S.A.G. Solarstrom: Trotz niedrigem Zinsdeckungsgrad können wir die Anleihe zurückzahlen

Donnerstag, 15. November 2012

Ulrich Kenk, Mitglied des Vorstandes der S.A.G. Solarstrom AG, über den Kampf seines Unternehmens mit dem schwierigen Marktumfeld und längerfristige Pläne, die zu positiven Geschäftsergebnissen führen sollen:

Anleihen Finder Redaktion: Welches Ziel will die S.A.G Solarstrom zum Ende dieses Geschäftsjahres 2012 erreichen?

Ulrich Kenk:
Wir wollen im Gesamtjahr 2012 unser Installations- und Absatzvolumen auf über 100 MWp steigern und ein positives operatives Ergebnis erreichen.

Anleihen Finder Redaktion:
Wann planen Sie, ein positives Konzernergebnis zu erreichen?

Ulrich Kenk: Auf Quartalsebene waren wir im 3. Quartal 2012 auch beim Konzernergebnis positiv und wir gehen davon aus, dass wir das in den Folgequartalen fortschreiben werden. Allerdings haben wir aus dem ersten Halbjahr noch einige Belastungen im Finanzergebnis zu verkraften, darunter Einmaleffekte aus dem Verkauf des Großprojektes Serenissima, so dass es im Gesamtjahr 2012 sehr ambitioniert wäre, dass wir die schwarze Null auch unter dem letzten Strich erreichen werden. Dazu war der Markt zu schwierig. Wir mussten etliche regulatorische Änderungen in Europa und auch hier in Deutschland verkraften und die Banken- und Finanzkrise hat die Finanzierungen deutlich verteuert. Aber wie das 3. Quartal gezeigt hat, sind wir bereits auf dem richtigen Weg.

Anleihen Finder Redaktion:
Nach unseren Berechnungen beträgt die für Anleihe-Investoren wichtige Kennzahl Zinsdeckungsgrad von S.A.G. Solarstrom 0,04 bezogen auf die Finanzierungsaufwendungen und 0,046 bezogen auf das Finanzierungsergebnis. Können Sie das Ergebnis bestätigen? Und wie schätzen Sie den Zinsdeckungsgrad von S.A.G. Solarstrom ein?

Urich Kenk: Das erste Halbjahr war wie erwähnt noch stark von Einmalbelastungen geprägt, deshalb erscheint der aktuelle Zinsdeckungsgrad stichtagsbedingt zum 30. September sehr niedrig. Aufgrund der starken Volatilität des Projektgeschäfts ist das jedoch kaum aussagekräftig. Wir haben aktuell höhere Zinsbelastungen, die sich perspektivisch aber wieder deutlich reduzieren werden. Dazu beitragen werden beispielsweise freiwerdende Mittel aus Finanzierungen und Hinterlegungen für Gewährleistungsbürgschaften, die die S.A.G. Solarstrom AG der Projektgesellschaft Enersol, Rovigo (Italien), der Projektgesellschaft des Projektes Serenissima gewährt hat. Wir sind also – auch wenn der Zinsdeckungsgrad stichtagsbezogen niedrig erscheint – in jedem Fall in der Lage, die Anleihe zurückzuzahlen.

Anleihen Finder Redaktion: Im Pressegespräch zum Ergebnis der Zahlen zum 3. Quartal hat Herr Kuhlmann die Werthaltigkeit der S.A.G.-Kraftwerke angesprochen. Können Sie die Werthaltigkeit beziffern und die Entwicklung in den letzten Jahren beschreiben?

Ulrich Kenk: Die S.A.G. Solarstrom AG hat das eigene Kraftwerksportfolio in den letzten fünf Jahren von 6 MWp auf jetzt 26,1 MWp ausgebaut. Der aktuelle Verkehrswert beträgt rund 80 Mio. €, der Buchwert beläuft sich auf 48 Mio. €. Das sind Werte, die wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Die Kraftwerke sind zum überwiegenden Teil non-recourse finanziert, tragen also problemlos die eigene Finanzierung, belasten aber natürlich unsere Bilanz. Dennoch wollen wir auch in den nächsten Jahren den eigenen Kraftwerksbestand sukzessive ausbauen, weil er sehr stabile Cashflows liefert.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Kuhlmann hat auch die „Spardosen“ der S.A.G.-Solarstrom angesprochen. Was genau dürfen sich die Anleger unter diesen Spardosen vorstellen? Wie viel ist in diesen Spardosen?

Ulrich Kenk: Konkret geht es hier – neben den Sachwerten wie den eigenen Solarkraftwerken oder auch dem Unternehmenswert einer meteocontrol – um die bereits erwähnten Darlehen und Hinterlegungen für Gewährleistungsbürgschaften, die die S.A.G. Solarstrom AG der Projektgesellschaft Serenissima gewährt hat. Das Kraftwerk Serenissima läuft ganz hervorragend und über Plan. Bis 2015 werden hieraus alleine rund 17,8 Mio. € zurückgeführt, bis 2017 nochmals rund 5,9 Mio. €. Die S.A.G. könnte demnach bereits heute 71 % der ersten Unternehmensanleihe und 35 % der zweiten Unternehmensanleihe nur aus dieser „Sparbüchse“ bedienen. Und wir haben ja auch vor, in den nächsten Jahren auch Geld zu verdienen.

Anleihen Finder Redaktion: Befürchten Sie, dass die Windenergie der Solarbranche den Rang abläuft?

Ulrich Kenk: Es ist fatal, dass gerade hier in Deutschland versucht wird, verschiedene Erneuerbare Energien gegeneinander auszuspielen. Wir sind davon überzeugt, dass Deutschland eine gesunde Mischung Erneuerbare Energien benötigt. Ganz klar sehen wir aber, dass die Regierung zentralisierte Offshore-Wind-Kraftwerke favorisiert – das kommt den zentralisierten Geschäftsmodellen der großen Energieversorger entgegen. Es ist schade, dass hier offensichtlich die Lobbyarbeit der Energiekonzerne eine solche Wirkung entfaltet.

Einer der wesentlichen Vorteile von Photovoltaik ist die Dezentralität. Wir glauben deshalb, dass Photovoltaik ein sehr wichtiger und aufgrund gesunkener Preise vor allem wettbewerbsfähiger Baustein einer Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien darstellt und auch zum Gelingen der Energiewende beitragen wird.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Botschaft möchten Sie an Ihre Anleihe-Gläubiger in diesem Interview senden?

Ulrich Kenk: Die S.A.G. Solarstrom AG steht trotz der Branchenturbulenzen auf einem soliden Fundament. Wir haben in den vergangenen Jahren Werte geschaffen und unsere vier Geschäftssäulen haben dazu beigetragen, dass wir die Marktschwankungen gut ausbalancieren konnten. Wir sind davon überzeugt, dass wir zu den Unternehmen gehören werden, die gestärkt aus der Konsolidierungsphase am Markt hervorgehen werden. Wir haben mit einem 2 MWp-Pilotprojekt in Chile und einem 440 MWp-Projekt in Badajoz, Spanien, bereits die ersten Projekte ohne garantierte staatliche Einspeisevergütung in der Umsetzung – das ist die Zukunft der Photovoltaik und daran arbeiten wir. Und ganz wichtig für unsere Anleihegläubiger: In unseren Planungen ist die Rückzahlung der beiden Unternehmensanleihen bereit fest verankert.

Anleihen Finder Redaktion:
Herr Kenk, vielen Dank für das Gespräch.

Foto: S.A.G. Solarstrom

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