Interview: Frank Kochan, Geschäftsführer der FFK Environment GmbH, über sein Unternehmen und die Anleihenemission

Freitag, 13. Mai 2011

Die FFK Environment GmbH bietet in den Geschäftsbereichen Logistik & Entsorgung, Rohstoffproduktion und Rohstoffhandel Leistungen rund um die Abfallentsorgung und Sekundärrohstoff-Produktion an. Das 1992 als Abfalllogistiker gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Peitz bei Cottbus beschäftigt derzeit rund 120 Mitarbeiter. Kerngeschäft ist die Herstellung von klimafreundlichen Ersatzbrennstoffen aus Abfällen. Abnehmer der Brennstoffe sind unter anderem Zementhersteller und Energieversorger, die eine umweltfreundliche Alternative zu Braun- und Steinkohle nutzen, um weniger CO2 zu produzieren. In diesem Segment zählt FFK zu den führenden Herstellern in Deutschland und ist inzwischen einer der größten Exporteure von Ersatzbrennstoffen.

Nun begibt FFK eine mit 7,25% verzinste Unternehmensanleihe mit einer fünfjährigen Laufzeit und einem Emissionsvolumen von bis zu 25 Mio. Euro. Das mit BB+ (Creditreform Rating) eingestufte Wertpapier ist ab dem 16. Mai 2011 im „mittelstandsmarkt“, das Mittelstandssegment der Börse Düsseldorf, zur Zeichnung freigegeben. Anleihen Finder sprach mit Frank Kochan, dem Gründer und Geschäftsführer der FFK über die Zukunft des Unternehmens und die aktuelle Emission.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Kochan, Sie waren 18 Jahre alt, als Sie die FFK Environment GmbH gegründet haben. Was war Ihr Antrieb, in diesem eher zarten Alter ein Unternehmen zu gründen? Was waren in den letzten fast 20 Jahren für Sie die Schlüsselereignisse, die den Erfolg Ihres Unternehmens begründet haben?

Frank Kochan: Ja, ich war in der Tat noch sehr jung. Eigentlich wollte ich Kunstgeschichte und Architektur studieren. Mein Vater, der 1991 einen Papiersortierbetrieb gründete, hat mich dann animiert, doch in die Wirtschaft zu gehen. So begann ich mit dem BWL-Studium in Frankfurt/Oder und gründete parallel mein eigenes Unternehmen. Das Thema Abfallentsorgung steckte damals in Ostdeutschland noch in den Kinderschuhen und bot unglaubliche Chancen. Die haben wir mit FFK genutzt und sind kontinuierlich gewachsen.
Ein Schlüsselereignis für unser Geschäft war die Umsetzung der EU-Richtlinie zum Deponieverbot in Deutschland im Jahr 2005. Dadurch bekam die Abfallverwertung und das Thema Recycling plötzlich eine ganz besondere Bedeutung. Nicht umsonst ist die Sekundärrohstoffbranche die wachstumsstärkste Branche der deutschen Wirtschaft der letzten Jahre.

Anleihen Finder: Können Sie uns das Geschäftsmodell „Ersatzbrennstoffe“ bitte etwas näher bringen? Woraus sind die Brennstoffe gemacht und wie werden sie hergestellt? Wer sind die heutigen oder zukünftigen Abnehmer und welchen Zusatznutzen stiften Ersatzbrennstoffe gegenüber herkömmlichen Brennstoffen für Ihre Kunden?

Frank Kochan: Wir bereiten Abfall so auf, dass daraus ein leistungsfähiger Brennstoff wird. Diesen Brennstoff liefern wir an große, internationale Energiekonzerne wie E.ON oder Vattenfall. Außerdem decken große Zementhersteller damit ihren Energiebedarf in der Produktion. HeidelbergCement, Cemex oder Dyckerhoff sind beispielsweise bedeutende Abnehmer von uns. Wir ersetzen mit diesem Ersatzbrennstoff aus Abfall Kohle in der Energieerzeugung. Mit einer Tonne Brennstoff aus Abfall lassen sich bis zu 1,5 Tonnen Braunkohle einsparen. Aufgrund der biogenen Bestandteile spart unser Brennstoff CO2 ein. Damit ist er für die Industrie ökonomisch und ökologisch hoch interessant.

Anleihen Finder: Welche strategische Rolle werden Ihre beiden anderen Geschäftsbereiche – Logistik & Entsorgung und Rohstoffhandel – für die Zukunft des Unternehmens spielen?

Frank Kochan: Beide Bereiche sind Bestandteile unseres Geschäftsmodells und werden es auch bleiben. Der Bereich Logistik ist für uns Mittel zum Zweck. Unsere Lkw-Flotte sorgt für eine effiziente Versorgung unserer Produktion mit Haus- und Gewerbeabfällen und für die Auslieferung unseres Brennstoffs. Der Rohstoffhandel ist das Geschäft mit Sekundärrohstoffen wie Altpapier, Kunststoffen und Metallen. Der Bereich ist profitabel und wird mit steigenden Preisen für Primärrohstoffe wichtig bleiben.

