicklung konzentrieren wir uns aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ausschließlich auf Projekte mit fester Einspeisevergütung. In Deutschland führen wir die Projektentwicklung komplett in Eigenregie durch und profitieren dabei von unserem langjährig etablierten Netzwerk. Im Ausland kaufen wir zur Risikominimierung ausschließlich fertig entwickelte Projekte, die bereits alle Genehmigungen haben und einer ausführlichen Due Diligence unterzogen wurden.

Bei der Finanzierung verfolgen wir den Grundsatz, Projekte nur dann zu realisieren, wenn die Gesamtfinanzierung durch den Auftraggeber und die Errichtungsphase über geleistete Anzahlungen und Lieferantenkredite sowie Zahlungsrahmen gesichert ist.

In der Beschaffung setzen wir auf Halbjahresbezugsverträge. Damit räumen wir der Planbarkeit bewusst eine deutlich höhere Priorität ein als einem etwaigen kurzfristigen Einkaufserfolg durch möglicherweise fallende Komponentenpreise und wir können gleichzeitig auf diese Weise das Preisrisiko reduzieren.

Anleihen Finder Redaktion: Wie finanzieren Sie generell Ihre Projekte und wie sieht die Verschuldungssituation der SUNfarming GmbH insgesamt aus?

Martin Tauschke: Investitionen in Projektrealisierungen erfolgen in der Regel mit 70% bis 90% Fremdkapital über eine Bank des Investors oder/und teilweise in Verbindung mit Lieferantenkrediten. Bis zu 30% der Investitionskosten werden aus Eigenkapital der Investoren, freien liquiden Mitteln oder freiem Cash-Flow der SUNfarming GmbH aufgebracht. Investitionen in die reine Projektentwicklung erfolgen demgegenüber zu 100% aus freien liquiden Mitteln. Aufgrund des geplanten Ausbaus unseres Projektentwicklungsgeschäfts und damit des erhöhten Realisierungsvolumens zur gleichzeitigen Errichtung von PV-Anlagen sind auch zunehmend Zwischenfinanzierungen, sogenannte „Construction Bridge Finances“ ähnlich einer Bauträgerfinanzierung, erforderlich.

Wir verfügen über eine stabile Bilanzstruktur mit einer Eigenkapitalquote von 31% zum 31. Dezember 2017. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf insgesamt 15,1 Mio. Euro, davon waren im Wesentlichen 7,5 Mio. Euro Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie sieht es mit den weiteren Finanzkennzahlen (Umsatz, EBITDA, Cashflow) aus?

Martin Tauschke: Der Umsatz verbesserte sich im Geschäftsjahr 2017 von 25,3 Mio. Euro auf 31,5 Mio. Euro. Das EBITDA lag bei 0,4 Mio. Euro nach 0,5 Mio. Euro im Vorjahr. Der Jahresüberschuss stieg von 6 Tsd. Euro auf 0,2 Mio. Euro. Damit arbeiten wir seit unserer Gründung im Jahr 2004 durchweg profitabel. Der Cashflow erhöhte sich von 0,1 Mio. Euro auf 0,2 Mio. Euro.

Anleihen Finder Redaktion: Viele Unternehmen am Markt für Erneuerbare Energie mussten in den vergangenen Jahren schwere Rückschläge einstecken. Warum sind Sie mit ihrem Konzept erfolgreich?

„Risikominimierung im Ausland“

Martin Tauschke:  Wir profitieren davon, dass wir seit Bestehen die gesamte Projektentwicklungs- und EPC-Wertschöpfungskette abdecken. Daraus entstand ein langjährig gewachsener Track-Record, der sich heute in einer hohen Marktakzeptanz widerspiegelt. Während wir in unserem Hauptmarkt Deutschland sämtliche Leistungen übernehmen, konzentrieren wir uns im Ausland aus Gründen der Risikominimierung ausschließlich auf Projekte, die bereits fertig entwickelt sind und einer ausführlichen Due Diligence unterzogen wurden.

