Acht Wochen Bondmarkt in 2019 – was fällt bislang auf?

Freitag, 22. Februar 2019


Bondmarktbericht von Marcel Ludwig, Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank

Nach dem sehr turbulenten Börsenjahr 2018 haben viele Marktbeobachter mit großer Spannung auf den Jahresbeginn 2019 geblickt. Die Diskussionen um den anstehenden Brexit und die nach wie vor sehr angespannte geopolitische Lage sorgen nach wie vor für Unsicherheiten an den Finanzmärkten. Betrachtet man nun allerdings die ersten rund acht Wochen im neuen Kalenderjahr, kann am Gesamt-Bondmarkt insgesamt ein positives Fazit gezogen werden.

Der Grund: Die Umsätze werden wieder größer und es kommen wieder verstärkt Neuemissionen an den Markt. Einzig die enorme Volatilität macht den Bondhändlern derzeit noch zu schaffen. Nach wie vor folgen auf Unternehmensnews oftmals unverhältnismäßig starke Bewegungen. Nicht selten folgt dann kurze Zeit später wieder eine gleichermaßen extreme Gegenbewegung. Zwischen diesen Pieks fehlen jedoch Marktteilnehmer, die bereit sind, das Risiko zu tragen und auch mal gegen diese extreme Bewegungen zu halten. Das liegt wohl unter anderem an den strengen internen Vorgaben von einigen großen Finanzhäusern. Obwohl ja speziell in jüngerer Vergangenheit vieles getan wurde, um den Retailmarkt zu schützen, leiden vor allem die Privatanleger unter dieser Volatilität.

Coco-Bonds und Hybridanleihen – kein Retail mehr?

Ein weiteres einschneidendes Thema kam ganz aktuell im Februar 2019 auf den Tisch. Spezialisten an der Wertpapierbörse zeigten sich verwundert über fehlende Umsätze in einigen Gattungen und die anschließende Recherche ergab folgendes: Bereits vor einigen Jahren beschäftigten sich die internationalen Aufseher mit dem Thema Coco-Bonds und Hybridanleihen. Diese Gattung der Wertpapiere weist die Eigenschaft auf, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen in Eigenkapital gewandelt werden kann und sich somit die Struktur verändert. Anleger müssen also die Produkte sehr genau kennen, um die Abläufe zu verstehen. Damals stuften die zuständigen Behörden diese Papiere jedoch noch so ein, dass diese grundsätzlich für den Retailmarkt zugänglich sein sollten. Diese Einschätzung wurde nun jedoch noch einmal überarbeitet. Ganz plötzlich wurden Veränderungen in der Produktbeschreibung vorgenommen, wodurch einige Papiere nicht mehr für den Retailmarkt taugen.

Praktisch sieht das dann so aus: Der Privatanleger sucht nach einer Gattung in seinem Onlinedepot. Nach Auswahl des Handelsplatzes wird die Option zum Kauf angezeigt. Sobald dieser nun auf den Reiter „kaufen“ klickt, wird ihm angezeigt, dass dieses Papier kein Basisinformationsblatt bietet und es deshalb nicht gehandelt werden kann. Vor einigen Tagen war dies allerdings für private Anleger noch möglich. Als Grund ist hier zu vermuten, dass die Banken diese Produktinformationen vollautomatisch und technisch auslesen und nun durch eine Anpassung der Zielmarkt verändert wurde. Bei einigen Anlegern, die diese Tatsache registriert haben, macht sich nun zunehmend Unmut breit. In einem Punkt sind sich dabei viele Marktteilnehmer einig, es gibt definitiv für den Retailmarkt unfreundlichere Assetklassen als Coco-Bonds oder Wandelanleihen, die weiterhin problemlos gehandelt werden können.     

Win-Win-Situation

Ein positives Beispiel für den Handel des privaten Anlegers an der Börse ist derzeit die Neuemission (ISIN:DE000A2TEDB8) der Thyssenkrupp AG. Der Kupon in Höhe von 2,875 % p.a. und vor allem die retailfreundliche Bondstückelung von 1.000 Euro sorgen für sehr gute Liquidität. Der Anleger hat die Möglichkeit auch mit kleinerem Budget in solche Papiere zu investieren und das emittierende Unternehmen erhält eine gewisse Preisstabilität durch die guten Umsätze. Im Gegensatz zu diversen Neuemissionen mit 100.000 oder sogar 200.000 Stückelung ist so eine absolute Win-Win-Situation gegeben. So kann es also sehr gut weitergehen…  

Eine aktuelle Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation an den Bondmärkten von Marcel Ludwig, Anleihen-Spezialist und Prokurist bei der Walter Ludwig GmbH Wertpapierhandelsbank in Frankfurt am Main

Weitere Informationen: Walter Ludwig GmbH Wertpapierhandelsbank

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