Neuemission: Anleihe der Premium-Mode-Firma Evelin Brandt Berlin kann bis 28.02.2013 gezeichnet werden

Freitag, 4. Januar 2013


Evelin Brandt Berlin begibt eine Mittelstandsanleihe –  nicht börsennotiert aber übertragbar – im Volumen von 1,5 Millionen Euro. Die Schuldverschreibungen haben einen Kupon von sieben Prozent und eine Laufzeit von fünf Jahren. Die Mittelstandsanleihen des Premium-Mode-Labels Evelin Brandt Berlin können noch bis zum 28.02.2013 über das Unternehmen gezeichnet werden. Das sagte die geschäftsführende Gesellschafterin Evelin Brandt (Foto) heute im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion.

Das Modeunternehmen Evelin Brandt war vor 25 Jahren ein One-Woman-Start-Up. Heute ist es eines der bekanntesten Berliner Modefirmen. Die Evelin Brandt Mode GmbH beschäftigt 60 Mitarbeiter. In Berlin gibt es fünf Evelin Brandt Stores, in Köln, Hamburg und Dresden jeweils einen. Brandt-Mode kann man in Franchise-Shops in der EU und in Taiwan kaufen. Es gibt 800 Einzelhandelspartner in Deutschland, Europa, Asien, USA und Südafrika.

Die Anleihen Finder Redaktion sprach mit Evelin Brandt, der geschäftsführenden Gesellschafterin der Evelin Brandt Mode GmbH, über ihr Unternehmen und die Hintergründe der Emission.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrte Frau Brandt, Anleihen aus der Modebranche sind seit kurzem – nun ja – in Mode. Hemdenhersteller Seidensticker und Labels wie René Lezard oder Laurèl haben in den letzten Monaten erfolgreich Anleihen von insgesamt 65 Millionen Euro platziert. Was ist Ihr derzeitiges Geschäftsmodell und wo sehen Sie die Gründe für die bisherige erfolgreiche Entwicklung Ihrer Unternehmensgruppe?

Evelin Brandt: Ich finde die Entscheidung der von Ihnen erwähnten Labels, Wachstum über Anleihen zu finanzieren, bei der gegenwärtigen Mittelstandspolitik der Banken folgerichtig. Wir brauchen mittelfristige Planungssicherheit, ein ständiges Bemühen um Auftragsfinanzierungen, wie es während unseres überdurchschnittlichen Wachstums in den letzten beiden Geschäftsjahren erforderlich war, ist kontraproduktiv und schränkt uns in unseren Möglichkeiten ein.

Wir expandieren gegenwärtig – und planen das auch weiterhin für die Zukunft – in allen drei Geschäftsbereichen: Relativ kapitalintensiv im vertikalen Segment durch die Eröffnung neuer eigener Filialen, in diesem Bereich erzielen wir z.Z. etwa 1/3 unserer Erlöse. Sehr stark sind wir im Segment Flächenpartnerschaften, hier liegen wir mit unseren qm-Leistungen bei den Bestperformern. Last not least entwickelt sich das Exportgeschäft ebenfalls sehr positiv, die Exportquote  beträgt 50 Prozent unseres Großhandelsumsatzes. Unsere erfolgreiche Entwicklung führe ich auf unser überzeugendes Produkt zurück, es ist eindeutig im Premiumbereich platziert und wir sind durch eine gute innerbetriebliche Organisation  in der Lage, den Erwartungen unserer Großhandelspartner und vor allem auch unserer Endverbraucherinnen zu entsprechen.

Anleihen Finder Redaktion: Der Wettbewerbsdruck in Ihrer Branche ist bisweilen unglaublich hoch und die Modetrends, auf denen auch der wirtschaftliche Erfolg beruht, schwer vorhersehbar. Gerade das macht viele Anleger skeptisch. Was sind Ihre strategischen Ansätze und Methoden, um die richtigen Entscheidungen zur Sicherung des wirtschaftlichen Erfolgs zu treffen?

Evelin Brandt: Der Wettbewerbsdruck in der Modebranche manifestiert sich sehr stark im unteren Preissegment, in unserem wachsenden Premiumbereich geht es sachlicher und überschaubarer zu. Eine wichtige Rolle spielt die Treue der Endverbraucherin zum Label, hier setzen wir mit unserem Marketing an. Was die ‚schwer vorhersehbaren Modetrends’ anbetrifft: Seien Sie versichert, dies erscheint nur dem Außenstehenden so. Die Branche ist Teil eines Clusters, innerhalb dieses Clusters existieren Vorgaben, Erwartungen, Trends und der Wunsch nach Veränderung. Jedes Label interpretiert diese Parameter auf seine eigene Weise und im eigenen unverwechselbaren Stil, der nicht nur ein paar Monate anhält. Aus meiner Sicht ist daher eine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Modebranche nicht angebracht, wir sind so sicher wie andere Branchen auch.

