„Kaum etwas erscheint in der aktuellen Zeit so sinnvoll wie Bildung“ – Interview mit Andreas Schölzel, Deutsche Bildung AG

Montag, 18. Juli 2022



Die Deutsche Bildung AG fördert und unterstützt seit vielen Jahren über ihren Studienfonds Studierende auf unterschiedlichen Wegen. Die Mittel dafür werden u.a. mit Hilfe von Anleihen generiert. Die nunmehr dritte Anleihe 2017/27 der Deutsche Bildung (ISIN: DE000A2E4PH3) – mit zehnjähriger Laufzeit und jährlicher 4,00%-Verzinsung – wurde Ende vergangenen Jahres um 8 Mio. Euro aufgestockt (Gesamtvolumen nun von bis zu 18 Mio. Euro). Etwas mehr als 5.200 Schuldverschreibungen aus dieser Aufstockungstranche sind noch zu haben und werden ab dem 28. Juli 2022 zu 98% des Nennbetrags angeboten. Wir haben mit Andreas Schölzel, Vorstand der Deutsche Bildung AG, über den Studienfonds, die aufgestockte Anleihe und die gegenwärtigen Auswirkungen der wirtschaftlichen Krisenherde auf die Studierenden gesprochen.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Schölzel, wie hat sich das Geschäft der Deutsche Bildung AG im Zuge der Corona-Krise und deren Auswirkungen in den letzten beiden Jahren entwickelt/verändert?

Andreas Schölzel: Wir haben auch während der Coronakrise kontinuierlich Studienfinanzierungen aus dem Studienfonds vergeben. Für Studierende war die Phase der starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens eine harte Zeit, die verschiedene Effekte auf den Finanzierungsbedarf hatte. Auslandsaufenthalte mussten ausfallen oder wurden bewusst verschoben. Viele Studierende sind wegen geschlossener Unis zu Hause bei den Eltern wohnen geblieben und haben dadurch Miete gespart. Auf der anderen Seite entstanden Geldnöte, weil studentische Nebenjobs in der Gastronomie und im Event-Bereich in großem Stil weggebrochen sind und die staatlichen Hilfen für Studierende nur sehr schleppend in Gang kamen. Um in der digitalen Lehre mithalten zu können, mussten viele außerdem in ihr technisches Equipment investieren. Insgesamt haben sich die Geldnöte der Studierenden verschärft. Durch die aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen hält dieser Trend an.

Auch einige unserer rückzahlenden Absolventinnen und Absolventen waren durch die Krise belastet. Doch letztlich waren nur wenige von ihnen für eine überschaubare Dauer in Kurzarbeit, nur ein paar Einzelne waren von Arbeitslosigkeit betroffen und die Lage hat sich schnell wieder stabilisiert.

Anleihen Finder:
 Wer und was wird über Ihren Studienfonds gefördert? Welche Kriterien müssen dabei erfüllt werden und wie werden die Kosten gedeckt?

Andreas Schölzel: Anders als andere Bildungsfonds sprechen wir mit unserem Angebot eine breitere Gruppe von Studierenden an. Wichtigste Kriterien sind die Qualität der Hochschule und eine in der Bewerbung erkennbare Studienmotivation und Eignung, was das Erreichen des Studienabschlusses wahrscheinlich macht. Ob es um die Miete für das WG-Zimmer in Frankfurt oder um die Studiengebühren an einer renommierten Business-School in den USA geht: Wir wollen mit unserer Studienfinanzierung den persönlichen Bildungsweg der einzelnen Studentinnen und Studenten ermöglichen. In der Praxis führt dies zu ganz unterschiedlichen Verträgen, was Höhe und Dauer der Finanzierung betrifft.

Anleihen Finder: Was ist das Besondere an dem umgekehrten Generationenvertrag und Ihrer Form der Studienfinanzierung?

„Entscheidend ist die Andersartigkeit der Rückzahlung. Diese wird nämlich nicht in verzinsten Tilgungsraten, sondern als Anteil des späteren Einkommens geleistet“

