„Adieu, Entry Standard“

Freitag, 10. Februar 2017


Was die Deutsche Börse mit dem neuen KMU-Segment bezweckt und welche Kriterien Unternehmen nun erfüllen müssen…

Jetzt wird es soll langsam ernst. In drei Wochen, am 01. März 2017, startet das neue KMU-Segment an der Börse Frankfurt. Der im Jahre 2005 eingeführte Entry Standard verschwindet dann von der Bildfläche. Erste Handelsteilnehmer wie etwa die Nabaltec AG oder die Deutsche Rohstoff AG haben in den vergangenen Wochen bereits ihren Wechsel in das neue KMU-Segment angekündigt.

Ziel des neuen Segments – dessen Name aktuell im Rahmen eines Wettbewerbs festgelegt und bislang als „KMU-Segment“ bezeichnet wird –  ist es, vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu nationalen und internationalen Investoren zu erleichtern, aber auch mittelständischen Unternehmen ein attraktives Schaufenster anzubieten. Im vergangenen Dezember hatte die Deutsche Börse ihre Handelsteilnehmer mit einem Rundschreiben über den Segment-Wechsel und Ihre Vorhaben informiert. Neben dem neuen Segment wird es übrigens weiterhin das Quotation Board als Listing-Segment im Open  Market geben.

Hinweis für Unternehmen: Im KMU-Segment werden Entgeltanpassungen vorgenommen. Insbesondere sind im KMU-Segment gegenüber dem Entry Standard erhöhte Einbeziehungs-  und Notierungsentgelte zu entrichten, die auch für die Finanzierung des Researchs eingesetzt werden.

Warum hat sich die Deutsche Börse für diesen Schritt entschieden?

„Mit dem neuen KMU-Segment wollen wir den Zugang zu Investoren und Kapital für kleine und mittelgroße Unternehmen verbessern. Der Kapitalbedarf dieser Unternehmen in Deutschland und Europa ist deutlich gestiegen, sie müssen auf Herausforderungen wie die Industrie 4.0 und die Digitalisierung reagieren, das kostet viel Geld. Durch klare Kriterien und erhöhte Anforderungen wie beispielsweise eine verpflichtende jährliche Investoren- und Analystenkonferenz sollen gegenüber Investoren agile Unternehmen Teil dieses Segments werden. Das neue Segment passt außerdem zum Bestreben auf europäischer Ebene, KMUs über die Kapitalmarktunion zu fördern. Die EU-Kommission erwägt derzeit europaweite Standards einzuführen“, so Eric Leupold, Head of Pre-IPO & Capital Markets der Deutschen Börse.

„Langfristig mehr Börsengänge“

Ziel der Deutschen Börse sei es, so Eric Leupold weiter, ein funktionierendes Ökosystem für Wachstum in Deutschland und Europa zu etablieren, das Unternehmen in allen Wachstumsphasen bis hin zur Notierung an der Börse begleitet. Langfristig sollen dadurch mehr Börsengänge stattfinden. Damit unterstütze die Deutsche Börse auch die Ziele der Bundesregierung, Innovation und Wachstum in Deutschland voranzubringen und leistet einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Standorts.

Unternehmen profitieren, weil…

Das neue KMU-Segment soll Unternehmen durch erweiterte Einbeziehungsvoraussetzungen und neue Services eine hohe Visibilität und mehr Transparenz gegenüber Investoren ermöglichen. „Unternehmen profitieren von neuen Services wie den Deutsche Börse Capital Market Partnern, die Emittenten auch nach der Emission an der Börse begleiten, und der Zeichnungsfunktionalität DirectPlace, die es Emittenten ermöglicht, neue Investorengruppen zu erschließen“, so Leupold im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion.

Höhere Standards

Auch Anleger profitieren von einer höheren Transparenz, z.B. durch mindestens eine verpflichtende Analysten- und Investorenkonferenz pro Jahr. Zudem müssen alle Emittenten im neuen Segment die vorgegebenen Mindest-KPIs erfüllen (siehe Tabelle), damit gelten deutlich höhere Standards als im bisherigen Entry Standard. Aktuelle Emittenten im Entry Standard können in das neue Segment wechseln, sofern sie die Kriterien erfüllen. Alternativ werden sie zum 1. März automatisch in das Basic Board des Open Market aufgenommen. Der Entry Standard wird durch das neue Segment abgelöst.

Deutsche Börse Capital Market Partner

Emittenten müssen mit einem Deutsche Börse Capital Market Partner vor und während des Listings zusammenarbeiten. Der akkreditierte Capital Market Partner ist auch gemeinsamer Antragsteller mit dem Emittenten und muss die Eignung des Emittenten für das neue Segment anhand einer Financial und Legal Due Dilligence prüfen. Ferner gilt die EU-weite Marktmissbrauchsrichtlinie im neuen Segment, u.a. sind dadurch Ad-Hoc-Mitteilungen, die Veröffentlichung von Managers’ Transactions und das Führen von Insiderlisten Pflicht.

INFO: Wertpapiere, die bis einschließlich dem 28. Februar 2017 in den Entry Standard einbezogen sind, gelten ab dem 1. März 2017 unter der geltenden Fassung der AGB Deutsche Börse AG vom 1. März 2017 als in das Basic Board einbezogen, ohne dass es einer erneuten Einbeziehung bedarf. Emittenten haben bis einschließlich dem 24. März 2017 die Möglichkeit, eine Einbeziehung dieser Wertpapiere in das KMU-Segment unter erleichterten Einbeziehungsvoraussetzungen zu beantragen.

Anleihen Finder Redaktion.

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Titelbild: giesing / Frankfurt Börse Bulle und Bär / flickr.com

Foto: Eric Leupold, Deutsche Börse AG

Tabelle: Anleihen Finder GmbH

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