„Die Investoren müssen sich keine Sorgen machen“ – Interview mit Aimé Hecker, CEO der HYLEA Group

Donnerstag, 29. Oktober 2020


Paranussproduzent HYLEA ist seit 2017 mit einer Unternehmensanleihe am deutschen Kapitalmarkt vertreten. Die HYELA-Anleihe 2017/22 (ISIN DE000A19S801) wird jährlich mit 7,25% verzinst und läuft noch bis zum 01.12.2022. Das Familien-Unternehmen produziert seine BIO-Produkte im Heimatland Bolivien und exportiert diese in die ganze Welt. Keine leichte Aufgabe in Pandemie-Zeiten. Die Anleihen Finder Redaktion hat mit dem Unternehmenschef Aimé Hecker über die aktuelle Situation und die Herausforderungen beim Paranuss-Exporteur gesprochen.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Hecker, zunächst einmal wie geht es Ihnen persönlich und wie ist die aktuelle Corona-Situation im HYLEA-Produktionsland Bolivien? Wie geht HYLEA damit um?

Aimé Hecker

Aimé Hecker: Danke für Ihre Anfrage. Mir persönlich und meiner gesamten Familie geht es sehr gut. Keiner in unserem Umfeld wurde bis dato positiv auf Corona getestet oder hatte irgendwelche Symptome. Jeder von uns hier in Deutschland spürt ja nun direkt wie sich das Leben und das Lebensumfeld eines jeden Einzelnen durch die Pandemie verändert hat und welche Einschränkungen und Probleme das mit sich bringt. Vor diesem Hintergrund können Sie und Ihre Leser sich sicher vorstellen, wie ein Entwicklungsland wie Bolivien durch das Coronavirus betroffen ist. Die Krankenhäuser sind hoffnungslos überlastet und viele Erkrankte erhalten keine medizinische Hilfe. Das hat natürlich schlimme Folgen. Mit Reiseverboten, Ausgangssperren und Hygienemaßnahmen versucht Bolivien die Situation zu stabilisieren. Dennoch steigen auch hier die Fallzahlen leider wieder.

Anleihen Finder: Auch die Regierungskrise hat das Land lange beschäftigt. Was bedeutet der Ausgang der gerade durchgeführten Präsidentschafts-Wahl für die HYLEA Group?

Aimé Hecker: Da mit Luis Arce der Kandidat der sozialistischen Partei wiedergewählt wurde, wird sich an der politischen Doktrin in Bolivien nichts ändern. Wir rechnen daher mit keinen großen politischen Veränderungen. Selbstverständlich muss die neue Regierung die wirtschaftliche Lage im Land nun schnell unter Kontrolle bekommen. Der Ölpreis liegt auf dem schwächsten Niveau seit 2015 und die Corona-Krise hemmt den Binnen-Konsum gewaltig. Um es kurz zu beantworten, die politischen Risiken sind nicht größer als zuvor, die Herausforderungen der neuen Regierung liegen eher im makroökonomischen Bereich.

Anleihen Finder: Lassen Sie uns konkreter werden. Welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf die Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens? Was sind die größten Herausforderungen für das Exportunternehmen HYLEA?

„Das Wichtigste ist eine funktionierende Lieferkette ohne Unterbrechungen“

Transportweg im bolivianischen Regenwald

Aimé Hecker: Die Logistik ist aktuell die größte Herausforderung. Von unseren vier großen Zentrallagern muss die Paranuss-Rohware zunächst in unsere Fabrik nach Fortaleza transportiert werden. Nach der Verarbeitung folgt der Transport der fertigen Exportware nach Chile, um von dort aus verschifft zu werden. Bolivien besitzt als Binnenland ja keinen Meerzugang, demzufolge sind nicht nur die Maßnahmen im Inland, sondern auch die in Chile zu berücksichtigen. Im ersten Halbjahr war wegen Covid-19 keine planmäßige Verschiffung möglich, dadurch kam es zu Lieferverzögerungen.

