Mittelstandsanleihen – Letzte Ausfahrt vor… der Insolvenz? – Kolumne von Marius Hoerner

Dienstag, 30. Juli 2013

Die Kritik an Mittelstandsanleihen allgemein will nicht verstummen und grundsätzlich ist das gut so. Der interessierte Leser wird sich fragen, warum ein Asset Manager, der seine Anlagepolitik auf der verzinslichen Seite im Schwerpunkt auf den Mittelstand ausgerichtet hat, die Kritik begrüßt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Beginnen wir bei den egoistischen Motiven. Ohne Kritik steht das Marktsegment nicht regelmäßig im Focus und bekommt keine Aufmerksamkeit. Ohne Aufmerksamkeit findet keine Meinungsbildung statt und ohne Meinungsbildung gibt es keine Interessenten für ein breit diversifiziertes Produkt. Genau dieses Interesse brauchen wir als Asset Manager aber.

Allgemeingültig und damit wesentlich wichtiger ist jedoch die kritische Betrachtung der einzelnen Emittenten. Es wäre zu einfach und zu schön, wenn man ein Raster über die Anleihen legen könnte und die Guten fallen direkt ins Auge. Dementsprechend ist es aber auch zu einfach zu glauben, die weniger guten oder gar schlechten anhand weniger Punkte ausfindig machen zu können.

Schiffe oder Immobilien, wie sie bisher aus geschlossenen Beteiligungen bekannt sind, können genau so wenig oder mehr Risiken beinhalten wie die Anleihe eines produzierenden Unternehmens. Das ist aber keine selbsterfüllende Prophezeiung sondern im Einzelfall genau zu prüfen.

Miesmacher sind die, die alles schlecht reden, was sie nicht verstehen

Stimmt die Rendite mit dem Risiko überein, ist die Anleihe für die entsprechenden Investoren geeignet. Und da beginnt oft das Problem.

Speziell private Investoren können in vielen Fällen nicht beurteilen, ob das Risiko einer Anlage zu ihrem Profil passt. Das gilt aber nicht nur für Mittelstandsanleihen sondern auch für jede andere Anlageklasse und ganz speziell für die fast ausschließlich für Privatkunden konzipierten Zertifikate und Optionsscheine.

Die, ich sage es mal provokant, Miesmacher sind regelmäßig diejenigen, die alles schlecht reden, was sie nicht verstehen können / wollen oder diejenigen, die genau wissen, wann sich schlechte Nachrichten besser verkaufen als gute.

Erstaunlich ist, dass die Besicherungskonzepte einiger Anleihen bisher nicht in den Fokus getreten sind. Die sind in einigen Fällen nämlich tatsächlich fragwürdig. Allerdings nicht auf den ersten Blick, aber auf jeden Fall, wenn man über den Tellerrand hinaus schaut.

Stammtischparolen nicht unähnlich

Wie immer im Leben sind pauschale Urteile die einfachsten. Die gängigsten, die Stammtischparolen nicht unähnlich sind, spare ich mir an dieser Stelle. Vielmehr rate ich dem Anleger bei der Geldanlage zu agieren, wie er das im täglichen Leben tut… Unabhängig vom Preis, kauft man einem Fahranfänger einen 300 PS Sportwagen oder doch lieber die „Golf-Klasse“? Sind Sie als Anleger eher ein Fahranfänger oder ein Routinier der neben seiner Erfahrung auch die Reflexe für 300 PS am Limit hat?

Wenn der Anleger sich diese Frage ehrlich beantwortet, wird er schon eine Menge Anlagen ausschließen können, und wenn es um spezielles Wissen geht, fragt man Fachleute.
Oder ziehen Sie sich ihre Zähne auch selber?

Unter dem Strich ist Kritik absolut zu begrüßen. Es wäre aber schön, wenn es auch ab und zu mal positive wäre.

Das Markt Segment der Mittelstandsanleihen ist jung und erst in der Entwicklung. Genau wie bei den großen Corporates wird sich auch hier ein Junk Bond- Bereich bilden. Einige Emissionen sind zumindest auf dem besten Wege dahin bzw. schon angekommen. Der größere Teil der bisherigen Emissionen ist aber solide aufgestellt und finanziert.

Marius Hoerner

Portfolio Manager

ARTUS Direct Invest AG

Foto: ARTUS DIRECT INVEST AG

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