„Sehe uns als ein wesentliches Grundversorgungsunternehmen für die Bevölkerung“ – Interview mit AGRARIUS-Chef Ottmar Lotz

Montag, 30. März 2020


Die AGRARIUS AG hat Anfang des Jahres eine sechsjährige Unternehmensanleihe 2020/26 (ISIN DE000A255D70) im Volumen von 5,00 Mio. Euro platziert. Der Minibond ist mit einem Zinskupon von 5,00% p.a. ausgestattet und notiert an der Börse Frankfurt. Die Anleihen Finder Redaktion hat mit Vorstand Ottmar Lotz über die Geschäftstätigkeit des Unternehmens und natürlich auch über die derzeitige Corona-Situation gesprochen.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Lotz, zunächst einmal die Frage, wie geht es Ihnen, und wie geht die AGRARIUS AG mit der Corona-Krise um?

Ottmar Lotz

Ottmar Lotz: Wir haben frühzeitig, sowohl in Deutschland als auch in Rumänien, auf die Corona-Krise reagiert. Die rumänische Regierung hat beizeiten stark einschneidende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen, demzufolge beträgt auch die offizielle Anzahl der erkrankten in Rumänien lediglich 1.029 Personen (Stand 26.03.20).

Unsere Mitarbeiter wurden von uns hinsichtlich der Verhaltensweisen in der Firma und im privaten Bereich aufgeklärt und geschult. Bisher verhalten sich alle im Team sehr verantwortungsvoll, das ist wirklich vorbildlich. Ich selbst schütze mich schon seit längerem und bin nun auch im Home-Office. Dass wir überall entsprechende Hinweise und Desinfektionsmittel platziert haben, erachte ich als selbstverständlich.

Anleihen Finder: Können Sie uns das Geschäftsmodell der AGRARIUS AG kurz erläutern? Welche Produkte bauen Sie an? Und inwieweit ist die Geschäftstätigkeit der AGRARIUS AG aktuell von der Corona-Krise betroffen?

Ottmar Lotz: Die AGRARIUS bewirtschaftet in Rumänien inzwischen rund 6.500 Hektar Ackerland, wir sind ein reiner Ackerbaubetrieb. Es werden die Kulturen Winterraps, Wintergerste, Winterweizen, Mais, Sonnenblume und Soja angebaut. Nach der Flächenexpansion der vergangenen Jahre liegt der Fokus der Gesellschaft aktuell auf der Konsolidierung des Flächenwachstums und Steigerung der Profitabilität.

„Auswirkungen der Corona-Krise auf unser Geschäft sind bisher gering“

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf unser Geschäft sind bisher gering. Und wir werden alles Notwendige dafür leisten, das das auch so bleibt. Neben den bereits zuvor genannten Maßnahmen sind wir hinsichtlich unserer benötigten Betriebsmittel so aufgestellt, dass wir bis zur Ernte autark arbeiten können. Das bedeutet Dünger- und Pflanzenschutzmittel sowie Diesel und Saatgut sind in ausreichender Menge im Lager vorhanden. Lediglich bei dem Verkauf unserer Agrarrohstoffe, wie z. B. Mais, gibt es Verzögerungen bei der Abholung, die unser Geschäft allerdings nur auf der zeitlichen Ebene hinsichtlich des Zahlungseingangs beeinträchtigen und keine Umsatz- oder Ertragseinbußen zur Folge haben.

Anleihen Finder: Sie haben unlängst Ihre erste Unternehmensanleihe bei institutionellen Investoren platziert. Warum haben Sie sich für das Finanzierungsinstrument Anleihe entschieden und wofür sollen die Erlöse verwendet werden?

Ottmar Lotz: Die besondere Struktur der AGRARIUS hinsichtlich der Verfügbarkeit von Krediten zur Finanzierung des Geschäftsbetriebs hat letztendlich dafür den Ausschlag gegeben. Deutsche Banken verhalten sich mit der Kreditvergabe an uns zurückhaltend, da die Sicherheiten in Rumänien liegen. Rumänische Banken sind sehr konservativ bei der Kreditvergabe, Kredite müssen jedes Jahr komplett neu beantragt werden. Das birgt eine gewisse Unsicherheit und bringt viel unnötige Arbeit für das Team mit sich. Und als wir den Handel mit Agrarrohstoffen begonnen haben, war die Lagerfinanzierung immer ein Thema für uns. Mit der Anleihe können wir uns auf das Geschäft konzentrieren und durch den antizyklischen Ein- und Verkauf von Betriebsmitteln und Agrarrohstoffen bereits einen Teil der Zinsen erwirtschaften. Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen. Wir benötigen im Jahr für ca. 3 Mio. € Betriebsmittel. Wenn wir durch eine gute Liquiditätsausstattung diese antizyklisch einkaufen können und ca. 5 %-Preisvorteil erzielen, sind das bereits rund 150 T€ Einsparung. Hinzu kommen die Effekte durch den Handel und späteren Verkauf von Agrarrohstoffen. Unter anderem vor diesem Hintergrund, haben Organe des Aufsichtsrats im erheblichen Umfang die Anleihe gezeichnet und bisherige Kredite in die Anleihe gewandelt.

