Anleihe-Kolumne: Die alternative Bond-Währung

Mittwoch, 24. Juli 2019


Kolumne des Asset Management Teams der Steubing AG:

Es ist richtig, dass alte und konservative Modelle immer weiter in den Hintergrund treten werden. Erkennbar wird dies nicht nur in der (friedlichen) Form des politischen Protests durch Jugendliche, sondern wir werden dies bei den Finanzprodukten sehen – und zwar möglicherweise schneller als wir denken. Momentan werden Blockchain-Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple belächelt und Personen, die sich damit auseinander setzen, als Spieler oder Zocker abgetan.

Maßgebliche Veränderungen werden aber sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Libra, die neue von Facebook eingeführte Währung, wird wahrscheinlich einen Wandel herbeiführen. Marc Zuckerberg wird Libra an Leitwährungen wie den US-Dollar oder den Euro binden. Damit sind Zockern die Hände gebunden. Interessant ist auch, welche Unternehmen der Libra Association beigetreten sind – denn die Libra Association soll als Miner fungieren. Unter anderem sind Uber, Spotify, Vodafone, Coinebase, ebay, Visa, Mastercard Paypal, Booking.com und Spotify dabei. Alles Unternehmen, die mit Hilfe von Libra auf traditionelle und für sie teure Bankdienstleistungen verzichten könnten.

Hat Libra das Zeug sich als alternative Bond-Währung zu etablieren?

Hängen Unternehmen und Investoren noch zu sehr zwischen den Leitplanken des Altbekannten fest? Vor zwei Jahren hat das japanische Unternehmen Fisco eine kleine Anleihe in Bitcoin emittiert, um überhaupt eine Handelbarkeit festzustellen. Momentan wird in Deutschland gefeiert, dass das BaFin genehmigt hat, Anleihen bis zu 8 Millionen Euro ohne Prospekt zuzulassen. Damit sind die bürokratischen Hürden und Kosten in Deutschland für kleine Emissionen niedriger gelegt worden. Das BaFin geht paralell von einem wilden ICO-Hype aus und wünscht sich einen STO-Rechtsrahmen für Bond-Emittenten. Lassen wir unseren Blick ganz kurz auf die Digitalbank N26 abschweifen. Hier konnte das BaFin die von vorneherein vorhandenen Bank-Regularien einfordern. Das Start-up N26 ist aber wahnsinnig schnell gewachsen und die deutsche Behörde hinkt hinterher bei Themen wie z. B. Geldsicherheit oder Geldwäsche – bei einer Bank, die in Deutschland zugelassen ist. Retour zum Libra-Coin und die Möglichkeiten dieser neuen Währung. Welche regionale Aufsichtsbehörde weltweit wäre für einen STO-Rechtsrahmen zuständig? Die Keule einer BaFin oder ESMA Produktintervention würde wohl ein Weltunternehmen wie Facebook nicht jucken.

Die Problematik sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Aufbrechen verkrusteter Strukturen ist immer wichtig und richtig. Internet-Währungen werden in der Realwirtschaft und auch bei Finanzprodukten via Token ihren Einzug erhalten. Wir sind uns sicher, dass Facebook mit dem Libra-Coin eine Blaupause sein wird. Dennoch darf Libra nicht für Wild-West-Bonds missbraucht werden. Es stehen sicherlich schon die ersten Anbieter vor der Türe, die das große Vertriebspotential im Retailbereich von Facebook erkannt haben. Der Charme der Einfachheit von Libra gegenüber herkömmlichen Währungen aber auch gegenüber Blockchain wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple, darf nicht in völliger Regulationslosigkeit enden.

Asset Management Team der Steubing AG

Foto: pixabay.com

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