„Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ – Anleihen-Kaufangebote deutlich unter Marktpreisen

Dienstag, 13. Februar 2018


Vorsicht – erneut kursieren fragwürdige
Kauf-Angebote für Anleihen mit deutlich unter Marktpreisen liegenden Offerten. So unterbreitet ein Kölner Investor namens Karl Müller derzeit Anleihegläubigern der Beate Uhse AG, der Ekosem-Agrar GmbH oder der SeniVita-Gruppe Kaufangebote für deren Anleihen bzw. Genussrechte, die Anleger verunsichern und bereits zu kleineren Kursschwankungen geführt haben.  

Diese „dubiosen Angebote“ liegen bisweilen deutlich (bis 25%) unter den Marktpreisen und bringen nicht selten verunsicherte Anleger um ihr Erspartes. Unsere Redaktion hat zahlreiche Zuschriften von besorgten Anlegern bekommen. So notierten die SeniVita-Wandelanleihe oder die Ekosem-Agrar-Bonds zum Zeitpunkt des Angebots deutlich über 90%. Die Offerte von Herrn Müller lag hingegen lediglich bei 65% bzw. 70% (siehe Abb.1).


Quelle: Bundesanzeiger

„Verarschungsnummer“

Für Finanzexperte und Anleihen Finder-Kolumnist Markus Stillger, Geschäftsführer der MB Fund Advisory GmbH, gehören diese Angebote in die Kategorie „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“. Gewohnt klar in seiner Ausdrucksweise spricht Stillger – der selbst von derartigen Angeboten heimgesucht wurde – im Gespräch mit dem Anleihen Finder von einer klaren „Verarschungsnummer“. Auch andere Marktteilnehmer fordern Maßnahmen gegen die „Abzockerangebote“.

„Als Bank würde ich mir überlegen, ob man solche Leute aufgrund der ganzen Mühe, die sie verursachen, auf Schadensersatz verklagt“, so Stillger zum Anleihen Finder. Die Banken müssen solche Angebote an ihre Kunden weiterleiten. Sicherlich wäre zu raten – auch im Interesse der Bankkunden – wenn diese bislang legalen Angebote jeweils mit den aktuellen Börsenkursen versehen weitergereicht werden.

Lesen Sie dazu bitte auch: Dubiose Anleihe-Kaufangebote: „Der Versuch auf Dummenfang zu gehen“

Ekosem-Agrar GmbH wendet sich an Anleihegläubiger

Die Ekosem-Agrar GmbH hat nun als erstes Unternehmen auf die aktuellen Kaufangebote reagiert und Stellung bezogen:

Die Ekosem-Agrar GmbH ist von Anlegern darüber informiert worden, dass Herr Karl Müller Erwerbsangebote für die Ekosem-Agrar Unternehmensanleihen 2012/21 (ISIN: DE000A1MLSJ1) und 2012/22 (ISIN: DE000A1R0RZ5) unterbreitet hat, welche die Depotbanken an die Anleger weitergeleitet haben.

Die Geschäftsführung nimmt dazu wie folgt Stellung:

Herr Müller ist der Gesellschaft nicht bekannt und es bestehen keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen zwischen ihm und der Gesellschaft. Gemäß dem unverbindlichen Angebot möchte Herr Müller Anleihen im Volumen von jeweils bis zu 5.000.000 EUR zu einem Angebotspreis von 705,00 EUR, respektive 702,50 EUR je 1.000 EUR Nennbetrag erwerben und liegt damit deutlich unter dem Ausgabepreis und dem derzeitigen Marktwert der Anleihen.

Das Angebot von Herrn Müller hat offensichtlich für Verunsicherung am Markt gesorgt, was ein Grund für den aktuellen Rückgang der Anleihenkurse sein könnte. Die Geschäftsführung stellt klar, dass es keine Ursachen aus der operativen Geschäftsentwicklung für die rückläufige Kursentwicklung der Ekosem-Anleihen gibt.

Ekosem-Agrar GmbH

Wiederholungstäter

Dass der Investor Karl Müller das Angebot nach dem Genuss von 20 Kölsch in bester Karnevalslaune verfasst hat, wie Markus Stillger vermutet, ist indes zu verneinen, denn Herr Müller ist ein „Wiederholungstäter“. Schon im November des vergangenen Jahres hatte der Investor Müller Kaufangebote für Anleihen der Air Berlin PLC, Solwarld AG oder der GEWA 5 to 1 GmbH abgegeben.

Die Stuttgarter Nachrichten hatten von einem Kaufangebot berichtet, wonach ein Kölner Geschäftsmann den Besitzern von Anleihen des insolventen GEWA-Towers in Fellbach ein freiwilliges Barabfindungsangebot anbietet. Müller habe damals einen Preis in Höhe von 16 Prozent je Anleihe geboten, wobei aufgelaufene Stückzinsen nicht vergütet würden. Die Anleihen-Inhaber hätten demnach pro Anleihe im Nennwert von 1000 Euro eine Barabfindung in Höhe von 160 Euro erhalten. Bei den damaligen Übernahme-Interessenten der GEWA-Immobilie wäre im Insolvenzverfahren nach Expertenschätzung bei gelungener Abwicklung eine Quote von etwa 40 Prozent herausgesprungen. Die Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger hatte das Angebot von Müller strikt abgelehnt.

Anleihen Finder Redaktion.

Foto: pixabay.com

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