„Wir wollen Europas führende Plattform für KMU-Banking werden“ – Interview mit Stephan Heller, CEO FinCompare GmbH

Montag, 17. Juli 2017

FinCompare – so heißt eine noch junge digitale Vergleichsplattform für Unternehmensfinanzierungen, die sich an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit einem Finanzierungsbedarf ab 10.000 Euro richtet. Das Berliner Tech-Unternehmen um Gründer Stephan Heller hat große Ziele und möchte sich als Marktplatz und digitaler Broker etablieren. Die Anleihen Finder Redaktion hat mit Stephan Heller über FinCompare und die Digitalisierung der Mittelstandsfinanzierung gesprochen.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Heller, was ist FinCompare? An welche Zielgruppen richtet sich Ihre Plattform?

Stephan Heller: FinCompare ist eine Finanzierungs-Plattform über die kleine und mittelständische Unternehmen mit einem Finanzierungsbedarf ab 10.000 Euro Zugang zu vielfältigen Finanzierungsmöglichkeiten mit optimalen Konditionen erhalten. Rund 200 Banken und Finanzdienstleistern bieten über FinCompare vielfältige Finanzierungsoptionen an. Die verschiedenen Möglichkeiten können leicht und kostenlos verglichen und abgeschlossen werden. Wir schaffen mit FinCompare eine transparente und zügige Übersicht über den Finanzierungsmarkt für Mittelständler.

Anleihen Finder Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee einer Vergleichsplattform in diesem Bereich gekommen?

„Smarte Working Capital-Finanzierung“

Stephan Heller: Maßgeblich verantwortlich für die Gründung von FinCompare waren persönliche Erfahrungen: Watchmaster, eine Plattform für den Verkauf von hochwertigen Uhren war meine erste Unternehmensgründung und ich war auf der Suche nach einer smarten Working Capital-Finanzierung. Das war sehr mühselig und zeigte mir, dass es hier einen Optimierungsbedarf gibt: Die Realität in der Mittelstandsfinanzierung ist geprägt von einer stark fragmentierten und intransparenten Anbieterlandschaft. Das war gewissermaßen die Geburtsstunde der Idee, eine Vergleichsplattform für Mittelstandsfinanzierung aufzubauen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie ist FinCompare intern aufgestellt und mit welchen Kooperationspartnern arbeiten Sie zusammen?

Stephan Heller: Bei FinCompare steht ein Pool mit aktuell mehr als 200 renommierten Banken (z.B. Commerzbank, Unicredit und Volksbank), alternativen Finanzdienstleistern (z.B. Arvato Bertelsmann, Bibby und Grenke) und Fintechs (z.B. Billie, Kapilendo und Tradico) zur Verfügung, die Finanzierungen von bis zu 30 Millionen Euro bereitstellen. Darunter sind neben klassischen Bankkrediten auch neue Formen der Finanzierung, wie beispielsweise Factoring oder Leasing, aber auch Einkaufsfinanzierung (Finetrading) und Nachrangdarlehen wie Mezzanine-Kapital. Die unabhängigen Berater von FinCompare stehen den KMU bei Fragen zur Auswahl der geeigneten Finanzierungsform und bei der Abwicklung einer Finanzierung zur Seite.

„Ein Plus an Transparenz“

Anleihen Finder Redaktion: Welche Vorteile bietet das FinTech FinCompare seinen Usern?

Stephan Heller: In einem bislang sehr undurchsichtigen Markt setzt sich FinCompare als Marktplatz und digitaler Broker für ein deutliches Plus an Transparenz und damit auch an Kostenreduktion ein. Davon profitieren die mittelständischen Unternehmen, denn selbstverständlich sind erfolgreiche Unternehmer auch immer kostenbewusst, gerade bei Finanzierungen. Wir spüren zudem, dass Unternehmen heute andere Bedürfnisse in Finanzierungsfragen haben und da geben uns aktuelle Studien auch Recht. Neben dem zunehmend digitalisierten Nutzerverhalten ist ein Großteil der Mittelständler aktiv auf der Suche nach modularen Finanzierungen und nach Ergänzungen zur Hausbank. FinCompare bietet aber auch auf Anbieterseite erhebliche Mehrwerte: mit FinCompare lassen sich die Wertschöpfungskette der Banken und Finanzdienstleister erweitern, die Effizienz steigern und die digitale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Anleihen Finder Redaktion: Lassen Sie uns praktisch werden. Wenn jetzt ein mittelständischer Unternehmer nach Finanzierungsquellen sucht – wie muss er dabei vorgehen bzw. was erwartet ihn bei einer Anfrage bei FinCompare?

Stephan Heller: Wir haben den Einstieg für alle sehr leicht gemacht: Der Kunde gibt auf Fincomapre.de seinen Finanzierungsbedarf an und gibt anschließend seine Kundendaten ein. Im Hintergrund laufen dann ein erstes „Light Scoring“ und ein automatisches Matching. Es folgt eine erste Ergebnisliste mit Produkt und/oder Anbieter. Ab hier steht dann zusätzlich ein professioneller Corporate Finance-Berater von FinCompare jederzeit zur Verfügung. Der Kunde lädt anschließend einmalig seine benötigten Dokumente (BWA, Abschlüsse etc.) auf den FinCompare Sicherheitsserver. Im nächsten Schritt werden Dokumente und Cashflows geprüft, es erfolgt echtes Banken-Scoring. Dann wird im ersten Schritt eine anonyme Anfrage an die passenden Banken und Finanzdienstleister gestellt. Bis hierher sind die Schritte 100% digital. Auf Seiten des Finanzdienstleisters erfolgt nun ein internes Scoring. Nach etwa 24 Stunden erhält der Kunde verschiedene Angebote, die bereits „abschlussfähig“ sind. Hat sich der Kunde für eine Finanzierungsoption entschieden erfolgen noch einige interne Prozesse und die Erstellung der Finanzierungsunterlagen durch den Finanzdienstleister. Dann geht es schnell: Unterschrift, Transfer der Dokumente an den Finanzdienstleister und als letzter Schritt die Auszahlung der Finanzierung.

