Zoff bei Zamek: Streit zwischen Zamek-Geschäftsführung und Vertreter der Anleihe-Gläubiger um Grundstücksverkauf – „Einen Produktionsbetrieb ohne Rechtssicherheit hinsichtlich Standort und Immobilie, wird kein Investor erwerben“

Dienstag, 17. Juni 2014

Bei der Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG streiten sich der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, Frank Günther, vom Finanzberater One Square Advisors und die Zamek-Geschäftsführung. Es geht um unterschiedlichen Sichtweisen zur Aufhebung der Eigenverwaltung und dem Rechtsstreit um die Düsseldorfer Betriebsimmobilie.

„Unterschiedliche Auffassungen“

Die Zamek befindet sich mittlerweile im Regelinsolvenzverfahren. Das Amtsgericht Düsseldorf hat die Eigenverwaltung aufgehoben. Aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen“ mit dem Vertreter der Anleihegläubiger, habe man die Entscheidung getroffen, die Eigenverwaltung zu beenden, heißt es in einer Mitteilung der Zamek GmbH &Co. KG.

Frank Günter: „Eigenverwalter der Hollding und der operativen Gesellschaften kommen aus derselben Kanzlei“

Der Vertreter der Anleihegläubiger, Rechtsanwalt Frank Günter, sieht das anders: „Die Eigenverwalter der Holding und der operativen Gesellschaften kommen aus derselben Kanzlei. Darin sehen wir einen Konflikt und haben bei Gericht die Beendigung der Eigenverwaltung beantragt. Dieser Gerichtsentscheidung ist Herr Rechtsanwalt Antoniadis zuvor gekommen und hat sein Amt niedergelegt. Damit haben wir sichergestellt, dass die Interessen der Anleihegläubiger in Zukunft im Rahmen eines geregelten Insolvenzverfahrens berücksichtigt werden.“

Nikolaos Antoniadis widerspricht dem Verteter der Anleihe-Gläubiger

Dem widerspricht Nikolaos Antoniadis, Geschäftsführer der Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG in der heute herausgegebenen Pressemitteilung: „Mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sollen die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um Zamek aus eigener Kraft erneut profitabel zu machen. Unser Ziel ist es, die bestmögliche Lösung für die Gesellschaften, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber natürlich auch für die Gläubiger zu finden. Der geforderte isolierte Grundstücksverkauf ist dabei gerade aus Sicht der Gläubiger weder erfolgversprechend noch zielführend. Zudem gefährden diese Überlegungen die Aussichten, den Produktionsstandort Düsseldorf zu sanieren und neu gestärkt zu veräußern. Damit werden gut 220 Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt ohne bessere Quotenerwartungen für die Anleihegläubiger zu schaffen. Die Anleihegläubiger haben jedoch mehrheitlich genau diese Strategie beschlossen. Dieses Vorgehen kann ich nicht mittragen. Daher habe ich die Aufhebung der Eigenverwaltung beantragt.“

Knackpunkt ist Betriebsimmobilie in Düsseldorf

Nikolaos Antoniadis spielt darauf an, dass die Anleihe-Gläubiger durch ihren gemeinsamen Vertreter Frank Günter den Verkauf der noch im Eigentum der Zamek-Holding befindlichen Betriebsimmobilie fordern. Die Zamek-Holding hält eine Veräußerung des Grundstücks allerdings für wenig sinnvoll und sieht die Sanierung der operativen Tochtergesellschaften dadurch in Gefahr. Die rechtliche Klärung dieser Angelegenheit dürften alle Beteiligte mit Spannung erwarten. Der Knackpunkt ist die Frage, wem die Betriebsimmobilie in Düsseldorf zusteht.

„Dazu gibt es unterschiedliche juristische Standpunkte. Die Immobilie wurde im Rahmen eines Zamek-internen Verkaufs von den operativen Gesellschaften an die Holding verkauft und dabei mit 13 Millionen Euro bewertet. Diesen Verkauf ficht der Sachwalter der operativen Gesellschaften an. Wenn er damit Erfolg hat, gehen die Anleihegläubiger leer aus. Dagegen wehren wir uns“, so der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, Frank Günther, vom Finanz-Restrukturierungsspezialisten One Square Advisors.

Niemand kauft einen Produktionsbetrieb ohne Rechtssicherheit“

Die Chance für die Anleger sieht Günther in der aktuellen Unattraktivität des Unternehmens für neue Käufer: „Seitens der operativen Gesellschaften läuft derzeit ein Verkaufsprozess für Zamek. Dabei soll die gesamte Firma an einen Investor verkauft werden. Einen Produktionsbetrieb ohne Rechtssicherheit hinsichtlich Standort und Immobilie, wird kein Investor erwerben. Hier liegt unser Verhandlungshebel“, so Frank Günther.

Anleihegläubiger haben nur Ansprüche bei der Holding

Ob die Anleihegläubiger ihr Geld zurückbekommen werden, ist also weiterhin offen. Zudem ist nicht ersichtlich, wo die Gelder der Anleihe geblieben sind. Der Verbleib der Anleihegelder in Höhe von 45 Millionen Euro ist bislang ungeklärt. Wir kämpfen für die Rechte der Anleihegläubiger, die uns auf der Gläubigerversammlung mit 99,99 Prozent unterstützt haben. Die Anleihe wurde von der Holding begeben, nur hier haben die Anleihegläubiger Ansprüche.“

Anleihen Finder Redaktion. Timm Henecker.

Foto: Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG

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Anleihe der Günther Zamek GmbH & Co. KG 2012/2017

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