„Ein Scheitern der Anleiherestrukturierung kann für Anleihegläubiger und Gesellschaft schwerwiegende Folgen haben“ – Interview mit Karlie-Chef Dr. Andreas Spiegel

Dienstag, 3. Mai 2016

Interview vom 03. Mai 2016:

Die Karlie Group GmbH möchte die Laufzeit ihrer Unternehmensanleihe 2013/2018 um drei Jahre bis 2021 verlängern. Dazu beruft das Unternehmen für den 30. Mai 2016 eine zweite Anleihegläubigerversammlung ein, um die Zustimmung der Gläubiger zu einer Änderung der Anleihebedingungen zu erhalten. Die Anleihen Finder Redaktion hatte mit dem Karlie-Geschäftsführer Dr. Andreas Spiegel bereits Anfang Mai über die aktuelle Situation des Unternehmens gesprochen.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Spiegel, die Karlie Group GmbH möchte ihre Anleihen-Laufzeit um drei Jahre verlängern. Wie sieht ihr finanzielles Konzept für den Verlängerungs-Zeitraum aus?

Dr. Andreas Spiegel: Mit Ausnahme der Anleihetilgung ist die Karlie Gruppe für die nächsten Jahre durchfinanziert. Sollte der Anleiherestrukturierung zugestimmt werden, ist dies die Grundlage für eine Neuordnung der Passivseite, da dadurch ein wesentliches Hindernis für die Einführung einer gruppenweiten Finanzierung aus dem Weg geräumt ist. Dies wiederum würde die operative Sanierung der Gruppe beschleunigen. Eine Refinanzierung ist für uns jedoch ein „Kann“ und kein „Muss“ – die operativen Cash Flows der Gruppe werden gemäß unserer Planung ausreichen, um eine Tilgung der Anleihe am Ende der Laufzeitverlängerung auch aus eigener Kraft und unabhängig von Banken stemmen zu können.

Anleihen Finder Redaktion: Ganz konkret und ehrlich – was würde eine Nicht-Zustimmung der Anleihegläubiger für die Karlie Group GmbH bedeuten?

„Mitte 2018 würde die Zahlungsunfähigkeit drohen“

Picture_Andreas Spiegel_newDr. Andreas Spiegel: Eine Nicht-Zustimmung der Anleihegläubiger würde den Status Quo zementieren, d.h. akut bestünde kein Insolvenzrisiko, jedoch würde der Karlie Gruppe spätestens Mitte 2018 die Zahlungsunfähigkeit drohen, sofern keine anderweitige Refinanzierung erfolgreich abgeschlossen würde. Dass eine erfolgreiche Refinanzierung ohne Anleiherestrukturierung außerordentlich schwierig ist, haben unsere Bemühungen im letzten Jahr gezeigt. Wahrscheinlich wäre, dass wir als Notszenario wie auch im letzten Jahr schon ein Schutzschirmverfahren für die Mutter vorbereiten, um zumindest die operativen Gesellschaften mit den Arbeitsplätzen zu retten. Für dieses Szenario halte ich es für ausgeschlossen, dass die Anleihegläubiger Ihren Einsatz zu 100% zurück erhalten, da die Anleihegläubiger nachrangig gegenüber den Banken sind. Glücklicherweise bestünde kein Zeitdruck, sodass wir diese Option professionell und in Ruhe vorbereiten könnten. Ich hoffe jedoch sehr, dass es nicht dazu kommt.

Anleihen Finder Redaktion: Welche tatsächlichen Vorteile haben Karlie-Anleihegläubiger, wenn sie am 09. Mai in Bad Wünnenberg-Haaren erscheinen und für eine Anleihe-Prolongation stimmen?

Dr. Andreas Spiegel: Der Vorteil liegt darin, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung zum Nominalwert stark ansteigt. Die Anleihegläubiger erhalten gemäß Planung ihr Geld zurück und bis dahin Zinszahlungen, die im derzeitigen Umfeld recht attraktiv sind. Im Übrigen können die Anleihegläubiger auch unseren Stimmrechtsvertreter für die Abstimmung bevollmächtigen, ein Erscheinen in Bad Wünnenberg-Haaren ist somit also nicht zwingend notwendig.

Anleihen Finder Redaktion: Die Deutsche Investoren Union unterstützt Karlie in ihrem Laufzeit-Verlängerungs-Vorhaben, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger lehnt die Forderungen ab und fordert Nachbesserungen. Wie beurteilen Sie das? Wo könnte ihrerseits Spielraum für Nachbesserungen sein?

„Der größte Sanierungsbonus ist die vollständige Rückzahlung der Anleihe“

Dr. Andreas Spiegel: Ich freue mich über die Zustimmung der Deutschen Investoren Union, über die Ablehnung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger war ich sehr überrascht. Ich hatte die Möglichkeit, der Schutzgemeinschaft die Situation der Karlie Gruppe persönlich zu erläutern. Der Wunsch nach Nachbesserungen ist natürlich nachvollziehbar – aus meiner Sicht jedoch nicht umsetzbar. Unser Ziel ist es, den Anleihegläubigern die Tilgung zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Aussicht zu stellen. Dieser ist gemäß unserer Planung das Jahr 2021. Sofern die Anleihegläubiger einen Bonus erhalten, muss dieser erst verdient werden. Das wiederum führt zu einer noch späteren Tilgung. Der größte Sanierungsbonus für die Anleihegläubiger ist die vollständige Rückzahlung der Anleihe. Auch andere Gläubiger wie auch der Gesellschafter haben bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht. Einen teilweise in Anlegerforen diskutierten Debt-Equity-Swap halte ich für schwer vermittelbar, zu komplex und im Übrigen riskant für Anleihegläubiger, da es sehr lange dauern wird, bis das Eigenkapital – wenn überhaupt – wieder ins Geld kommt.