Andreas Schölzel: Unser Studienfonds ist eine sinnvolle Ergänzung zu staatlichen Finanzierungsquellen, aber auch eine Alternative zum Bankkredit. Entscheidend ist die Andersartigkeit der Rückzahlung. Diese wird nämlich nicht in verzinsten Tilgungsraten, sondern als Anteil des späteren Einkommens über eine vereinbarte Anzahl von Beitragsmonaten geleistet. Es entsteht also keine fixe Schuldenlast, die Studierenden Sorgen bereitet, sondern die Rückzahlung steht im Kontext des Einkommens und der finanziellen Leistungsfähigkeit. Besonders sinnstiftend ist dabei, dass die Rückzahlungen der Absolventinnen und Absolventen auch wieder zur Finanzierung der nachrückenden Studierenden verwendet werden. Um den Studienerfolg zu sichern und den erfolgreichen Berufseinstieg zu fördern, geht unser Angebot über reine Finanzierung hinaus. Wir beraten und coachen unsere Kundinnen und Kunden – während des Studiums und darüber hinaus in ihren ersten Jahren im Beruf – für ihren Erfolg und haben ein offenes Ohr für alle Fragen rund um Studium und Karriere. Dieser Service macht zusammen mit der Finanzierung und dem Community-Gedanken das Besondere unseres Modells aus.

Anleihen Finder: Wie viele Studenten haben Sie bislang insgesamt fördern können und wie viele davon haben Ihre Darlehen schon zurückgezahlt?

Andreas Schölzel: Wir haben bisher über 5.500 Studierende im Studium finanziert, an die 1.800 von ihnen haben mittlerweile auch die Rückzahlung vollständig abgeschlossen. Unsere Kundinnen und Kunden decken alle Fachrichtungen ab, studieren an staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland, aber auch an renommierten Hochschulen auf der ganzen Welt.

Anleihen Finder: Welchen Einfluss haben die aktuellen Entwicklungen wie Zinsanstieg, Inflation, Energiepreise auf die Deutsche Bildung, den Studienfonds sowie auf die geförderten Studenten selbst?

Andreas Schölzel: Studierende kommen aus dem Krisenmodus kaum heraus und sind als Bevölkerungsgruppe mit geringem Einkommen von den steigenden Preisen stark gebeutelt. Ähnlich wie auch schon während der Coronakrise fühlen sie sich von der Politik erneut im Stich gelassen. Die Konsequenzen werden sich jetzt allmählich aufbauen und wir rechnen mit einer erhöhten Finanzierungsnachfrage neuer Studentinnen und Studenten, aber auch bei bestehenden Kundinnen und Kunden. Schon jetzt ist das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Student beziehungsweise Studentin leicht angestiegen. Auf den Studienfonds können wir noch keinen direkten Einfluss feststellen, zumal zu erwarten ist, dass es mit der Inflation mittelfristig auch zu einer Anpassung der Gehälter kommt. Für die Anleihe haben wir aufgrund des veränderten Zins- und Renditemarktes mit einer Preisanpassung reagiert.  

Anleihen Finder: Inwieweit können Sie die aktuell höheren Finanzierungbedürfnisse erfüllen?

„Auf die erhöhten Finanzierungsbedürfnisse können wir flexibel reagieren, beispielsweise sind wir deutlich flexibler als das Bafög“

Andreas Schölzel: Auf die erhöhten Finanzierungsbedürfnisse können wir flexibel reagieren. Neue Bewerberinnen und Bewerber für die Studienfinanzierung geben ihren Bedarf im Finanzierungsantrag an. Unser Pricing macht auch die Vergabe höherer Summen möglich. Studierende, die bereits einen Vertrag mit uns haben, können diesen auch noch einmal anpassen lassen, also zum Beispiel die monatliche Auszahlung erhöhen oder einmalige Zahlungen beantragen. Damit sind wir deutlich flexibler als zum Beispiel das Bafög, dessen kürzlich beschlossene Erhöhung direkt von der Inflation wieder aufgefressen wird und an zahlreiche Kriterien gebunden ist.

Anleihen Finder: Das Volumen der in 2017 emittierte Anleihe wurde noch einmal aufgestockt. Wen sprechen Sie mit der Anleihe an und warum ist sie weiterhin ein sicheres und sinnvolles Investment?

„Den aktuellen Krisen kann nur mit Know-how aus verschiedenen Perspektiven begegnet werden“

Andreas Schölzel: Wir sprechen sowohl institutionelle Investoren als auch private Anlegerinnen und Anleger an, die über die Börse mit einem Betrag ab 1.000 Euro in Bildung investieren wollen. Kaum etwas erscheint in der aktuellen Zeit so sinnvoll wie Bildung: Den aktuellen Krisen kann nur mit Know-how aus verschiedenen Perspektiven begegnet werden, weswegen es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, Nachwuchskräften alle Steine aus dem Weg zu räumen. Ein sicheres Investment ist unsere Anleihe vor allem durch die breite Diversifikation, die durch die Vielfalt der Fachrichtungen und angestrebten Branchen unserer geförderten Studentinnen und Studenten erreicht wird. Weil sich Gehälter mit der Inflation entwickeln, besteht für den Studienfonds zudem ein gewisser Inflationsschutz.

