Weingenuss mit Genüssen: Rückkehr des Naturalzinses

Freitag, 18. Januar 2008

Sybille Kuntz, die gemeinsam mit Markus Kuntz-Riedlin, das Weingut SYBILLE KUNTZ in Bernkastel-Lieser an Mittellauf der Mosel leitet, ist eine ebenso erfolgreiche wie visionäre Winzerin. Als sie sich in den 90er Jahren zum Ziel gesetzt hat, Rieslingweine auf höchstem Niveau naturnah und umweltschonend zu produzieren, fanden sich dafür keine bzw. nicht ausreichend “klassische“ Investoren. Sybille Kuntz ließ sich dadurch jedoch nicht entmutigen und beschaffte sich das notwendige Kapital auf zu diesem Zeitpunkt recht unkonventionelle Weise. Sie begab, unterstützt und bekräftigt durch ihre Stammkunden, einen Genussschein mit einer Laufzeit von 5 Jahren und einer Mindestanlagesumme von 2.500,00 EUR.

Damit können die Genussschein-Inhaber eine Rendite von bis zu 7,5 Prozent p.a. erwarten. Innovativ an dieser Anlage ist die Ausschüttung der Rendite, die bei Sybille Kuntz eher wörtlich zu verstehen ist. Pünktlich zur Weihnachtszeit erfolgt sie als Naturalzinses in Form von Riesling des Weingutes SYBILLE KUNTZ.

Die Idee der Finanzierung durch die Emission eines Genussscheines stieß ursprünglich auf einige Skepsis, doch der Erfolg gibt Sybille Kuntz Recht. Ihr trockener Riesling ist international in der gehobenen Gastronomie gelistet und wird auch bei Staatsempfängen rund um die Welt gereicht.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt sie im Ausland. Seit 1999 gehören die Riesling-Mostgewichte des Weingutes zu den höchsten in ganz Deutschland und Weinguru Hugh Johnson würdigte die „erfolgreiche Vorreiterin eines untypischen trockenen Mosel-Rieslings“ mit drei Sternen.

Christian Hoppe von Anleihen-finder.de hatte die Möglichkeit, im Rahmen eines Interviews mit Frau Sybille Kuntz einige interessante Details zu Ihrer Genussschein-Emission zu erfahren.

Anleihen Finder: Wie entstand die Idee? Wann wurde der Genussschein aufgelegt? Wurden bereits alle Stücke platziert? Gibt es ein Emissionsprospekt?

Sybille Kuntz: Die Banken hatten Anfang der 90er Jahre generell kein Vertrauen in den Aufbau eines neuen Weingutes. Es gab schon genügend alt eingesessene Weingüter, die es nicht geschafft hatten. Aber Not macht erfinderisch und unsere spezielle Genußschein-Idee entstand 1993, aufgelegt wurde dann der Genußschein Ende 1994, als erster Genußschein dieser Art
eines Weingutes überhaupt. Unser Weingut praktiziert eine Art Bio-Anbau, ohne dass wir zertifiziert sind. Diese Qualität zu produzieren ohne Kompromisse einzugehen, ist eine sehr aufwendige Angelegenheit. Geplant war die Vergrößerung der Weinbergsfläche, des Weinkellers, Modernisierung der Kellergeräte und Weinbergsmaschinen und die Beibehaltung der vielen
Handarbeit.

Anleihen Finder: Was wurde mit dem Geld finanziert bzw. was soll damit noch finanziert werden?

Sybille Kuntz: Bisher wurde ein großer, alter Weinkeller in der Dorfmitte gekauft, Weinbergsflächen zugekauft, umstrukturiert und teilweise neu gepflanzt, neue Edelstahltanks angeschafft, Weinpresse, etc. Es wird weiterhin in Riesling-Steillagen und den Erhalt alter wurzelechter Rieslinge investiert, außerdem steht eine Vinothek auf dem Plan und vieles mehr.

Anleihen Finder: Wer hat Sie bei der Strukturierung sowie Platzierung des Wertpapiers beraten und warum ist die Wahl auf diesen Berater gefallen?

Sybille Kuntz: Es waren viele Berater, denn es waren unsere Kunden, die uns behilflich sein wollten. Sie halfen uns bei der Anschubfinanzierung und erhielten als „flüssigen Zins“ einen super Riesling, als Naturalzins. Zuvor wurde das Papier selbstverständlich von Anwälten und Steuerberater sorgfältig geprüft.

Anleihen Finder: Veröffentlichen Sie Ihren Umsatz sowie Gewinn der letzten 2 – 3 Jahre?

Sybille Kuntz: Nein, aber es sei so viel verraten: Er steigt.

Anleihen Finder: Wie waren grundsätzlich Ihre Erfahrungen mit diesem Finanzierungsinstrument?

Sybille Kuntz: Grundsätzlich sehr gut und sehr hilfreich, wenn auch mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Wir haben damals keine andere Finanzierungsmöglichkeit auf privater Ebene gesehen, somit war es die einzige Möglichkeit überhaupt. Inzwischen ist das „Genußschein-Naturalzins-Konzept“ nicht nur von anderen Weingütern kopiert worden, sondern auch auf Bereiche aus der Hotelerie und Gastronomie übertragen worden, oder eine Mischung von allem.

Anleihen Finder: Planen Sie zukünftig einen weiteren Genussschein?

Sybille Kuntz: Es gibt eine zweite Auflage, in die man noch einsteigen kann.

Anleihen Finder: Vielen Dank für das äußerst interessante Interview und viel Erfolg bei Ihren zukünftigen Projekten.

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