Anleihen Finder: Erwarten Sie im Lichte eines möglicherweise beschleunigten Atomausstiegs in Deutschland und der weltweit steigenden Sensibilität für regenerative Brennstoffe konkrete Änderungen der Rahmenbedingungen, die positiv auf Ihr Geschäftsmodell wirken? Stehen Sie hier im Wettbewerb mit anderen „grünen“ Brennstoffen, wie zum Beispiel Holzpellets?

Frank Kochan: Ja, ein beschleunigter Atomausstieg wird sich positiv auf unser Geschäft auswirken. Denn dadurch wächst die Bedeutung ressourcenschonender Energiequellen wie Abfall. Ein weiterer wichtiger Wachstumstreiber für unser Geschäft sind die erwarteten Preissteigerungen für CO2-Zertifikate, insbesondere ab 2013 wenn die Verschmutzungsrechte bezahlt werden müssen. Dadurch werden unsere klimafreundlichen Ersatzbrennstoffe noch wertvoller für die Energieversorger und Zementhersteller. Dabei stehen wir nicht im Wettbewerb zu Holzpellets. Wir setzen ausschließlich Abfälle ein und erzeugen daraus CO2-neutrale Brennstoffe für die Industrie und nicht für die Privatnutzer.

Anleihen Finder: Bei einer erfolgreichen Emission ihrer Anleihe wird sich die Bilanzsumme der Emittentin rund verdoppeln – ein großer Schritt für das Unternehmen. 80% des Emissionserlöses sollen für Kapazitätsausweitungen und Akquisitionen verwendet werden, 20% zur Rückführung bestehender Verbindlichkeiten. Wie haben Sie das Unternehmen auf das explosionsartige Wachstum, insbesondere auf den Aufkauf ganzer Unternehmen, vorbereitet?

Frank Kochan: Wir sind in den vergangenen 15 Jahren um durchschnittlich mehr als 20 % p.a. gewachsen und arbeiten nachhaltig profitabel. Wachstum ist ein integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Die geplanten Akquisitionen betreffen kleinere regionale Entsorger. Mit diesen arbeiten wir teilweise schon zusammen und werden sie problemlos integrieren. Was die Kapazitätsausweitung betrifft, so wird diese nicht „explosionsartig“, sondern mit Augenmaß und sehr kontrolliert erfolgen. Wir machen ja nichts neues, sondern das, womit wir seit Jahren erfolgreich sind.

Anleihen Finder: Ende 2013 wird ein Nachrangdarlehen in Höhe von 6 Mio. Euro aus dem Mezza-nineprogramm H.E.A.T. von HSBC Trinkaus & Burkhardt fällig. Sollen die Emissionserlöse auch in Teilen für die Rückführung dieser Verbindlichkeiten verwendet werden? Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Finanzierungsinstrumenten außerhalb der der klassischen Kreditfinanzierung?

Frank Kochan: Ja, wir wollen das Nachrangdarlehen mit den Mitteln aus der Anleihe zurückführen und zwar bereits vor Ende 2013. Die Erfahrung mit der Mezzanine-Finanzierung war für uns sehr wertvoll. Wir brauchten ein Rating von Moody’s und mussten umfangreiche Reporting-Pflichten erfüllen. Das war eine gute Vorbereitung auf die Anleihe-Emission.

Anleihen Finder: Eine Besonderheit der FFK-Anleihe sind die explizit vereinbarten Kündigungsrechte der Anleihegläubiger. Investoren haben das Recht auf Kündigung und vorzeitige Rückzahlung des Nominals und aufgelaufener Zinsen, wenn FFK 60 Tage in Zahlungsverzug gerät (bei vierteljährlicher Zinszahlung) oder Sie nicht mehr die unternehmerische Kontrolle inne halten. Außerdem sind Ausschüttungen an Sie über die Laufzeit der Anleihe faktisch auf 250.000 Euro begrenzt. Andere Emittenten gewähren solche Rechte nicht. Was ist Ihre Motivation hierfür?

Frank Kochan: Wir wollen bei unseren Anlegern Vertrauen schaffen und zeigen, dass wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Im Übrigen planen wir mittelfristig den Börsengang. Die Anleihe ist ein wichtiger Schritt an den Kapitalmarkt und soll bereits heute ein hohes Maß an Transparenz und Sicherheit bieten.

Anleihen Finder: Zum Abschluss unseres Interviews hätten wir noch einige kurze Fragen zu den erwarteten Kosten Ihrer Emission von rund 7,6% des platzierten Nominalvolumens. Damit liegen Sie deutlich am oberen Ende der „normalen“ Spannbreite. Was macht den Löwenanteil der Platzirerungkosten aus?

Frank Kochan: Die im Prospekt angegebenen 1,9 Mio. Euro sind eine absolute Obergrenze. Wir gehen davon aus, dass die Kosten deutlich geringer ausfallen. Denn wir erwarten eine hohe Nachfrage von Privatanlegern, so dass der größte Kostenblock, die Platzierungsprovisionen für Selling Agents, weniger ins Gewicht fällt.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Kochan, wir danken Ihnen für Ihre offenen Worte und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Platzierung Ihrer Anleihe.

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