SDG INVESTMENTS: „Kapitalmarkt-Finanzierung von nachhaltigen Startups in der Skalierungsphase“

Dienstag, 9. März 2021


Kolumne von Frank Ackermann, SDG INVESTMENTS GmbH

Welche Finanzierungmöglichkeiten haben junge Unternehmen beim Übergang von der Startup-Phase in die Skalierungsphase und welche Rolle spielt dabei das Thema „Nachhaltigkeit“? Diesen Fragen sind wir nachgegangen.

Durch das Tal des Todes

Die Finanzierung des Übergangs von der Startup-Phase in die Skalierungsphase stellt junge Unternehmen häufig vor große Herausforderungen. Nach in der Regel mehreren Eigenkapitalrunden wurde der Nachweis erbracht, dass die entwickelten Produkte oder die angebotenen Dienstleistungen auf rege Nachfrage im Markt stoßen. Um diese Nachfrage zu befriedigen, sind weitere Investitionen notwendig, die finanziert werden müssen. Weiteres Eigenkapital einzuwerben, ist teuer, und die bestehenden Eigenkapitalinvestoren möchten ihr Investment hebeln.

Der natürliche nächste Schritt wäre der Gang zur Bank. Dort treffen junge Unternehmen aber häufig auf eine restriktive Kreditvergabepolitik. Eine überschaubare Kontokorrentkreditlinie ist vielleicht noch machbar, aber eine umfassende Expansionsfinanzierung, die parallel zu dem Wachstum des Unternehmens ausgebaut werden kann, ist oft nicht darstellbar.

Kapitalmarktzugang

Neben der klassischen Bankenfinanzierung und den neuen Alternativen, Crowdfunding und Kreditvermittlungsplattformen, können sich Unternehmen auch über Anleiheemissionen am Kapitalmarkt finanzieren.

Welche Version für die Realisierung des jeweiligen Finanzierungswunschs geeignet ist, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Im Vordergrund sollte aber immer die alles entscheidende Frage stehen: Welche Investoren sollen angesprochen werden, welche Anforderungen an ein Investment haben diese Investoren, welche Informationen erwarten sie und wie können diese Investoren in dem vorgegebenen Platzierungszeitrahmen effizient erreicht werden?

Proaktive Kapitalmarktkommunikation

Untrennbar verbunden mit der Aufnahme von Fremdkapital auf dem Kapitalmarkt ist der Aufbau einer professionellen Kapitalmarktinformationsstrategie. Denn die Gunst der Investoren ist für die weitere Finanzierungsfähigkeit und damit die Entwicklung des Unternehmens eine der wichtigsten Komponenten und darf nicht unterschätzt werden. Dies können Veröffentlichungen auf der Unternehmenswebseite, regelmäßige Pressemitteilungen aber auch Investorengespräche sein. In jedem Fall sollte ein Bereich „Investor Relations“ auf der Unternehmenswebseite angelegt werden, in dem Anleger alle für die Anleihe relevanten Informationen findet. Gerade bei Erstemissionen ist es sehr wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Kapitalmarktteilnehmern – also den Investoren – aufzubauen. Da in der Regel kein direkter Zugang zu den einzelnen Investoren besteht, ist dies für ein Unternehmen eine große Herausforderung. Gerade bei mittelständischen Unternehmen, die bisher lediglich mit ihren Banken über die finanzielle Situation ihres Unternehmens gesprochen haben, ist dieses hohe Transparenzerfordernis oft eine Hürde, die aber überwunden werden muss, wenn auch in der Zukunft der Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle genutzt werden soll.

Institutionelle Investoren suchen nachhaltige Kapitalanlagen

Investoren suchen nachhaltige Kapitalanlagen. Seit der Veröffentlichung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in 2015 (Sustainable Development Goals / SDG) richten immer mehr professionelle und institutionelle Investoren ihre Anlagestrategien an Nachhaltigkeitskriterien aus.

Tabelle („Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs)“)

Das Angebot ist aber in diesem Segment noch sehr klein und fragmentiert. Solide und professionell strukturierte Kapitalmarktprodukte, die neben den Risiko- /Chance-Profilen der Anleger zusätzlich klare und messbare Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, sind daher sehr gefragt. Unternehmen, die eine Anleiheemission in Erwägung ziehen, sollten daher in dem Zusammenhang ihr Geschäftsmodell durchleuchten und proaktiv darstellen, welche positive Wirkung ihre Dienstleistung oder das angebotene Produkt auf die Umwelt, das Klima oder die sozialen Herausforderungen der Bevölkerung hat.

Eine sehr gute Orientierung bieten hier die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Spezialisierte Ratingagenturen, wie zum Beispiel imug Rating GmbH in Hannover, bieten ein auf diese Ziele abgestimmtes Rating an, das Emittenten bei der Platzierung ihrer Anleihe einsetzen können. So können Investoren überzeugt werden, die bei ihren Anlageentscheidungen Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen wollen oder sogar müssen, zum Beispiel Fondsmanager, die Investmentfonds mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt beraten. Für die Matchingplattform SDG INVESTMENTS GmbH, über die unter anderem Anleihen und Kredite nachhaltig aufgestellter, innovativer Unternehmen wie nextbike, Deutsche Lichtmiete und TIER an institutionelle Investoren vermittelt werden, ist eine Plausibilitätsüberprüfung der Auswirkung der Geschäftstätigkeit der Unternehmen auf mindestens eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Fazit

Die gute Nachricht ist, dass auch junge innovative Unternehmen ihre Skalierungsphase gut über Anleiheemissionen am Kapitalmarkt finanzieren können. Allerdings sind für eine erfolgreiche Umsetzung einige Regeln zu beachten.

Um Zugang zu institutionellen Investoren zu erhalten, die auch in hohen zweistelligen Millionenbeträgen Mittel zur Verfügung stellen können, sollte der Emittent sich frühzeitig mit den konkreten Anforderungen dieser Investoren auseinandersetzen. Damit kommt der Auswahl des emissionsbegleitenden Finanzdienstleisters eine besondere Bedeutung zu. Dieser sollte die konkreten Anforderungen „seiner“ Investoren gut kennen, so dass eine zielgerichtete Beratung des Emittenten und eine solide Strukturierung der Anleihe erfolgen kann, idealerweise aus einer Hand. Gleichzeitig sollte er in der Lage sein, die Anleihe bei diesen Investoren zu platzieren.

Der Emittent sollte sein Geschäftsmodell unter Nachhaltigkeitsaspekten betrachten und die positive Wirkung, die er mit seinen Leistungen erzielt, offen und strukturiert kommunizieren. Als Rahmen bieten sich hier die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen an, die verstärkt von vielen institutionellen Investoren als Investmentkriterium mitberücksichtigt werden.

Frank Ackermann, SDG INVESTMENTS GmbH

Frank Ackermann ist Gründer und Geschäftsführer von AHP Capital Management GmbH und Mitgründer der SDG INVESTMENTS® Plattform. Er hat 38 Jahre Erfahrung in unterschiedlichen Funktionen als Führungskraft und Spezialist bei internationalen Geschäfts- und Investmentbanken (ABN Amro, Commerzbank, Cantor Fitzgerald, Bank of Nova Scotia, Bankgesellschaft Berlin in Frankfurt und London). Zu seinen Schwerpunkten gehört die Strukturierung und Vermarktung komplexer kreditbezogener Anlageprodukte für institutionelle Anleger. Zudem ist er Initiator innovativer Finanzprodukte für Unternehmen des schnell wachsenden Sharing Economy Sektors.

Titelfoto: pixabay.com

Portraifoto: SDG INVESTMENTS GmbH

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