Darüber hinaus profitieren wir aufgrund unserer etablierten Kundenstruktur von einer hohen Vermarktungssicherheit: einerseits durch Dritte wie Kapitalinvestoren, Kommunen und Nutzer gewerblicher und privater Eigenstromanlagen sowie andererseits und im Wesentlichen durch die bestandshaltenden Projektgesellschaften der Schrum-Tauschke-Unternehmensfamilie, die mittlerweile in mehr als 100 MW an Solaranlagen investiert hat und zu der im weitesten Sinne auch die SUNfarming GmbH gehört. Das ist eine besondere Konstellation, die uns eine sehr hohe Planungs- und Absatzsicherheit ermöglicht.

Anleihen Finder Redaktion: Zum Bond – Sie wagen als Debütant den Schritt auf den nicht immer positiv bewerteten „KMU-Anleihen-Markt“. Wie war das Marktsounding und warum ist das Finanzierungsinstrument „Minibond“ für Sie zweckmäßig?

Martin Tauschke: Aus unserer Sicht stellt eine Unternehmensanleihe eine sinnvolle Ergänzung unseres Finanzierungsmixes dar. Darüber hinaus sehen wir hier die Möglichkeit, uns den Zugang zum Kapitalmarkt dauerhaft zu erschließen. Vor diesem Hintergrund planen wir auch eine Einbeziehung der Anleihe in den Handel im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse sowie eine freiwillige Einhaltung und Kontrolle von erhöhten Transparenzverpflichtungen. Das Investoren-Feedback auf unser Geschäftsmodell, unsere Strategie und unsere besicherte Anleihe fiel positiv aus. Deshalb fühlen wir uns in unserer Entscheidung bestätigt.

Hinweis: Der Wertpapierprospekt kann hier eingesehen werden.

Anleihen Finder Redaktion: Wie sollen die geliehenen Anleihenmittel und die auflaufenden Zinsen in fünf Jahren zurückerwirtschaftet werden? Können Sie uns bitte Ihre Kalkulation darlegen?

Martin Tauschke: Für die Zukunft planen wir, unsere Projektentwicklungen vor allem auf dem deutschen, polnischen und türkischen Markt auszubauen und dadurch unsere Position als einer der führenden Projektentwickler zu festigen. Bis 2020 sollen dazu in Deutschland rund 60 MWp, in Polen rund 36 MWp und in der Türkei bis 2019 rund 12 MWp Anlagenleistung, also insgesamt über 100 MWp realisiert werden.

„Zinszahlung sollen aus operativem Cashflow erfolgen“

Auf Basis der geplanten installierten PV-Leistung, die auf der bisherigen Entwicklung und der derzeitigen Auftragslage basiert, und der von uns erwarteten Verkaufspreise gehen wir davon aus, den Umsatz von rund 24,0 Mio. im Jahr 2018 auf rund 32,8 Mio. Euro im Jahr 2023 steigern zu können. Die Zinszahlungen sollen dabei vollständig aus dem operativen Cashflow erfolgen. Da wir bei einer Vollplatzierung ca. 10 Mio. Euro des Emissionserlöses für das Working Capital bzw. die Zwischenfinanzierung von Solarprojektinstallationen verwenden möchten, sind diese Mittel immer nur kurzfristig gebunden und werden durch die Platzierung an einen Investor immer wieder zurückgeführt. Dieses Kapital steht am Laufzeitende wieder voll zur Tilgung zur Verfügung. Die Mittel des abzulösenden Mezzanine-Darlehens wurden als EK-Ersatz in Solarprojekte in Deutschland investiert, die ihre Zinsen und Tilgung zum Laufzeitende allein verdienen. Somit ist theoretisch eine Volltilgung zum Laufzeitende möglich, aber es gibt derzeit auch verschiedene Szenarien, die wir dann mit dem entsprechenden Vorlauf nochmals analysieren und konkretisieren werden.

Anleihen Finder Redaktion: Sie preisen auf Ihrer Homepage das „Qualitäts-Kontrollsystem“ für Investoren an. Was genau meinen Sie damit?

