Privatanleger gegen hkw Personalkonzepte GmbH: Wieso tappt die Staatsanwaltschaft nach wie vor im Dunkeln? – Liegt Bilanzbetrug vor? – Warum blieb ein Darlehen von 5,4 Millionen Euro im Halbjahresbericht unerwähnt? – Auf dem Weg zur Privatklage

Donnerstag, 7. August 2014


Nach dem die Anleihen Finder Redaktion den Bericht von
Rena-Gläubiger und User „Kleinmode“ am 14. Juli 2014 veröffentlichte, meldete sich nun ein weiterer Anleihegläubiger, der gleichzeitig Finanz-Experte ist, um seine Erfahrungen zu berichten. Die Anleihen Finder Redaktion möchte „kleinen“ wie „großen“ Investoren und Marktteilnehmern die Chance geben, Ihre Sichtweisen darzustellen.

Im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion schilderte der Anleihegläubiger Christoph Kanther zunächst sein Vorgehen bei der Auswahl der hkw-Unternehmensanleihe:

„Ich habe 2012 und 2013 freiberuflich für zwei Rating-Agenturen gearbeitet und Bilanzanalyse von europäischen Unternehmensanleihen und 2013 auch von Mittelstandsanleihen, die in Deutschland gehandelt wurden, betrieben.

Ich habe im Frühjahr 2013 die 8,25-prozentige hkw-Unternehmensanleihe erworben und dann sukzessive aufgestockt, da mich sowohl die Branche – selektive Personalberatung – als auch die im Emissionsprospekt angekündigten Investitionen mittels Unternehmenskäufe bzw. Erweiterungsinvestitionen auf bundesweiter Ebene überzeugt haben. Zudem wurden im  ersten Halbjahr 2013 Umsatzzuwächse erwartet.“

Was ist bei der hkw geschehen?

Bei der hkw kam es jedoch anders als von Herrn Kanther oder anderen Anleihegläubigern gedacht.

Brief von Christoph Kanther an die Anleihen Finder Redaktion:

„Im Halbjahresbericht der hkw tauchte im Spätsommer 2013 erstmals in einem Nebensatz der Vermerk auf, dass rund 5,4 Millionen Euro an Darlehen ausgereicht worden sind. Zusammen mit einem Kollegen von der URA Rating-Agentur stellte ich im Oktober 2013 fest, dass sowohl die den Abschluss testierenden Wirtschaftsprüfer, der Aufsichtsrat und später der Co-Vorstand offensichtlich nichts davon gewusst haben wollen, dass der 2.Vorstand Gerrit Brunsveld die genannte Summe an mit ihm verbundene Unternehmen oder Gesellschaften über die Rabobank in den Niederlanden ausgereicht hatte. Im Halbjahresbericht 2013 war keine Erklärung über den Verwendungszweck zu erkennen.“

„Überraschende Verschiebung der Zinszahlungen im November 2013“

„Wieso die Bilanzbuchhaltung der seit 1969 existenten hkw den Abgang der bezeichneten Summe ohne Kontrolle/Gegenzeichnung ins Ausland geschehen lies, ist unverständlich – ja fast schon kriminell. Meine Vermutung der kriminellen Machenschaften fanden Mitte November 2013 ihre Bestätigung, als die Anleihen-Zinszahlung (825.000 Euro) überraschend vom 15.11.2013 auf den 16.12.2013 verschoben wurde. Ich habe mich umgehend Mitte November 2013 bei der HKW nach dem Grund der Verschiebung erkundigt.  Am Telefon teilte man mir mit, dass Co-Vorstand Brunsveld die Finanzen verantworte und es zu unerwarteten Verzögerungen käme. In einer Unternehmensmeldung hieß es unterdessen, dass eine bald angekündigte Neustrukturierung für die Verzögerung verantwortlich sei und dass die Zinszahlung nicht gefährdet sei.“