Anleihen Finder: Welchen Teil der Wertschöpfungskette bilden Sie dabei ab? Was unterscheidet Sie von anderen Agrarunternehmen?

„Wir produzieren hochwertige Agrarrohstoffe“

Ottmar Lotz: Wir sind ein reines Ackerbauunternehmen ohne jegliche Tierhaltung. Unsere Aufgabe ist die Produktion von hochwertigen Agrarrohstoffen von der Aussaat bis zur Ernte. Zusätzlich betreiben wir noch Handel mit Agrarrohstoffen.

Anleihen Finder: AGRARIUS ist ausnahmslos in Rumänien tätig. Warum ist Rumänien für Sie der ideale Standort? Planen Sie die Bewirtschaftung von Ackerflächen auch noch in anderen Ländern/Regionen?

Ottmar Lotz: Wir haben uns bewusst für den Standort Rumänien entscheiden. Unsere Kriterien waren Rechtssicherheit, bedingt durch die Mitgliedschaft in der EU, klimatische Bedingungen, Verfügbarkeit und Qualität von Ackerland, Preise, Grundbuch und 100 % garantiertes Eigentum. Anhand dieser Parameter haben wir Rumänien als Standort ausgewählt. Aktuell ist keine Ausweitung auf andere Länder und Regionen geplant.

Anleihen Finder: Was sind die entscheidenden Parameter in Ihrem Geschäftsmodell? Worauf kommt es im Wesentlichen an?

„Möchten die höchsten standortspezifischen Erträge mit dem geringsten Aufwand erzielen“

Ottmar Lotz: Da wir die Preise für Agrarrohstoffe und klimatische Bedingungen nicht beeinflussen können, ist ein starker Fokus auf die von uns direkt beeinflussbaren Kosten zwingend. Hinzu kommt die richtigen, für den Standort geeigneten Sorten für den Anbau auszuwählen und durch fachlich exzellente Arbeit unsere Ackerflächen in den bestmöglichen Zustand zu versetzen. Wir möchten auf unseren Flächen die höchsten standortspezifischen Erträge mit dem geringsten Aufwand erzielen, darauf kommt es an.

Anleihen Finder: Können Sie uns die wichtigsten Finanzkennzahlen (Umsatz, EBITDA, Gewinn, Verschuldung) aus den letzten drei Jahren und deren Entwicklung kurz nennen?

Ottmar Lotz: 2016 war ein gutes Jahr für uns, der Umsatz im Jahr 2016 hat 7,0 Mio. € betragen, das EBITDA 1,3 Mio. €, und der Gewinn 555 T€ bei einer Eigenkapitalquote von 39%. In diesem Jahr hat sich ein Teil des in unserem Unternehmen vorhandenen Potentials gezeigt.

Im Jahr 2017 ist – bedingt durch eine ungünstige Wetterlage und entsprechende Mindererträge – der Umsatz auf 6,5 Mio. € zurückgegangen, das EBITDA war 11 T€ und der Gewinn -959 T€ bei einer Eigenkapitalquote von 35 %.

Das Jahr 2018 war danach wieder deutlich besser, verbunden mit einem Umsatzanstieg auf rund 9,5 Mio. €, EBITDA von 1,3 Mio. € und Ergebnis von 233 T€. Die Eigenkapitalquote 2018 beträgt 29 %. Der Konzernabschluss 2019 wird gerade erstellt und nach Fertigstellung veröffentlicht.

Anleihen Finder: Die Erntephasen waren in den vergangenen Jahren also sehr unterschiedlich. Nach Gewinnjahren folgten auch immer wieder Verlustjahre, so auch womöglich im Jahr 2019. Woran liegt das? Lediglich am Klimawandel?