Martin Tauschke: Unter unserem eigenen Label „German Quality Controlled“ führen wir bei jeder Projektierung und Errichtung einer PV-Anlage ein stetiges Qualitätskontrollverfahren durch, das wir selbst entwickelt haben. Dazu zählen zum einen die Kontrolle der einzelnen Komponenten und die kontinuierliche Überprüfung durch verschiedene Tests, die die Qualität der fertiggestellten Anlagen garantieren, während der gesamten Produktion bei den Herstellern vor Ort. Zum anderen setzen wir auf ein umfangreiches und detailliertes Online-Monitoring, durch das die Qualität der PV-Anlagen langfristig überwacht wird.

„Wir bieten ein mehrstufiges Sicherheitenkonzept“

Anleihen Finder Redaktion: Welche Sicherheiten bieten Sie Ihren Gläubigern zusätzlich? Werden diese im Falle einer Insolvenz vorrangig bedient?

Martin Tauschke: Wir bieten ein mehrstufiges Sicherheitenkonzept: Zum einen wird ein Betrag in Höhe der jährlichen Zinszahlung auf einem Treuhandkonto hinterlegt. Dieses Konto wird nur für den Fall beansprucht, dass wir die halbjährliche Zinszahlung nicht aus eigenen Mitteln leisten können. Sollte es dazu kommen, müssten wir das Treuhandkonto fristgerecht wieder auffüllen – entweder aus eigenen Mitteln oder durch eine Kreditlinie von bis zu 1 Mio. Euro, die uns die BPG Beteiligungs- und Projektmanagement GmbH bis zum Ende der Anleihelaufzeit zur Verfügung stellt.

Zum anderen wurden KG-Anteile an Solarinvestitionsgesellschaften, die acht Solarparks besitzen, an den Treuhänder verpfändet. Wir haben uns dazu verpflichtet, einmal jährlich eine Wertermittlung in Form eines Soll-Ist-Abgleichs der Solaranlagen durchzuführen. Bei einer Wertunterschreitung unterhalb des Brutto-Emissionserlöses bei Vollplatzierung würden wir weitere Sicherheiten in Form von Bar- oder Sachsicherheiten stellen oder die bestehenden Sicherheiten verstärken.

Da wir seit unserer Gründung 2004 profitabel arbeiten und sich unser Geschäftsmodell in dieser Zeit als extrem robust erwiesen hat, beurteilen Investoren uns hoffentlich zuerst nach unserer Qualität und erst im zweiten Schritt nach den zusätzlichen Sicherheiten, die wir bieten. Sollte es tatsächlich zu einem Insolvenzfall kommen, werden die Anleihegläubiger nicht vorrangig, aber auch nicht nachrangig bedient. Die Befriedigung ihrer Ansprüche soll aber natürlich aus den bestellten Sicherheiten erlangt werden.

Anleihen Finder Redaktion: Ihr Schlussplädoyer: Warum sollten sowohl institutionelle als auch private Investoren Anleihen der SUNfarming GmbH erwerben?

Martin Tauschke: SUNfarming ist ein etablierter Projektentwickler von schlüsselfertigen Solaranlagen, der in seiner bisherigen Unternehmenshistorie durchweg profitabel gearbeitet hat. Unsere langjährig gewachsenen Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten, Kunden, Banken und Entscheidungsträgern sowie unser Track-Record haben uns eine hohe Marktakzeptanz verschafft. Wir verfügen über eine gut entwickelte Projektpipeline in Kombination mit einer hohen Vermarktungssicherheit durch Dritte und insbesondere durch die bestandshaltenden Projektgesellschaften der Schrum-Tauschke-Unternehmensfamilie. Unsere Anleihe bietet über die Laufzeit von fünf Jahren einen attraktiven Kupon von 6,50% p.a. bei halbjährlicher Zinszahlung – ohne jegliches vorzeitiges Kündigungsrecht der SUNfarming GmbH. Zusätzlich zeichnet sich die Anleihe durch ein substanzielles, mehrstufiges Sicherheitenkonzept aus.

Anleihen Finder Redaktion: Besten Dank für Ihre Antworten, Herr Tauschke.

Anleihen Finder Redaktion.

Fotos: SUNfarming GmbH

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