„Darlehen an die Rabobank wurde nicht erwähnt“

„Im Halbjahresbericht 2013 von hkw war von keinem Darlehen an die Rabobank über die genannte Summe zu lesen. Das diese Summe ungeprüft von der Bilanzbuchhaltung, ohne Gegenzeichnung und Meldungen an Aufsichtsrat und Hausbank die Schaltzentrale der hkw ins Ausland verlassen konnte, ist ein Skandal ersten Ranges. Zudem ist die Emissionsbank zu fragen, warum nur ein geringer Teil des Anleiheerlöses  in Investitionen geflossen ist. Im Prospekt wurde angekündigt, dass große Anteile der Emissionserlöse in Investitionen fließen sollten.“

„Stattdessen ist später zu erfahren, dass in 2013 an mit Brunsveld verbundene Unternehmen in Holland einige Millionen abgeflossen sind – außerhalb der Bilanz. Neben der Prospekthaftung und der unkontrollierten Fehlleitungen der sich auch strafbar gemachten Buchhaltung, ist lt. §185 HGB ein Gesellschafter verpflichtet zu unterschreiben, wenn er Geschäfte mit sich selbst tätigt. Hat er nicht unterschrieben, macht er sich zusätzlich strafbar. Bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens erklärte der Insolvenzverwalter, dass Herr Brunsveld bereits 2011 bei der Übernahme der hkw ein Darlehen in Höhe von 5,85 Millionen Euro bei der Rabobank aufgenommen habe, was er offensichtlich in 2013 zurückgeführt hat.“

„Die Staatsanwaltschaft ist lt. Insolvenzverwalter seit 2014 eingeschaltet. Mit den Behörden in den Niederlanden läuft es allerdings angeblich nur behäbig.“

„Privatrechtliche Klage angestrebt“

„Offensichtlich haben hier viele Stellen versagt: Wirtschaftsprüfer, Emissionsbank, Buchhaltung, Aufsichtsrat und Vorstand.“

„Eine privatrechtliche Klage macht aus Kostengründen offenbar erst ab einer Summe von mindestens 30.000 Euro Sinn. Und dann besser in Form einer Sammelklage mit mehreren Anleihegläubigern zusammen. Die Liste der geschädigten Anleger mit der entsprechenden Summe ist in der Hand von One Square Advisory. Nach deren Meinung müssen erst alle Anleihegläubiger befragt werden, ob sie sich einer Privatklage anschließen möchten und ob sie sich alle einem Anwalt hierfür anvertrauen wollen.“

„Ich würde sehr gerne mit allen betroffenen Anlegern – ab einer Summe von 30.000 Euro – eine Privatklage gegen genannte Stellen anstrengen.“

„Meines Wissens gibt es Möglichkeiten Kontobewegungen innerhalb Europas bei solchen Delikten zu recherchieren und einen Datenaustausch zu ermöglichen.“

„hkw – aber auch andere Fälle stellen exemplarische Beispiele für Bilanzbetrug, Bilanzfälschung und Steuerbetrug dar. Ein Unternehmensanalyst der URA in München bestätigt meine Aussage, dass in einem solchen Fall sämtliche Analysen von Unternehmensnachrichten oder Veröffentlichung von Quartals-oder Halbjahresberichten obsolet sind, wenn Bilanzfälschung oder Manipulation in Einheit vorliegt. Hier sind Unternehmensanalysten machtlos.“

„Sie können meinen Namen gerne veröffentlichen und ich hoffe sehr, dass Schritte unternommen werden, diese Art von Geschäftsgebaren mit aller Härte zu verfolgen.“

Ihr Christoph Kanther

Bitte schreiben Sie der Anleihen Finder Redaktion eine E-Mail an: henecker@anleihen-finder.de, wenn Sie Ihre Erfahrungen als Anleihegläubiger oder Marktteilnehmer mitteilen möchten. Wir behandeln alle Zuschriften vertraulich.

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Anleihen Finder Redaktion. Timm Henecker.

Foto: Néstor Galina / flickr Néstor Galina

Anleihen Finder Datenbank

Unternehmensanleihe der hkw personalkonzepte GmbH 2011/2016

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