Im zweiten Halbjahr haben wir alles unternommen, um Aufholeffekte zu realisieren. So wurden zusätzliche Transportrouten evaluiert, beispielsweise nutzen wir neben dem Freihandelshafen Arica nun auch den Hafen Iquique in Chile für die Verschiffung unserer Container. Das Wichtigste ist dabei, eine funktionierende Lieferkette ohne Unterbrechungen zu gewährleisten. Aufgrund der Pandemie-Sondersituation gab und gibt es erhebliche Einschränkungen, was dazu führt, dass wir besonders im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr wesentlich weniger Container exportieren konnten.

Anleihen Finder: Können Sie uns Auskunft zur aktuellen Auftragslage geben? Mit welchen Produktions- und Exportvolumen rechnen Sie in 2020? 

Aimé Hecker: Wir haben aktuell 157 FCL-Container (1 FCL „Full Container Load“ entspricht 16 Tonnen Paranüssen) verkauft. Bis zum Jahresende rechnen wir mit dem Verkauf von 180-190 FCL, also mit einem konsolidierten Umsatzniveau auf Vorjahresbasis. Dann hätten wir die Aufholeffekte, wie wir sie in unserer Corporate News am 24. August angekündigt haben, trotz der besonderen Situation erfolgreich umgesetzt.

Anleihen Finder: Wie sieht die aktuelle Finanzsituation der Unternehmensgruppe aus und mit welchen Zahlen rechnen Sie für das Gesamtjahr 2020?

Aimé Hecker: Wir werden in den nächsten Wochen unseren Halbjahresbericht veröffentlichen und möchten hier nicht vorgreifen.

Anleihen Finder: Gibt es neben den genannten Herausforderungen auch positive Entwicklungen im Unternehmen? Wo sehen Sie aktuell große Chancen/Möglichkeiten für die HYLEA Group?

Aimé Hecker: Dieses Jahr war für uns eines der schwierigsten Jahre in der jüngeren Geschichte des Unternehmens. Aber jede schwierige Phase hat auch etwas Gutes und so waren wir wegen der Corona-Krise nicht zwangsweise auf Wachstum fokussiert und haben die Zeit genutzt, um grundlegende Dinge im Unternehmen zu strukturieren.

„Haben Corona-Zeit genutzt, um interne Prozesse zu optimieren“

Durch die Inbetriebnahme der neuen Fabrik mussten viele neue Prozesse eingeführt werden, die auf unterschiedlichste Weise mit anderen Prozessen interagieren müssen. Dies betraf im Besonderen die Fabrik, wo jeder einzelne Verarbeitungsprozess vom Sortieren über das Schälen, das Trocknen und Verpacken in einem Zwei-Schichtsystem sauber installiert werden musste. Aber auch in der Distribution haben wir neue Systeme, Strukturen und auch Personalien eingeführt, die die Grundlagen für das zukünftige Wachstum bilden sollen. Schlussendlich wurden alle Prozesse innerhalb der Gruppe, insbesondere die der Produktionsgesellschaft HYLEA1884 S.R.L. und des Distributors HYLEA Foods als eine Einheit zusammengeführt.

Zudem haben wir mit dem BIO Paranüsse & Cashew-Mix, den BIO Mangostücken und dem BIO Paranussöl unser Produktangebot deutlich erweitert. Aktuell sind die Produkte im Onlineshop der HYLEA Regenwaldprodukte eG erhältlich. Im kommenden Jahr sollen die neuen Produkte auch im Einzelhandel gelistet werden.

Anleihen Finder: Unlängst hat es bei HYLEA einige interne Veränderungen auch bzgl. der Tochtergesellschaft HYLEA Foods AG gegeben. Klären Sie uns doch kurz auf, was es damit auf sich hat?

Aimé Hecker: Wir haben die HYLEA Foods in den drei Hauptbereichen Vertrieb, Verwaltung und Supply Chain neu strukturiert und mit äußerst erfahrenen Personen besetzt. Verantwortlich für die Verwaltung und neuer Vorstand der HYLEA Foods AG ist Gerd Kinkel, der vor allem die Digitalisierung von kollaborativen Unternehmensprozessen sowie das Rechnungswesen übernehmen wird. Für den Vertrieb ist nun Burkhard Laufenberg zuständig, der seit den 1990er Jahren in bekannten Lebensmittelunternehmen tätig war. Die Supply Chain, also die Geschäfte innerhalb der gesamten Lieferkette, von der Rohwarenbeschaffung, der Produktion, Lagerung bis hin zu Import-Export ist, in dieser ersten Restrukturierungsphase, mein Aufgabenfeld.

