Bewegung auf dem Rating-Markt: Standard & Poor’s entdeckt deutschen Mittelstand – Euler Hermes will mehr Emissionsratings – Börse Düsseldorf stellt Relevanz von Ratings in Frage – Teil 2
Die Ratingagentur Standard & Poor‘s, die schwerpunktmäßig eher größere Unternehmen ratet, hat jetzt den deutschen Mittelstand für sich entdeckt und die „Mittelstands-Bonitätseinschätzung“ (auch MME für MidMarket Evaluation) lanciert. In direkte Konkurrenz zu Creditreform und Co. tritt das neue Produkt jedoch nicht. Torsten Hinrichs, Geschäftsführer von Standard & Poor‘s Ratings Services, erklärt warum: „Die MME ist kein Rating. Unsere Kunden können dieses Produkt einer begrenzten Anzahl von Kreditgebern, Investoren oder anderen Dritten zur Verfügung stellen, die sie selbst bestimmen, nicht aber der breiten Öffentlichkeit.“
Konzipiert wurde die Mittelstands-Bonitätseinschätzung aufgrund des europaweit starken Anstiegs der Privatplatzierungen. Standard & Poor‘s erwarte, so Hinrichs, dass diese Entwicklung sich noch beschleunigen wird. „Mit unserer MME schaffen wir zusätzliche Transparenz in diesem Segment, mit begrenztem Aufwand und Kosten für die Unternehmen. Für Investoren, die sich bei Privatplatzierungen engagieren wollen, bietet unsere Mittelstands-Bonitätseinschätzung eine unabhängige Meinung zur Kreditwürdigkeit des Unternehmens, die als Ergänzung zur eigenen Risikoanalyse genutzt werden kann. Mit der dadurch erreichten erhöhten Transparenz können Risiken besser miteinander verglichen werden.“
Die Entwicklung der „MidMarket Evaluation“ bedeutet jedoch nicht, dass Standard & Poor’s sich aus dem Ratinggeschäft für mittelständische Unternehmen zurückzieht. „Unser klassisches Ratingprodukt steht natürlich Unternehmen jeder Größe weiterhin zur Verfügung“, so Hinrichs.
Euler Hermes: Forderung nach mehr Emissionsratings
Die Euler Hermes Rating Deutschland GmbH, eigentlich im Markt etabliert, konnte dieses Jahr noch keinen neuen Emittenten einer Mittelstandsanleihe akquirieren. Das Ratingunternehmen, das unter anderem die Rudolf Wöhrl AG und die PNE WIND AG bewertet hat, senkte vor kurzem das Rating des Recyclingunternehmens Scholz AG (BB-) auf „B“. Auch für die RENA GmbH ging es abwärts von „BB“ auf „BB-“. Im Markt hatte Euler Hermes für Diskussionsstoff gesorgt, als das Ratingunternehmen die gängige Praxis kritisierte, bei Mittelstandsanleihen nur ein Emittentenrating, jedoch kein Emissionsrating zu erstellen. In die Beurteilung des Risikos einer Anleihe, so die Kritik der Euler Hermes-Analysten, sollte der Gläubigerschutz, der in den Anleihebedingungen festgelegt wurde, mit einfließen.
Börse Düsseldorf: Abkehr vom (Mindest-)Rating
Eine überraschende „Abkehr“ von Ratings bei Mittelstandsanleihen hat das Segment „der mittelstandsmarkt“ der Börse Düsseldorf vollzogen. Zum 20.8.2013 lockerte das Management die Aufnahmeregeln des Segments, indem es die Forderung eines Mindestratingergebnisses von BB abschaffte. In der Begründung dieses Schrittes stellt der mittelstandsmarkt das gesamte Konzept Rating in Frage: Die Ratingnote an sich besäße für die Investitionsentscheidungen von institutionellen Investoren eine sehr geringe Relevanz. Auch würde ein Zusammenhang zwischen Kupon und Ratingnote allenfalls ansatzweise erkennbar sein und die Nachfrage zum Zeitpunkt der Emission sei vielmehr abhängig vom Markennamen.
Kritische Stimmen aus dem Markt vermuten jedoch, dass die Düsseldorfer die Aufnahmebedingungen lockern, um gegenüber den Börsensegmenten in Stuttgart und Frankfurt wettbewerbsfähig zu bleiben, die von ihren Emittenten kein Mindestrating fordern.
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Anleihen Finder Redaktion
Foto: Images Money/flickr
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