Durch unsere Doppelstrategie: Vermarktung über Top Anbieter und Vermarktung über eigene Häuser haben wir jederzeit das Marktgeschehen im Auge. Unsere Kundinnen sind zugleich auch unser bestes Research Tool. Durch den direkten Kontakt erfahren wir Wünsche, Trends oder Verbesserungsvorschläge, die wir sehr ernst nehmen. Unsere Strategie der eigenen Häuser ist aufgegangen, diese Strategie verfolgen wir weiter.

Anleihen Finder Redaktion: In ihrem Hauptsitz in Berlin ist die kreative und kaufmännische Schaltzentrale des Unternehmens beheimatet – gefertigt wird unter anderem in Stettin. Wie sieht Ihre Vertriebs- und Marketingorganisation aus?

Evelin Brandt: Wir sind im Markt mit zehn Agenturen  präsent, nehmen an sechs Messen teil und betreuen unsere Einzelhändler durch unser Vertriebsmanagement vor Ort. Im Hause selbst  stehen wir unseren Kunden permanent zur Seite, sei es durch Unterstützung mit Promotion-Aktionen, Werbebeiträgen, Umdisponierungen und nicht zuletzt bei Nachbestellungen sowie durch ein ‚Never Out Of Stock’ Sortiment. Unser Label ist natürlich mit der größten Sortimentstiefe in unseren eigenen Geschäften präsent, wir bedienen unsere Kundinnen aber auch in unserem Onlineshop und haben – last not least – durch unsere Linie Evelin Brandt More Woman auch eine Präsenz im Große-Größen-Markt.

Anleihen Finder Redaktion: Seit dem 24. Oktober 2012 haben interessierte Anleger die Möglichkeit, Ihre Fünf-Jahres-Anleihe über 1,5 Millionen Euro mit einem jährlichen Kupon von sieben Prozent zu zeichnen. Was hat Sie dazu bewogen, eine Unternehmensanleihe zu begeben und wie genau werden Sie die eingeworbenen Mittel einsetzen?

„Diese Art der Finanzierung ist für uns sehr reizvoll“

Evelin Brandt: Diese Art der Finanzierung ist für uns sehr reizvoll. Es handelt sich um eine Privatplatzierung mit einer sehr begrenzten Zahl von Interessenten. Diese konnten wir zum großen Teil in unserem direkten Umfeld ansprechen, alles Menschen, die an unserer Mode Spaß haben und das Wachstum unseres Unternehmens in den letzten Jahren hautnah miterleben durften.

Wir wollen mit Hilfe der akquirierten Mittel insbesondere in dem Bereich unserer eigenen Läden weiter expandieren, da das Konzept sehr gut angenommen wird und profitabel ist.

Anleihen Finder Redaktion: Die bereits erwähnten, jüngst begebenen Mode-Anleihen waren mit Kupons oberhalb der sieben Prozent ausgestattet, teilweise mit Ratings von BB und besser benotet und allesamt handelbar an deutschen Börsen. Nun ist Ihr Angebot an die Anleger eine nicht liquidierbare/handelbare Geldanlage ohne Rating mit genau sieben Prozent – prima facie also ein potenzieller Ladenhüter. Warum sollten Anleger dennoch einen zweiten Blick wagen und Ihre Anleihe kaufen?

Evelin Brandt: Der zweite Blick ist bei uns der erste Blick, nämlich in das Unternehmen selbst. Wir haben die Anzahl der Zeichner bewusst so eingeschränkt, damit wir uns um jeden persönlich kümmern können. Man kann unsere spannende Fabrikation besichtigen, den Showroom, den wir auch während der Berlin Fashion Week dem Publikum öffnen und man kann mit mir persönlich sprechen. Mit unserem Zinssatz von glatt sieben  Prozent liegen wir, über verschiedene Branchen gesehen, in einem guten Mittelfeld. Unsere Anleger, die durchschnittlich 10.000 Euro investieren, werden sich durch gefühlte mehr als sieben Prozent nicht beeindrucken lassen. 7,12 Prozent z. B. bedeutet im Einzelfall, dass pro Jahr mal gerade EUR 12 mehr bei einem Invest von EUR 10.000 erlöst werden. Und Ratings? Seit dem Triple A von Lehman Brothers sollte das doch sehr differenziert betrachtet werden. Wir werben lediglich 1,5 Millionen Euro ein – der Kostenfaktor Rating rechnet sich in dieser Größenordnung nicht.

Anleihen Finder Redaktion: In den Anleihebedingungen ist festgelegt, dass ein Personenkreis von maximal 149 Investoren an der Zeichnung der Anleihe mit einer Mindestinvestition von 3.000 Euro beteiligt sein darf. Im Schnitt erwarten Sie also, dass gut 10.000 Euro je Anleger gezeichnet werden. Wer sind bislang Ihre „typischen“ Anleihe-Investoren und wen möchten Sie im Besonderen adressieren?

„Es sind in der Regel unserem Unternehmen sehr verbundene Investoren.“

Evelin Brandt: Die durchschnittliche Zeichnung liegt tatsächlich bei 10.000 Euro. Einige liegen darunter, doch es gibt auch Zeichner, die deutlich höher liegen. Es sind in der Regel unserem Unternehmen sehr verbundene Investoren. Wegen unserer Form der ‚kleinen Anleihe’ bleibt uns der Weg zu institutionellen Anlegern oder professionellen Anlegern eher verschlossen.