Anleihen Finder: Für Investoren ist es nicht uninteressant, dass die HYLEA Group S.A. ihre Beteiligung an der Produktionsgesellschaft HYLEA 1884 S.R.L. in diesem Jahr weiter erhöht hat. Was bezwecken Sie damit?

„Es ist für uns sicherlich ein herausforderndes Jahr“

Aimé Hecker: Der Vertrag ist erstellt und wurde unterzeichnet, da haben Sie recht. Er muss in Bolivien allerdings noch notariell beglaubigt werden. Das war aufgrund der Corona-Krise bislang noch nicht möglich, da ich wegen Reisebeschränkungen noch nicht nach Bolivien fliegen konnte. Zur neuen Erntesaison im Dezember bzw. Januar soll dies aber spätestens geschehen.

Wir haben in unserer über hundertjährigen Firmengeschichte gute und herausfordernde Jahre gehabt. Dieses Jahr ist für uns sicherlich eines der herausfordernden Jahre. Für uns ist es wichtig, dass sich Investoren im gesamten Wachstumsprozess der HYLEA sicher und wohl aufgehoben fühlen. Die höhere Beteiligung an der Produktionsgesellschaft HYLEA 1884 soll die Investoren noch enger an HYLEA binden und ihnen noch mehr Sicherheit geben.

Neue Paranuss-Fabrik in Fortaleza

Anleihen Finder: Sie haben sich kontinuierlich eine breite Investoren-Basis erarbeitet.Im Sommer musste die Zinszahlung für die 7,25%-HYLEA-Anleihe allerdings kurzzeitig um eine Woche verschoben werden. Was waren die Hintergründe dafür? Müssen sich die Investoren Sorgen machen?

Aimé Hecker: Die HYLEA Group S.A. wickelt ihre Geschäfte vor allem in USD-Dollar ab. Bei der Devisenkonvertierung von USD zu Euro kam es zu einem Valuta-Fehler, dessen Behebung sich aufgrund von regulären Transaktionszeiten im internationalen Zahlungsverkehr hinzog. Deshalb wurde die Zinszahlung nachgeholt. Die Investoren müssen sich keine Sorgen machen.

Anleihen Finder: Blicken wir nach vorne – HYLEA ist derzeit die Nr. 3 am Paranussmarkt weltweit und hat die modernste Paranuss-Fabrik Boliviens aufgebaut. Welche mittelfristigen Ziele/Meilensteine wollen Sie erreichen? Welche neuen Märkte und Produkte haben Sie darüber hinaus im Visier?

„Wollen mittelfristig der größte Produzent und Distributor für Paranussprodukte weltweit werden“

Aimé Hecker: Zunächst einmal planen wir kurzfristig, die Fabrik auf ein Drei-Schichtsystem hochzufahren, um unsere Produktionskapazitäten auszubauen. Mittelfristig ist es unser Ziel, der größte Produzent und Distributor für Paranussprodukte in Bolivien und weltweit zu werden. Wir entwickeln derzeit gemeinsam mit der TH Köln neue Produkte. Sie können gespannt sein, welche neuen Produktinnovationen im kommenden Jahr auf dem Markt kommen.

Anleihen Finder: Abschließend: Was möchten Sie Ihren Investoren und unseren Lesern auf diesem Weg noch mitteilen?

Aimé Hecker: Kaufen sie Paranüsse. Egal ob im Lebensmitteleinzelhandel oder bei uns im Onlineshop. Gerade jetzt, wo der Herbst begonnen hat, es früher dunkel und am Morgen später hell wird, stärkt die Paranuss unser Immunsystem. Neben vielen anderen Mineralien enthält die Paranuss Selen, Magnesium und Zink die den Körper in dunklen Zeiten dringend braucht.

Die Paranüsse schmecken gut, sorgen für gute Laune undsind der beste Begleiter für die vor uns liegende Zeit. Und mit jedem Verzehr unterstützten Sie unsere Projekte für den Regenwaldschutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Paranuss-Sammler vor Ort.

Anleihen Finder: Herr Hecker, besten Dank für das informative Gespräch und viel Erfolg weiterhin.

Anleihen Finder Redaktion.

Fotos: HYLEA Group S.A.

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