Corona, das billige Geld und Anleihen als Marketingvehikel

Mittwoch, 26. Mai 2021


Einblicke vom Börsenparkett von Marcel Ludwig, Walter Ludwig GmbH Wertpapierhandelsbank

Es gibt Licht am Ende des Tunnels! Die viel diskutierte Bundesnotbremse hat in Zusammenarbeit mit den steigenden Zahlen der Geimpften dazu geführt, dass die dritte Welle gebrochen scheint und nun auch tatsächlich wieder Lockerungen realisiert werden können. Bereits seit einigen Wochen wird viel spekuliert, wie es in allen Lebensbereichen nach Corona und der globalen Pandemie weiter geht. Einen kleinen Vorgeschmack auf das was da noch kommen kann, erleben wir nun ganz aktuell am Anleihenmarkt in den USA mit direkter Auswirkung auf den globalen Finanzmarkt.

Die Renditen von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stiegen zeitweise über 1,6 Prozent und auch deutsche Staatspapiere rentierten nur noch weniger als 0,3 Prozent im Minus. Ausschlaggebend für diesen Trend dürfte die Vermutung sein, dass die expansive Geldpolitik nun doch zurückgefahren werden könnte. Und daran zeigt sich nun, wie instabil die aktuelle Entwicklung (Rally) an den Finanzmärkten doch in Wirklichkeit ist. Die Masse an neuem Geld sorgt für eine neue „Wirklichkeit“. Ein Konjunkturpaket jagte das nächste – Corona machte es möglich – und gleichzeitig hielten die Notenbanken die Zinsen im Keller. Anleger hatten also nicht viele Möglichkeiten außer in die Aktienmärkte zu investieren. Beobachter rieben sich verwundert die Augen, denn alle großen und wichtigen Indizes brachen Rekorde. Durch das aktuelle und oben beschriebene Szenario verändert sich allerdings die Ausgangslage, denn wenn die als Referenz geltenden wichtigen amerikanischen Staatsanleihen wieder knapp 1,5% Rendite abwerfen, haben Anleger auf einmal wieder Alternativen für die jeweiligen Investments. Denn das entspricht zum Beispiel in etwa den durchschnittlichen Erträgen, die der Leitindex S&P 500 jährlich abwirft. Die Folge: Anleger ziehen ihr Geld aus den Aktienmärkten und plötzlich erleben wir eine extrem starke Volatilität und gerade Titel, die grundsätzlich schon als überbewertet gelten, rutschen tief in den roten Bereich. Wie bereits beschrieben, basieren die Bewegungen der letzten Wochen auf reinen Spekulationen – nicht vorstellbar wie stark die Schwankungen werden, wenn die Zinsen also irgendwann mal wieder tatsächlich und nachhaltig steigen.

Neuemissionen im Anleihen-Bereich

Der positiven Entwicklung bei der Zahl der IBOs (Initial Bond Offering) – also der Anzahl der Neuemissionen im Bereich der Anleihen – konnte auch die Corona Pandemie nicht stoppen. Ein spezielles Augenmerk kann hier auf das Mittelstandssegment gelegt werden. Seit 2016 steigt die Anzahl der IBOs in diesem Bereich kontinuierlich und es kommen immer neue Unternehmen an die Börse, um die vielseitigen Möglichkeiten der Mittelbeschaffung am Kapitalmarkt zu nutzen. Auch wir als Walter Ludwig GmbH Wertpapierhandelsbank unterstützen als technischer Abwickler die jeweiligen Unternehmen bei Ihren Vorhaben an der Börse. Speziell die Zeichenbox (DirectPlace der Deutschen Börse) spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der Mittelstand ist seit jeher der Innovations-, Technologie- und Wirtschaftsmotor Deutschlands und ein Alleinstellungsmerkmal in der globalen Wirtschaftsökonomie. Unzählige Unternehmen blicken auf fantastische Historien zurück und arbeiten permanent an der eigenen Entwicklung. Ein wichtiger Bestandteil der eigenen Professionalisierungsstrategie kann dabei der Schritt an den Kapitalmarkt sein. Neben einer sehr hohen Flexibilität bei der Fremdkapitalfinanzierung entpuppt sich der Weg an den Kapitalmarkt mehr und mehr als wichtiges Marketingtool, um die eigenen Vorhaben, das seriöse und nachhaltige Arbeiten sowie die Mittelverwendung in das Blickfeld zu rücken. Wenn sich also ein Unternehmen entscheidet, dass der Weg der Fremdkapitalaufnahme über den Kapitalmarkt gegangen werden soll, dann setzt das voraus, dass das Unternehmen tiefgreifende Transparenzvorkehrungen im jeweiligen Arbeitsalltag etabliert. Inzwischen übersteigen die Transparenzpflichten längst das einmalige Veröffentlichen eines Jahresabschlusses. Die Veröffentlichung von Adhoc-Mitteilungen, Zwischenberichten, Prognosen etc. kann wunderbar als vertrauensbildende Maßnahme genutzt werden und gleichzeitig die Marke, die Bekanntheit und auch die Reichweite positiv beeinflussen. Der Investor Relations Abteilung kommt also eine wichtige Rolle zu und der Emittent professionalisiert damit automatisch die internen Prozesse.

