„Eine Zinsstundung sichert kurzfristig die Liquidität und verschafft uns Zeit“ – Interview mit Kees Vlasblom, CFO der Beate Uhse AG

Samstag, 2. Juli 2016


Am kommenden Mittwoch, den 06. Juli, entscheiden die Anleihegläubiger der Beate Uhse AG auf der zweiten Gläubigerversammlung des Unternehmens über eine Zinsstundung. Die Anleihen Finder Redaktion hat mit dem CFO der Beate Uhse AG, Kees Vlasblom, über die aktuelle Situation des Unternehmens und die anstehenden zweite AGV gesprochen.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Vlasblom, die Beate Uhse AG möchte ihre Unternehmensanleihe restrukturieren. Ursprünglich wollten Sie über eine Laufzeitverlängerung  um fünf Jahre und eine Zinsreduzierung beschließen. Warum haben Sie Ihre Pläne geändert und wie sehen diese jetzt aus?

Kees Vlasblom: Nach Gesprächen mit wesentlichen Anleihegläubigern und dem designierten gemeinsamen Vertreter, der One Square Advisory Services GmbH, reagieren wir damit auf die entsprechenden Rückmeldungen, dass das ursprüngliche Restrukturierungskonzept derzeit keine erforderliche Mehrheit finden würde. Vor dem Hintergrund der eingegangenen Gegenanträge haben wir uns entschieden, in der kommenden Anleihegläubigerversammlung am 06. Juli nur über die Bestellung des gemeinsamen Vertreters und eine Zinsstundung sowie den vorübergehenden Ausschluss von Kündigungsrechten abzustimmen.

Anleihen Finder Redaktion: Was würde eine Nicht-Zustimmung zu den geplanten Tagesordnungspunkten für die Beate Uhse AG bedeuten?

Kees VlasblomKees Vlasblom: Vor dem Hintergrund, dass wir die Tagesordnung an die aktuelle Situation angepasst haben, gehen wir davon aus, dass die Anleihegläubiger die Notwendigkeit der Beschlüsse nachvollziehen können und diese durch ihre Zustimmung unterstützen werden. Mit der Zinsstundung soll Beate Uhse ja gerade die Zeit gewinnen, einen neuen Restrukturierungsplan zu entwickeln, der die Zustimmung der Anleihegläubiger findet und der durch das Sanierungsgutachten unterlegt wird.

„Finanzielle Restrukturierung wäre gefährdet“

Sollten wir in der zweiten Anleihegläubigerversammlung nicht die Zustimmung der Gläubiger für die Zinsstundung erhalten, sehen wir den Prozess für die finanzielle Sanierung der Gesellschaft gefährdet. Wir müssen diese Situation dann bewerten. Selbstverständlich würde uns diese Situation nicht unvorbereitet treffen.

Anleihen Finder Redaktion: Vorausgesetzt, Sie erhalten für diese Beschlussvorschläge die entsprechenden Mehrheiten, wie soll es danach weitergehen?

„Die Zinsstundung würde die Liquidität kurzfristig sichern“

Kees Vlasblom: Die vorgeschlagene Beschlussfassung über die Stundung der am 09. Juli fälligen Zinszahlung soll es der Beate Uhse AG ermöglichen, mit dem gemeinsamen Vertreter und den wesentlichen Anleihegläubigern ein tragfähiges finanzielles Restrukturierungskonzept zu entwickeln und umzusetzen. Dieses wird natürlich auf dem Sanierungsgutachten nach IDW S6 von Ernst & Young basieren, dessen Vorlage für Ende Juli 2016 vorgesehen ist. Die Zinsstundung würde die Liquidität kurzfristig sichern und dem Unternehmen damit die entsprechende Zeit zur Umsetzung verschaffen.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie den Gläubigern die kommende Zinszahlung im Juli zusichern?

Kees Vlasblom: Derzeit hat sich die Liquiditätssituation der Beate Uhse AG im Vergleich zum Stichtag 31. Dezember 2015 reduziert. In der Tat müssen wir bei einer Ablehnung der erforderlichen Beschlüsse prüfen, ob die Zinszahlung am 8. Juli geleistet werden kann.

„Geschenkgutschein in Höhe von 50 Euro“

Anleihen Finder Redaktion: Die erste Versammlung war mit einer Anwesenheit von 12,5 Prozent der ausstehenden Anleihekapitals sehr schlecht besucht. Wie wollen Sie die Anleihegläubiger für die zweite Versammlung, die ein Mindestquorum von 25 Prozent benötigt, um beschlussfähig zu sein, mobilisieren?

Kees Vlasblom: Die Notwendigkeit der Beschlüsse für die erfolgreiche operative Sanierung der Beate Uhse habe ich ja schon erläutert. Wir glauben, dass die Anleihegläubiger verstehen, dass die beiden Beschlussvorschläge entscheidend für den weiteren Restrukturierungsverlauf und die Entwicklung des Unternehmens sind.

Als zusätzlichen, kleinen Anreiz erhält jeder Anleihegläubiger, der an der zweiten Gläubigerversammlung teilnimmt, einen Einkaufsgutschein über EUR 50,–  von Beate Uhse.

Anleihen Finder Redaktion: Warum hält sich die Beate Uhse AG vor dieser wegweisenden Gläubigerversammlung in der Öffentlichkeit so bedeckt? Müssen nicht gerade jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Gläubiger von den eigenen Plänen zu überzeugen – oder haben Sie gar Zweifel an den eigenen Plänen?