„Versäumnisse fallen in den Rahmen unternehmerischen Risikos“

Auch möchte ich auf die Forderung der SdK eingehen, die für die Krise der Karlie Group verantwortlichen Manager zur Rechenschaft zu ziehen. Selbstverständlich haben wir direkt nach Übernahme der Geschäftsführung geprüft, ob gegenüber dem bisherigen Management Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können – so wurde beispielsweise die Entlastung zunächst auch nicht erteilt. Unsere Nachforschungen haben jedoch ergeben – und dies möchte ich ganz klar feststellen – dass es bei der Karlie Group zu keinerlei strafrechtlich relevanten Handlungen kam. Auch sahen wir keine Anhaltspunkte, Schadensersatzforderungen erfolgreich durchsetzen zu können. Letztlich gibt es Versäumnisse, die jedoch in den Rahmen des unternehmerischen Risikos fallen. Wir haben uns daher mit dem vorherigen Management erfolgreich verglichen, um zumindest die vertraglich geregelten Abfindungskosten zu reduzieren.

Ich hoffe sehr, meinen Standpunkt auf der Gläubigerversammlung vermitteln zu können, sodass die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger unseren Plänen letztlich zustimmt.

Anleihen Finder Redaktion: Sicherlich führen Sie derzeit zahlreiche Gespräche mit Gläubigern. Wie ist die allgemeine Stimmungslage bei ihren Anlegern, welchen Zuspruch/ welche Aussagen bekommen sie zu hören?

„Unsere Vorschläge werden als ausgewogen, fair und realistisch eingestuft“

Dr. Andreas Spiegel: Bislang erhalten wir positive Rückmeldungen. Die uns bekannten Anleger sehen es sehr positiv, dass eine Rückzahlung der Anleihe zum Nominalwert im Bereich des Möglichen liegt. Wie die Kursentwicklung zeigt, sah es nicht immer danach aus. Die Vorschläge zur Änderungen der Anleihebedingungen werden als ausgewogen, fair und realistisch eingestuft.

Anleihen Finder Redaktion: Warum ist das Geschäftsmodell der Karlie Group GmbH nach wie vor zukunftsfähig, so dass die Gläubiger dem Unternehmen weiter vertrauen können?

Dr. Andreas Spiegel: An der Attraktivität des Geschäftsmodells hat sich nichts geändert. Der Markt für Heimtiere wächst weiterhin und ist konjunkturell unabhängig. Die Karlie Gruppe organisiert für ihre Kunden – hauptsächlich Fachhändler, Online-Händler, Baumärkte und Zoofachhandelsketten – die Auswahl attraktiver Produkte sowie das Handling der gesamten Lieferkette. Das Management von ca. 10.000 Artikeln ist hinreichend komplex, sodass für die Kunden hierdurch ein Mehrwert entsteht. In der Zukunft möchten wir uns wieder mehr auf Innovationen konzentrieren, welche wir aufgrund der eigenen Produktionsstätten schneller als die Konkurrenz auf den Markt bringen wollen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie sehen die gegenwärtigen und geplanten Restrukturierungsschritte der Gesellschaft aus?

„Wir sind weiterhin in einer Konsolidierungsphase“

Dr. Andreas Spiegel: Derzeit befinden wir uns nach wie vor in der Konsolidierungsphase, d.h. es werden weiter Kosten gesenkt. Gleichzeitig stellen wir unseren Einkauf und den Vertrieb neu auf, um schneller und schlagkräftiger zu werden. Langfristig werden wir unseren Kunden weitere Services wie zum Beispiel Regalmanagement anbieten. Sofern wir in der Zukunft eine gruppenweite Finanzierung erlangen, werden wir das Umlaufvermögen sowie die Logistik weiter optimieren können.

Anleihen Finder Redaktion: Die Zeit bis zur Gläubigerversammlung am 09. Mai wird knapp – es stellt sich nicht nur die Frage, ob die Gläubiger für eine Änderung der Anleihebedingungen stimmen, sondern auch, ob genügend Anleihekapital für die erste AGV mobilisiert werden kann. Was möchten Sie ihren Gläubigern über diesen Weg zurufen?

„Ein Scheitern wäre fatal“

Dr. Andreas Spiegel: Bitte machen Sie sich die Mühe, nach Bad Wünnenberg-Haaren zu reisen oder ein Vollmachtformular auszufüllen. Jede Stimme zählt, ein Scheitern der Anleiherestrukturierung wäre sowohl für die Anleger als auch für Karlie fatal.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Spiegel, vielen Dank für das Gespräch.

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