Anleihen Finder Redaktion: Bislang spielen Kapitalmarkt-Finanzierungen noch eine untergeordnete Rolle auf Ihrer Plattform – soll sich das zukünftig ändern?

„Kapitalmarkt-Finanzierung wird Teil unseres Portfolios“

Stephan Heller: Das Thema Kapitalmarkt-Finanzierung ist bereits ein paarmal aufgekommen und wird in naher Zukunft auch Teil des Produktportfolios auf FinCompare werden. Wir wollen uns als zentrale Plattform für alle möglichen Finanzierungslösungen für Unternehmen positionieren und hier ist es wichtig einen guten Produktmix zu haben. Unternehmen schätzen diesen Service, da sie die gesamte Beratung sowie die Prozesse End-to-End gemeinsam mit einem Partner meistern können. Das spart vor allem Zeit und Kosten für die KMU.

Anleihen Finder Redaktion: Wie finanziert sich FinCompare? Leben Sie alleine von den Provisionen getätigter Transaktionen?

Stephan Heller: Wichtig ist bei uns: Der Vergleich der Angebote und Finanzierungslösungen ist bei FinCompare für Unternehmen kostenlos. Unsere Finanzpartner zahlen eine Provision, wenn Kredit beziehungsweise Finanzierung über FinCompare realisiert werden. Die Provision ist relativ gesehen niedrig, aber bei den hohen durchschnittlichen Finanzierungsgrößen absolut gesehen eine durchaus höhere Zahl. Das ist unsere Haupteinnahmequelle.

Anleihen Finder Redaktion: Sie sind seit Februar mit FinCompare „live“. Wie beurteilen Sie das erste halbe Jahr des Unternehmens?

Stephan Heller: Wir können bislang zufrieden sein, wir haben seit dem Launch der Website rund 1.000 registrierte mittelständische Kunden mit einem Umsatz ab zwei Mio. Euro auf unserer Plattform. Mehr als 200 Finanzpartner bilden mit ihrem Angebot auch schon einen sehr aussagekräftigen Querschnitt an Finanzierungslösungen ab und deshalb haben wir auch schon etwa 300 Mio. Euro ausgeschriebenes Finanzierungsvolumen. Davon sind knapp 10% bereits abgeschlossen. Unser Team aus 25 Mitgliedern, darunter mehr als die Hälfte in den Bereichen IT und Entwicklung, arbeitet täglich hart daran, dass wir noch besser werden und schnell lernen, was der Markt braucht. Wir sind also auf einem guten Weg, werden aber in den kommenden Monaten noch einmal Fahrt aufnehmen.

Anleihen Finder Redaktion: Persönlich haben Sie bereits einige Erfahrungen mit Start-ups gemacht. Geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre Vita?

Stephan Heller: Ja, das stimmt, ich habe einige Erfahrungen in der Start-Up-Welt sammeln können. Vor FinCompare habe ich im Jahr 2015 Watchmaster gegründet und geleitet – eine der führenden europäischen Handelsplattform für neue und gebrauchte Luxusuhren. Das war meine erste Gründung, davor war ich dreieinhalb Jahre für das internationale Rabatt-Portal Groupon in London tätig. Weitere berufliche Stationen waren als Investment Analyst bei dem auf den Mittelstand fokussierten Beteiligungsunternehmen Waterland sowie als Unternehmensberater bei der globalen Strategieberatung Roland Berger.

„Wie werden das Mittelstandsbanking revolutionieren“

Anleihen Finder Redaktion: Was sind Ihre generellen Ziele mit FinCompare? Wo soll der Weg in Zukunft hingehen?

Stephan Heller: Unser Ziel ist klar definiert: Wir wollen Europas führende Plattform für KMU-Banking werden und das Mittelstandsbanking revolutionieren. Die Zielvorgabe für die nächsten Jahre lautet ganz einfach: Wachstum, um die größte Finanzierungsplattform für Unternehmen in Europa zu werden. Darauf werden wir hinarbeiten – dort liegt unser Fokus. Unser Antrieb: Deutschland hat eine Struktur, um die es auf der ganzen Welt beneidet wird: Den Mittelstand mit seinen vielen Familienunternehmen. Diesem Rückgrat der deutschen Wirtschaft möchten wir mit einem kleinen, aber wichtigen Baustein den Weg in die Zukunft ebnen: die Digitalisierung der Mittelstandsfinanzierung.

Anleihen Finder Redaktion: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Timm Henecker.

INFO: Über die Online-Plattform www.fincompare.de bietet das Berliner Start-Up Zugang zu vielfältigen Finanzierungsmöglichkeiten. Unternehmen können – unabhängig und kostenlos – deutschlandweit Angebote von namhaften Banken, Fintechs und Finanzdienstleistern vergleichen und Finanzierungen abschließen. Auch ein eigenes Finanzmagazin hat das Start-Up bereits ins Leben gerufen – mit spannenden und aktuellen Themen zu KMU-Finanzierungen.

Der Anleihen Finder empfiehlt die Plattform FinCompare bei Fragen rund um das Thema „Alternative Finanzierungsmöglichkeiten für KMU“.

Anleihen Finder Redaktion.

Fotos: pixabay.com

Portraitfot: Stephan Heller, FinCompare GmbH

Siehe auch: Profil FinCompare GmbH

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