Mittelstandsanleihen – Von den Anlegern geliebt, von der Presse verteufelt – Kolumne von Marius Hoerner

Dienstag, 7. Mai 2013


An Mittelstandsanleihen scheiden sich die Geister. Mehrfach war bereits von einem neuen „Neuer Markt“ zu lesen und von Unternehmen,  die die Gunst der Stunde nutzen, um ahnungslosen Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen, das Banken nicht mehr bereitstellen würden. In einigen Fällen mag das sogar zutreffen, aber grundsätzlich stellt sich die Situation ganz anders dar.

Viele der Unternehmen, die heute mit einer Anleihe an den Mittelstandsmarkt gehen, ergreifen eine Chance, die sie ergreifen müssen. Die Banken sind bei weitem nicht mehr so flexibel wie noch vor einigen Jahren. Außerdem haben viele Mittelständler mit Bankhäusern zusammen gearbeitet, die teilweise in den Großbanken aufgegangen oder sich vom Markt verabschiedet haben (z.B. West LB) oder heute im Kreditvolumen pro Kunde deutlich eingeschränkt sind.

Ist der Mittelstandsmarkt damit eine letzte Chance? Mitnichten. Dieser Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt, ist für den deutschen Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, eine nicht zu unterschätzende Chance.

Diversifikation, wie sie in zahlreichen Portfolio-Theorien gefordert wird, gehört auch in das Refinanzierungsportfolio der Unternehmen. Sprich, etwas Bank, etwas Anleihe, etwas Schuldschein und etwas Mezzanine. Ob es sinnvoll ist, alle Instrumente einzusetzen, bleibt im Einzelfall zu prüfen. Sicher ist jedoch, dass eine eindimensionale Unternehmensfinanzierung der unsicherste und damit gefährlichste Weg ist.

Eindimensional ist das Stichwort für einen großen Teil der Berichterstattung in der Presse. Eindimensional aber nachvollziehbar. Denn was soll der Journalist tun, der jetzt und hier über die Anleihe eines Emittenten schreiben will oder muss? Er kann sich nur auf die Fakten dieses Unternehmens konzentrieren und nicht auf ein diversifiziertes Portfolio von Mittelstandsanleihen.

Daraus resultiert zwangsläufig eine teilweise sehr kritische Sichtweise die man als Anleger relativieren muss, was übrigens auch für sehr positive Berichterstattung gilt.

Ein gut diversifiziertes Anleihenportfolio ist breit gefächert und enthält nach unserer Definition nicht mehr als maximal drei Prozent eines Schuldners. In unserem ARTUS Mittelstands-Rentenfonds –A0RHHB- sind wir noch restriktiver und gewichten grundsätzlich nicht höher als 1,5 Prozent.

Das bedeutet für den Privatanleger, dass er bei einem € 40.000 Depotvolumen 40 Anleihen im Bestand hat. Davon abgesehen, dass das unter Berücksichtigung der Spesen keinen Sinn macht, ist es für den privaten Investor kaum möglich bei allen Schuldnern auf dem Laufenden zu bleiben. Die Lösung kann hier nur ein Fonds sein.

„Die meisten gehen gut aus, aber manche haben böse Folgen.“

Was viele Anleger unterschätzen und viele Journalisten überschätzen, ist die Dynamik mit der sich ein neues Marktsegment entwickelt. Wie bei Kindern muss man auch hier mit Krankheiten und Wehwehchen rechnen. Die meisten gehen gut aus, aber manche haben böse Folgen. Diese zu identifizieren, ist die Kunst. Selbst wenn das nicht immer gelingt und aus einem Schnupfen über Nacht eine Lungenentzündung wird, ist das zu verkraften, wenn die Regeln der Diversifikation eingehalten wurden.

Ein weiterer Punkt, der immer wieder negativ in den Vordergrund geschoben wird, ist der vergleichsweise hohe Zins. Hoher Zins gleich Risiko ist das Credo und je höher der Zins, desto höher das Risiko. Dem kann man nur energisch widersprechen. Zwar wird bei Mittelstandsanleihen ein Risikoaufschlag bezahlt, was auch richtig ist, aber den Zinssatz in Relation zum Risiko zu setzen ist fragwürdig.

Ganz sicher ist es so, dass bekannte Marken tendenziell weniger Zins bezahlen als Unternehmen die mindestens so solide sind, die aber keiner kennt. Und je weniger Bekanntheitsgrad und je komplizierter das Produkt, umso höher muss der Zins sein, um Investoren zu finden.

Der kluge Unternehmer, der weitsichtig ist und seine Refinanzierungsquellen sauber diversifiziert, wird das in Kauf nehmen. Nur so kann er sein Unternehmen bei den Anlegern bekannt machen und Vertrauen schaffen. Gelingt ihm dies, wird der Markt das in Zukunft honorieren. Getreu dem Motto „wer schnell sein will, muss langsam gehen“, kann heute 0,25 Prozent mehr in Zukunft 0,50 Prozent  weniger an Zins bedeuten und eine Investition in die Zukunft sein.

Marius Hoerner

Foto: ARTUS DIRECT INVEST AG

Kurzvita von Markus Hoerner

Marius Hoerner ist bei der ARTUS DIRECT INVEST AG Prokurist sowie Fondsmanager Mittelstands-Renten HI Fonds und Kundenbetreuer.

Ausbildung zum Bankkaufmann bei Merck, Finck & Co. in Düsseldorf. Über 20 Jahre Erfahrung im internationalen Aktien- und Rentengeschäft und in der Betreuung privater und institutioneller Kunden.

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