Anleihe Finder: Warum haben Sie sich nun für eine Anpassung des Angebotspreises auf 98% des Nennwerts entschieden?

„Der Zins- und Renditemarkt hat sich so verändert, dass wir eine Preisanpassung für geboten hielten“

Andreas Schölzel: Der Finanzmarkt war selten derart in Bewegung wie in diesem Jahr. Der Zins- und Renditemarkt hat sich so verändert, dass wir eine Preisanpassung für geboten hielten. Aufgrund der guten operativen Geschäftsentwicklung möchten wir nicht unter 98% emittieren.

Anleihe Finder: War die Abstimmung der Gesellschafter über die Preisanpassung kompliziert – in einer ihrer Pressemeldungen wurde dieser Eindruck erweckt. Oder täuscht das?

Andreas Schölzel: Die Abstimmung über die Preisanpassung ist den regulären Weg gegangen und hat aufgrund der Marktentwicklung sorgsame Überlegungen erfordert, war aber nicht kompliziert. Mit unseren Gesellschaftern pflegen wir sehr vertrauensvolle Beziehungen seit vielen Jahren und dementsprechend einen sehr engen Austausch. Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis und freuen uns darauf, zu den angepassten Konditionen frische Gelder für die Ausbildung von Nachwuchsakademikerinnen und -akademikern einsammeln zu können.

Anleihen Finder: Sie kooperieren ja auch mit weiteren internationalen Institutionen. Welche sind das und welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Andreas Schölzel: Unser Ziel ist es, auch ausländischen Studierenden aus dem EU-Raum ein Studium in Deutschland zu ermöglichen. Das realisieren wir in Kooperation mit dem Skills & Education Programm der Europäischen Union. Eine weitere Kooperation haben wir mit „Azubi Africa“ gestartet. In diesem Jahr werden über diese Zusammenarbeit 600 junge Menschen aus Ghana, Kenia, dem Senegal und Ruanda finanziell dabei unterstützt, eine Qualifizierung als Data Scientist oder Cloud Administrator zu erwerben. Die Rückzahlung erfolgt ebenfalls einkommensabhängig und wird von unserem Partner getinnotized vor Ort in den afrikanischen Ländern gemanagt.

Wir finden es nur logisch, Bildungschancengerechtigkeit in unserer globalisierten und von gemeinsamen Herausforderungen geprägten Welt über die Grenzen Deutschlands hinaus zu denken, während dies rein unternehmerisch natürlich auch Wachstum ermöglicht.

Anleihen Finder: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Deutsche Bildung AG – welche Ziele/Meilensteine sollen in den kommenden Jahren erreicht werden?

„Unser wichtigstes Ziel ist, einen Beitrag für Bildungschancengerechtigkeit zu leisten“

Andreas Schölzel: Unser wichtigstes Ziel ist, in der aktuell stark aufgerührten Welt flexibel einen Beitrag für Bildungschancengerechtigkeit zu leisten und Menschen zu ermöglichen, eine für sich bestmögliche Bildung zu realisieren. Wir sind fest davon überzeugt, dass generell doch gerade in instabilen Zeiten Bildung sehr wertvoll und nachhaltig ist. Als Unternehmen anpassungsfähig auf immer neue Entwicklungen reagieren zu können, halten wir für sehr wichtig. Wir wollen, dass junge Menschen ihren Bildungsweg gehen können, egal unter welchen Umständen und warum genau die Finanzierungslücken entstehen. Studienfinanzierung über einen umgekehrten Generationenvertrag halten wir für den besten privatwirtschaftlichen Ansatz, den wir deswegen als Alternative zum Bankkredit weiter etablieren wollen. Dabei zunehmend über die Grenzen Deutschlands zu blicken halten wir für geboten und haben mit zwei ersten Projekten bereits den Grundstein gelegt. Unser Ziel ist, diese Internationalisierung weiter voranzutreiben.

Wir werden außerdem nicht müde, über unser Kerngeschäft der akademischen Studienfinanzierung hinauszudenken und loten derzeit weitere Business-Ideen aus, die unsere Mission für bessere Bildungschancen unterstützen. Auch als Arbeitgeber haben wir den Anspruch, attraktiv und zeitgemäß zu sein. Aktuell befinden wir uns auf der spannenden Reise, eine selbstorganisierte Organisation zu werden, in der das Potenzial der einzelnen Teammitglieder voll entfaltet wird.  

Anleihen Finder: Herr Schölzel, besten Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion.

Titelfoto: pixabay.com

Portraitfoto: Andreas Schölzel, Deutsche Bildung AG

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Deutsche Bildung Studienfonds II GmbH & Co. KG 2017/27

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