Kees Vlasblom: Beate Uhse bemüht sich um eine transparente Kommunikation mit den Anleihegläubigern und der interessierten Öffentlichkeit. Wir gestehen uns durchaus ein, dass unser vorgeschlagenes Restrukturierungskonzept ohne die Unterlegung durch das Sanierungsgutachten von Ernst & Young nicht optimal war und die Anleihegläubiger noch nicht überzeugen konnte.

Die Vorbereitung für die zweite Anleihegläubigerversammlung bedurfte entsprechende Vorbereitung und Abstimmung mit den wesentlichen, großen Einzelgläubigern und dem designierten gemeinsamen Vertreter. Nachdem die Abstimmung zielgerichtet und effektiv stattgefunden hat, sind wir diese Woche in die Kommunikation gegangen.

Anleihen Finder Redaktion: Sicherlich führen Sie derzeit zahlreiche Gespräche mit Gläubigern. Wie ist die allgemeine Stimmungslage bei ihren Anlegern?

„Verunsicherung unter den Anleihegläubigern“

Kees Vlasblom: Natürlich herrscht eine gewisse Verunsicherung unter den Anleihegläubigern in Bezug auf die zukünftige Entwicklung der Anleihe und der Beate Uhse AG. Unser erstes vorläufiges Restrukturierungskonzept ist dabei nicht auf eine breite Zustimmung gestoßen, unter anderem weil die Unterlegung mit dem Sanierungsgutachten noch aussteht. Wir haben die Hinweise und Impulse aufgegriffen und daraus die Entscheidung abgeleitet, zunächst nur über einen gemeinsamen Vertreter und eine Zinsstundung zu beschließen.

Darüber hinaus sind wir dem Wunsch der Anleihegläubiger nachgekommen und stellen wesentliche Informationen zur Beurteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage der Gesellschaft schon vor der AGV zur Verfügung.

Anleihen Finder Redaktion: Warum ist das Geschäftsmodell der Beate Uhse AG nach wie vor zukunftsfähig, so dass die Gläubiger dem Unternehmen weiter vertrauen können?

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Kees Vlasblom: Beate Uhse zählt als eine der bekanntesten Marken Deutschlands zu den führenden Anbietern der Erotikbranche und deckt als einer der wenigen Anbieter der Branche sämtliche Vertriebsbereiche ab. Wir sind mit Erotik- und Sexprodukten in sieben europäischen Ländern vertreten. Darüber hinaus exportiert der Großhandel in über 50 Staaten.

Derzeit stellt sich das Unternehmen der Herausforderung des Wandels zum E-Commerce-Unternehmen und damit der Transferdynamik des Geschäftsmodells vom Offline- zum Onlinegeschäft. Darüber hinaus wird eine neue Markenausrichtung im B2C-Bereich vollzogen (Fokussierung auf neue Kundengruppen der Frauen und Paare). All diese Schritte dienen dazu, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und den Turnaround zu erreichen.

Anleihen Finder Redaktion: Welche operativen Restrukturierungsmaßnahmen wird die Gesellschaft als nächstes vornehmen?

Kees Vlasblom: Beate Uhse hat zur operativen Sanierung ein Maßnahmenpaket entwickelt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen läuft. Vorstand und Aufsichtsrat sind nach wie vor von der Richtigkeit der operativen Sanierung und den entsprechenden Maßnahmen überzeugt. Die Umsetzung erfordert jedoch mehr Zeit als ursprünglich geplant. Deshalb geht es jetzt darum, dem Unternehmen die notwendige Zeit zu verschaffen, diese Maßnahmen weiter nachhaltig umzusetzen, um die Sanierung abzuschließen und den Turnaround zu vollziehen und die geplante Geschäftsentwicklung zu erreichen.

Eine wesentliche Maßnahme, die wir im laufenden Geschäftsjahr umsetzen, ist die Bündelung der zwei niederländischen Logistikstandorte in einem Logistikzentrum. Dies ist für Ende 2016 geplant, dadurch werden wir weitere Kosteneinsparungen, eine geringere Kapitalbindung durch Reduzierung der Warenvorräte und schnellere Belieferung der Kunden erreichen.

Anleihen Finder Redaktion: Nutzen Sie diese Plattform für plausible Argumente – was möchten Sie ihren Gläubigern abschließend sagen?

„Jede Stimme zählt“

Kees Vlasblom: Für Beate Uhse zählt jede Stimme und damit jeder Anleihegläubiger. Deshalb möchte ich an dieser Stelle alle Anleihegläubiger um ihre Teilnahme an der zweiten Anleihegläubigerversammlung bzw. die Bevollmächtigung eines Vertreters bitten. Die Beschlussfassung ist maßgeblich für den weiteren Verlauf der Restrukturierung der Beate Uhse. Es ist uns wichtig, die Anleihegläubiger in den weiteren Prozess einzubeziehen und gemeinsam eine erfolgreiche Restrukturierung der Beate Uhse Anleihe zu erreichen.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Vlasblom, vielen Dank für das Gespräch.

ANLEIHE CHECK: Die Unternehmensanleihe 2014/19 der Beate Uhse AG (WKN A12T1W) hat ein Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro und ist mit einem jährlichen Zinskupon in Höhe von 7,75 Prozent ausgestattet. Die Anleihe läuft regulär bis Juli 2019.

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Anleihen Finder Redaktion. Das Interview führte Timm Henecker.

Foto: Beate Uhse AG

Anleihen Finder Datenbank

Unternehmensanleihe der Beate Uhse AG 2014/2019

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