Zamek GmbH & Co. KG: „Einen Produktionsbetrieb ohne Rechtssicherheit hinsichtlich Standort und Immobilie, wird kein Investor erwerben. Hier liegt unser Verhandlungshebel.“ – Frank Günther, gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger, zur aktuellen Situation bei Zamek

Freitag, 13. Juni 2014 Lesezeit: 3 Minuten

Die Lage beim angeschlagenen Suppen- und Brühwürfelhersteller Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG bleibt weiterhin angespannt. Am 30. Mai wurde auf der Anleihegläubigerversammlung, die aufgrund der Terminierung an einem Brückentags-Freitag für reichlich Irritationen sorgte, Frank Günther vom Finanzberater One Square Advisors zum gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger bestellt. Die Anleihen Finder Redaktion hat sich bei dem Finanzexperten über die Möglichkeiten der Anleger und seine Strategie erkundigt.

Niemand kauft einen Produktionsbetrieb ohne Rechtssicherheit

Die Chance für die Anleger sieht der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger in der aktuellen Unattraktivität des Unternehmens für neue Käufer: „Seitens der operativen Gesellschaften läuft derzeit ein Verkaufsprozess für Zamek. Dabei soll die gesamte Firma an einen Investor verkauft werden. Einen Produktionsbetrieb ohne Rechtssicherheit hinsichtlich Standort und Immobilie, wird kein Investor erwerben. Hier liegt unser Verhandlungshebel“, so Frank Günther.

Anleihegläubiger haben nur Ansprüche bei der Holding

Die Zamek Gruppe besteht aus einer Holding und mehreren operativen Gesellschaften, die sich alle in der Insolvenz befinden. Die Eigentümerfamilie hatte für die Holding und die operativen Gesellschaften zwei Rechtsanwälte als Geschäftsführer bestellt, die die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hatten. Frank Günter dazu: „Die Anleihe wurde von der Holding begeben, nur hier haben die Anleihegläubiger Ansprüche. Die Eigenverwalter der Holding und der operativen Gesellschaften kommen aus derselben Kanzlei. Darin sehen wir einen Konflikt und haben bei Gericht die Beendigung der Eigenverwaltung beantragt. Dieser Gerichtsentscheidung ist Herr Rechtsanwalt Antoniadis zuvor gekommen und hat sein Amt niedergelegt. Damit haben wir sichergestellt, dass die Interessen der Anleihegläubiger in Zukunft im Rahmen eines geregelten Insolvenzverfahrens berücksichtigt werden.“

Verbleib der Anleihegelder unklar

Ob die Anleihegläubiger ihr Geld zurückbekommen werden, ist weiterhin offen. Zudem ist nicht ersichtlich, wo die Gelder der Anleihe geblieben sind. Frank Günther: Der Verbleib der Anleihegelder in Höhe von 45 Millionen Euro ist bislang ungeklärt. Die Holding, die die Anleihe emittiert hat, hat die Gelder an die operativen Gesellschaften weitergereicht und verfügt selbst nur über die Betriebsimmobilie in Düsseldorf. Ob diese Immobilie den Anleihegläubigern zusteht, ist zudem umstritten. Der Sachverwalter der operativen Gesellschaften fordert die Immobilie für seine Gläubiger – hier werden die Gerichte zu entscheiden haben. Wir kämpfen für die Rechte der Anleihegläubiger, die uns auf der Gläubigerversammlung mit 99,99 Prozent unterstützt haben.“

Knackpunkt ist Betriebsimmobilie in Düsseldorf

„Der Knackpunkt ist die Frage, wem die Betriebsimmobilie in Düsseldorf zusteht. Dazu gibt es unterschiedliche juristische Standpunkte. Die Immobilie wurde im Rahmen eines Zamek internen Verkaufs von den operativen Gesellschaften an die Holding verkauft und dabei mit 13 Millionen Euro bewertet. Diesen Verkauf ficht der Sachverwalter der operativen Gesellschaften an. Wenn er damit Erfolg hat, gehen die Anleihegläubiger leer aus. Dagegen wehren wir uns“, so der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, Frank Günther, vom Finanz-Restrukturierungsspezialisten One Square Advisors.

Anleihen Finder Redaktion. Timm Henecker.

Foto: Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG

Anleihen Finder Datenbank

Anleihe der Günther Zamek GmbH & Co. KG 2012/2017

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