Crowdinvesting – alternative Finanzierungsform & moderne Investmentoption

Dienstag, 16. August 2022


Noch vor wenigen Jahren war Crowdinvesting weitgehend unbekannt – heute ist es nicht nur eine beliebte Finanzierungsform für Unternehmen, sondern auch eine interessante Investment-Alternative oder Portfolio-Ergänzung für Privatanleger. Der Crowdinvesting-Markt wächst seit Jahren kontinuierlich und verzeichnete von 2012 bis 2020 in Deutschland eine jährliche Zunahme des Marktvolumens von ca. 68 % (nach CAGR). Dabei wurden durch die Crowd in den letzten zehn Jahren über 1,4 Mrd. Euro in Unternehmen, Umwelt- und Immobilienprojekte investiert. Kein Wunder, dass es inzwischen kaum eine Branche gibt, in welcher das alternative oder auch ergänzende Finanzierungsmodell nicht zum Einsatz kommt – von Startups über Wachstumsunternehmen und Immobilien bis hin zu Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien wird auf Crowdinvesting gesetzt.

„Wenn es um Geldanlagen und um Möglichkeiten der Kapitalaufnahme für Unternehmen geht, wird Crowdinvesting meiner Wahrnehmung nach jedoch immer noch unterschätzt. Gegenüber ETFs, Investmentfonds & Co. für Anleger und Venture Capital, Bankfinanzierungen etc. für Unternehmen wird es oft als Nische wahrgenommen – aber diese “Nische” ist mittlerweile ziemlich groß und erfreut sich wachsender Beliebtheit“, sagt Johannes Ranscht, Geschäftsführer des Crowdinvesting-Spezialisten OneCrowd, der die drei Crowdinvesting-Plattformen Seedmatch, Econeers und Mezzany betreibt.

Dennoch herrscht immer wieder Verwirrung über die Bedeutung des Begriffs. Ein Grund: Die Wenigsten wissen, dass Crowdinvesting eine Form des Crowdfundings ist, welche sich vor allem durch die Gegenleistung, die Investoren erhalten, von anderen Formen abgrenzt. Das rendite-orientierte Crowdfunding wird im deutschsprachigen Raum als „Crowdinvesting“ bezeichnet – international hat sich die äquivalente Bezeichnung „equity-based-Crowdfunding“ etabliert.

„Eine Idee – viele Unterstützer“ – Funktionsweise & Mehrwert des Crowdinvestings

Beim Crowdinvesting investieren viele private und institutionelle Anleger – die Crowd – gemeinsam in ein Unternehmen oder Projekt und haben die Chance auf attraktive Renditen. Bei der von Banken und Großinvestoren unabhängigen Finanzierungs-alternative ist es Anlegern möglich, sich schon mit kleinen Beträgen – meist ab 250 Euro bzw. 500 Euro – an Startups, Wachstumsunternehmen sowie Projekt-gesellschaften im Bereich Immobilien oder erneuerbare Energien zu beteiligen. Spezielle Plattformen treten dabei als Vermittler zwischen den Gründern oder Projektbetreibern und der Crowd auf, wickeln das Funding ab und bieten vollständig digitale Investmentprozesse an. In der Regel wird vorab eine Fundingschwelle – die Mindestsumme, die erreicht werden muss – und ein Fundinglimit festgelegt, das durch das Investment erreicht werden soll. Wird die Fundingschwelle nicht überschritten, erhalten alle Investoren automatisch ihr Geld zurück.

Bei der Gegenleistung für Investoren kann es sich je nach Investmentmodell um feste Zinszahlungen, erfolgsabhängige Bonuszahlungen oder eine Kombination aus beidem handeln. Auch der Turnus der Zinsauszahlungen sowie die Laufzeiten sind von der gewählten Investmentform abhängig.

Für Unternehmen ist Crowdinvesting dabei weit mehr als die bloße Akquise von frischem Kapital: Sie können ihre Geschäftsidee nicht nur tausenden von potenziellen Investoren vorstellen und somit direktes Feedback erhalten, sondern auch an Bekanntheit gewinnen und neue Kunden für sich begeistern.

Aber auch für private Anleger bringt die Finanzierungsform Vorteile: Investoren können nicht nur nach Branchen und Projekten suchen, die ihren Vorstellungen entsprechen und einen Beitrag zur Entwicklung der Wirtschaft, zum Umweltschutz etc. leisten, sondern je nach Projekt auch zwischen verschiedenen Investmentformen wählen. Neben Vermögensanlagen in Form von Nachrangdarlehen diversifizieren immer mehr Anbieter ihr Portfolio, indem sie Wertpapiere von Wachstumsunternehmen zeichnen. So teilte Econeers, eine Plattform für Crowdinvesting in grüne Projekte, im März dieses Jahres mit, dass man mit der Portfolioerweiterung um Aktieninvestments dem Wunsch vieler Anleger nachgekommen sei, tatsächliche Anteile an Unternehmen zu erwerben.

Spielregeln für‘s Crowdinvesting

Da die Beteiligung an einem Crowdinvesting für Anleger mit dem Risiko des Totalverlustes verbunden ist, spielen effektiver Verbraucherschutz sowie Transparenz in den Prozessen eine wichtige Rolle im Zuge der Professionalisierung der Finanzierungsform. So reguliert das Vermögensanlagengesetz Teile der Crowdinvesting-Szene. Für Wertpapier-Emissionen sind die gesetzlichen Grundlagen das Wertpapierhandelsgesetz und das Wertpapierprospektgesetz. Mit der Crowdfunding-Verordnung „ECSPR“ wurde im vergangenen Jahr zudem ein komplexes Gesetzeswerk auf europäischer Ebene geschaffen, das für eine europaweite Harmonisierung des Crowdinvesting-Markts sorgt

Nach aktueller Rechtslage können Unternehmen Crowdinvesting-Projekte bis zu einer Schwelle von sechs Millionen Euro prospektfrei emittieren und Anleger dürfen bis zu 25.000 Euro je Projekt investieren, wenn ihr monatliches Nettoeinkommen mindestens die Hälfte der gewünschten Investmentsumme beträgt oder sie ein frei verfügbares Vermögen von mindestens 100.000 Euro haben. Ab 1.000 Euro Investmentsumme ist aufgrund gesetzlicher Vorgaben eine einfache Selbstauskunft für Privatpersonen notwendig. Über 25.000 Euro pro Unternehmen können nur als juristische Person (Kapital- oder Personengesellschaft, z. B. AG, GmbH, KG) investiert werden. Um das Risiko zu streuen, ist es ratsam, sich ein individuelles Portfolio zusammenstellen, indem kleinere Summen auf mehrere Unternehmen verschiedener Branchen verteilt werden.

Nachhaltiges Investieren rückt in den Fokus

In vielen Lebensbereichen gerät das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus – so auch bei der Geldanlage. Ein wachsender Teil der Bevölkerung möchte Rendite und Nachhaltigkeit vereinen sowie ökologische und ethische Aspekte bei ihren Investments berücksichtigen. Eine Möglichkeit dafür bieten Crowdinvesting-Plattformen wie Econeers, auf denen sich jeder Nutzer sein individuelles Portfolio aus grünen Geldanlagen zusammenstellen und dabei Wert auf Verantwortung für Umwelt und Menschen legen kann.

Fränze Schönbrodt, One Crowd / Anleihen Finder Redaktion

Foto: pixabay.com

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