Konzeption und Platzierung

Der zeitliche Ablauf von der Planung über die Konzeption bis hin zur tatsächlichen Platzierung der Anleihe dauert in etwa 12-16 Wochen. Zunächst geht es darum, dass der potentielle Emittent eine starke emissionsbegleitende Bank findet und die Ziele klar definiert. Nach wie vor werden etwa 60-70% der jeweiligen Emission im Rahmen des Netzwerkes der jeweiligen Bank bei institutionellen Investoren platziert. Hier können insbesondere Roadshows und die optimale Präsentation des Managements helfen, die richtige Zielgruppe zu bedienen. Anschließend startet dann das öffentliche Angebot.

Wenn eine Zusammenarbeit mit der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank stattfindet, dann wird in der Regel das öffentliche Angebot über die Frankfurter Börse ausgewählt. Auch die Börse Frankfurt rührt noch mal kräftig die Werbetrommel mit verschiedenen Maßnahmen (Videocontent, Emailverteiler etc.) und gibt der Emission mit der Marke „Deutsche Börse“ ein zusätzliches Qualitätssiegel. Weitere Berichterstattungen über die Emittentin und deren Emission erfolgen gleichsam über einschlägige Finanz-Medien wie dem Anleihen Finder. Beim Beginn des öffentlichen Angebots werden alle Kundenaufträge in einer sogenannten Zeichenbox (DirectPlace) gesammelt und nach einem bestimmten Schlüssel in Absprache zwischen dem Emittenten, der emissionsbegleitenden Bank und dem Spezialisten verteilt. Die Zeichnungsphase dauert in der Regel je nach Nachfrage zwischen zwei bis sieben Tagen. Ist die Emission vollständig platziert, steht meistens auch anschließend der endgültige Koupon (Zins) fest. Der durchschnittliche Koupon einer typischen Mittelstandsanleihe (Laufzeit 4-6 Jahre / Volumen 20 – 100 Millionen Euro) sinkt seit einigen Monaten und liegt in der Regel zwischen vier und sieben Prozent. Die sinkende Zinstendenz resultiert zum einen aus dem zunehmenden Vertrauen in den Gesamtmarkt der Mittelstandsanleihen und zum anderen am niedrigen Zinsniveau des Gesamtmarktes. Mit festgelegtem Koupon und Ende der Zeichenphase beginnt dann der Handel bis zur Endfälligkeit der Anleihe.     

Alles in allem ist der IBO speziell in der aktuellen Phase eine sehr gute Alternative für das jeweilige Unternehmen sehr flexibel Kapital aufzunehmen und gleichzeitig die Reputation des eigenen Unternehmens zu verbessern und die Professionalisierung voranzutreiben.

Marcel Ludwig,
Walter Ludwig GmbH Wertpapierhandelsbank

Titelfoto: pixabay.com

Portraitfoto: Marcel Ludwig, Walter Ludwig GmbH Wertpapierhandelsbank

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