„Werden robustere Sorten im Anbau einsetzen“

Ottmar Lotz: Nein, der Klimawandel spielt in dieser Hinsicht meiner Meinung nach eine untergeordnete Rolle. Die klimatischen Verhältnisse, welche zu den Mindererträgen geführt haben, gab es auch früher schon an unserem Standort. Zudem kann der Klimawandel die Anbaukonditionen durchaus verbessern und nicht nur verschlechtern, wir dürfen das nicht eindimensional sehen. Entscheidend wird sein, ob solche klimatischen Bedingungen in Zukunft vermehrt auftreten werden und wie wir damit umgehen. Wir bereiten uns schon heute auf eine Veränderung der klimatischen Verhältnisse vor, indem wir robustere Sorten, die auch eine Trockenperiode besser verkraften können, einsetzen. Die Züchtung hat ebenso auf die neuen Herausforderungen reagiert und wird in Zukunft weitere Sorten auf den Markt bringen, welche unter unterschiedlichen Bedingungen ebenfalls gute Erträge bringen.

Anleihen Finder: Ein SMC-Research bescheinigt der AGRARIUS AG „operativ gut aufgestellt“ zu sein. Womit begründen die Analysten diese Einschätzung und inwiefern teilen Sie diese?

Ottmar Lotz: SMC-Research analysiert unsere Gesellschaft bereits seit mehreren Jahren und kennt unser Geschäft dadurch sehr gut. Wir haben in den letzten Jahren viel investiert und den operativen Teil kontinuierlich auf ein inzwischen hohes Niveau weiterentwickelt. Hintergrund ist die bereits erwähnte von uns verfolgte „kostenoptimierte Hochertragsstrategie“. Wir haben unsere Ackerflächen kontinuierlich erweitert, den Zustand der Flächen verbessert und sind kontinuierlich dabei, unsere Hausaufgaben hinsichtlich der Optimierung des operativen Geschäfts zu machen. Sie werden in Rumänien schwer einen besser aufgestellten Betrieb als unseren finden.

Anleihen Finder: AGRARIUS ist seit 2008 börsennotiert und hat vor der aktuellen Anleihe bereits zwei Wandelanleihen begeben. Wie ist die Aktionärsstruktur des Unternehmens aufgebaut?

Ottmar Lotz: Wir haben zwei große Aktionärsblöcke. Den größten Anteil an der Gesellschaft hält die Kling GmbH, u. a. vertreten durch unseren Aufsichtsratsvorsitzenden Bruno Kling. Ein weiterer großer Block ist indirekt unserem stellvertretendem Aufsichtsratsvorsitzenden Markus Stillger und seinem Netzwerk zuzuordnen. Der Anteil der Streubesitzaktionäre dürfte bei über 50 % liegen.

Anleihen Finder: Wo sehen Sie im aktuellen Umfeld die größten Chancen, aber auch größten Risiken für die AGRARIUS AG?

„Mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft“

Ottmar Lotz: Die Corona-Krise hat uns allen gezeigt, wie wichtig eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln und gut funktionierende Landwirtschaft ist. Insofern sehe ich uns als ein wesentliches Grundversorgungsunternehmen für die Bevölkerung. Meine Hoffnung ist, dass wir in Zukunft wieder mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft mit steigenden Preisen und lokaler Produktion in Europa erfahren. Durch unseren aktuellen Konsolidierungskurs werden wir in der Lage sein, bei durchschnittlichen klimatischen Verhältnissen und vernünftigen Preisen deutlich bessere Ergebnisse als in der Vergangenheit zu erzielen. Risiken sind aus meiner Sicht eine überbordende Regulierung der Landwirtschaft und ungünstige Wetterverhältnisse in einem Wirtschaftsjahr. Diese Risiken sind jedoch branchenimmanent.

Anleihen Finder: Welche unternehmerischen Meilensteine möchten Sie persönlich mit der AGRARIUS AG in den nächsten Jahren erreichen?

Ottmar Lotz: Zunächst geht es darum, unser durchschnittliches Ergebnisniveau deutlich anzuheben und die Ernte im finanziellen Sinn aus den getätigten Investitionen einzufahren. Zudem sind wir kontinuierlich auf der Suche nach weiteren interessanten Geschäftsfeldern, die unser Setup gut ergänzen können. Mein persönliches Ziel ist es, in den nächsten Jahren für unsere Gesellschaft eine durchschnittliche Bruttoumsatzrendite von 8 bis 10 % zu erreichen.

Anleihen Finder: Herr Lotz, besten Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion.

Alle Fotos: AGRARIUS AG

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