Anleihen Finder Redaktion: Ein kurzer Blick in die Zahlenwelt der Evelin Brandt Mode GmbH: Ihr operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag für das Geschäftsjahr 2011 bei rund TEUR 400. Hieraus mussten die Zinsansprüche der stillen Gesellschafter und der Banken in Höhe von rund TEUR 300 beglichen werden. Das Verhältnis von EBIT zu Zinsaufwand sollte im Mindesten 2:1 betragen, um auch bei kleineren Umsatzrückgängen problemlos den Zinsdienst leisten zu können. Haben Sie Maßnahmen zur Verbesserung der Schuldendienstfähigkeit getroffen und wie gestaltet sich dieses Verhältnis im laufenden Geschäftsjahr?

Evelin Brandt: Wir werden das Verhältnis EBIT:Zinsaufwand nachhaltig verändern. Die vertragliche Bindung an den stillen Gesellschafter (TEUR 350) läuft in 2013 sukzessive aus, die vereinbarten zwölf Prozent Vergütung sind ein Relikt aus der Hochzinsphase. Im laufenden Geschäftsjahr zeichnet sich ein höheres EBIT ab, wodurch sich die Relation verbessert.

Anleihen Finder Redaktion: Die zusätzliche Zinsbelastung aus der Anleihe wird sich bei Vollplatzierung auf rund TEUR 100 pro Jahr belaufen. Wie schnell können die Mittel aus der Anleihe profitabel eingesetzt werden, um die zusätzliche Zinsbelastung zu kompensieren?

Evelin Brandt: Sehr schnell. Die bestehenden Kontokorrentlinien werden unter Beibehaltung der Linien sofort entlastet. Weiteres Potential besteht im Bereich Lieferanten, hier können durch Cash-on-Delivery-Vereinbarungen große Einsparpotentiale realisiert werden.

Anleihen Finder Redaktion: Neben der Emittentin, die nach unserem Verständnis die Betriebsgesellschaft der Gruppe ist, besteht auch noch die ZEGWA Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH & Co. Immobilieninstandsetzungs KG, die Eigentümerin der Berliner Geschäftsimmobilie ist. Finanziert wurde die Immobilie im Wesentlichen über Bankkredite. Welche Struktur hat diese Finanzierung – Laufzeit, Besicherung – und bestehen auch Pflichten der Emittentin – z.B. Mieteintrittsgarantien, Bürgschaften, Sicherungsleistungen – gegenüber den finanzierenden Banken?

Evelin Brandt: Die Geschäftsimmobilie befindet sich seit zwölf Jahren in unserem Besitz, sie wurde seinerzeit zu 100 Prozent fremdfinanziert. Heute valutiert das Annuitätendarlehen bei ca. 15 Prozent des aktuellen Verkehrswertes. Die Besicherung ist seinerzeit durch Grundbucheintrag erfolgt, Pflichten der Emittentin gegenüber der baufinanzierenden Bank bestehen nicht.

„Alle Anschlussfinanzierungen gesichert“

Anleihen Finder Redaktion: Aus dem Konzernabschluss 2011 der Gruppe geht hervor, dass im Jahr 2012 rund 1,5 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten fällig werden. Sind diese Fälligkeiten zum jetzigen Zeitpunkt bereits bedient bzw. die Anschlussfinanzierungen gesichert?

Evelin Brandt: Für die Bankverbindlichkeiten sind alle Anschlussfinanzierungen gesichert.

Anleihen Finder Redaktion: Der Aufbau  die ganze Organisation einer solchen Privatanleihe ist ja sehr komplex, hat Ihnen ein Beratungsunternehmen bei der Strukturierung und der Ausgestaltung geholfen?

Evelin Brandt: Ja. Unser Job ist Mode, darin sind wir gut. Also suchen wir uns für Aufgaben, die neu für uns sind, professionelle Partner, die es einfach besser können. Die Strukturierung wurde dem auf Anleihen spezialisierten Berliner Unternehmen Jucho & Collegen Deutsche Industrieanleihen übertragen.

Anleihen Finder Redaktion: Werfen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft des Unternehmens. In welchen Märkten mit welchen Vertriebskanälen sehen Sie die Evelin Brandt Mode GmbH in fünf Jahren und welche Marktposition werden Sie einnehmen?

Evelin Brandt: Wir werden deutlich mehr Flächenpartnerschaften haben (‚Shop-in-Shop’), die Anzahl unserer eigenen Läden wird um 30 Prozent höher liegen, der Exportanteil wird  ebenfalls wachsen. Bei unserem Onlineshop erwarten wir im Vergleich zum stationären Einzelhandel ein überdurchschnittliches Wachstum – kurzum, wir werden in die nächste Liga aufrücken. Bis jetzt haben wir die zehn illionen Euro-Umsatzmarke noch nicht überschritten, werden uns dann aber im zehn bis 20 Millionen-Bereich befinden.

Anleihen Finder Redaktion: Vielen Dank für das sehr offene Gespräch!

Anleihen Finder Redaktion

Fotos: Evelin Brandt Mode GmbH

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