Windreich-Chef Will Balz: „Für mich sind Anleihen auch weiterhin ein Thema“

Freitag, 9. November 2012

 3. Interview-Teil mit dem Windreich-Chef: Global Tech I, „ehrliche Naturstromanbieter und Sippenhaft“

Lesen Sie im dritten und letzten Teil des Anleihen Finder-Interviews mit Willi Balz, dem Gründer und Alleinaktionär der Windreich AG (Foto), über seine Sicht auf die Anleihen-Kurse und die Option Anleihen-Rückkauf.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Botschaften möchte die Windreich AG angesichts der angespannten Finanzlage des Unternehmens an ihre Anleihe-Gläubiger senden?

Willi Balz: Wir haben die Anleihe emittiert, um unsere Projektpipeline zu vergrößern. Das haben wir sehr umfangreich, aber nachweislich auch sehr erfolgreich getan. Die Laufzeiten der Anleihen sind länger als die Durchlaufzeiten unserer Projekte, in die wir investieren, so dass wir erhebliche Gewinne rechtzeitig bis zur Fälligkeit der Anleihen realisieren werden.

Anleihen Finder Redaktion: Wie möchten Sie Ihre Unternehmensfinanzierung in ruhigere Gewässer manövrieren?

Willi Balz: Ich würde unsere Unternehmensfinanzierung nicht als unruhig bezeichnen. Wir haben den Schwerpunkt auf starkes Wachstum gelegt. Das war unser Ziel und hier sind wir genau im Plan. Ich habe immer gesagt, dass es zum Jahresende 2012 die ersten größeren Verkäufe gibt. Und das haben wir jetzt mit Deutsche Bucht früher als gedacht und fast drei Jahre vor Fälligkeit der ersten Anleihe, mit einem Zufluss von ca. 100 Mio. Euro, bewiesen – obwohl Deutsche Bucht mit 210 MW „nur“ ein halbes Offshore-Projekt ist. Die Kernbotschaft ist, dass wir solche lukrativen Geschäfte jedes Jahr aufs Neue wiederholen können und wiederholen werden. Alle erforderlichen Komponenten existieren, angefangen von der Projektpipeline über unser perfektes Team, der Managementkompetenz und dem besten Track Record in der deutschen Nordsee.

Bei Global Tech werden wir weitere Verkäufe vornehmen. Allein in den vorhandenen Global Tech I GmbH-Anteilen sind über 150 Millionen Euro Liquidität gebunden. Nach der gestern vom Handelsblatt veröffentlichten Nachricht, dass Global Tech I früher als geplant ans Netz kann, bieten wir nun weltweit erstmalig Privatinvestoren die Möglichkeit, sich ab 250.000 Euro an dem mehrfach preisgekrönten und für den Investor alle Risiken vermeidenden Nordsee-Offshore-Windpark Global Tech I direkt zu beteiligen. Es ist mit einer Eigenkapitalrendite von ca. 10% zu rechnen. Weitere Informationen unter: http://www.windreich.ag/GT1.pdf

Anleihen Finder Redaktion: Welchen Einfluss hätten Änderungen der Einspeisevergütung auf Ihr Geschäft?

Willi Balz: Praktisch keine. Wir verkaufen den Strom aus Onshore-Anlagen außerhalb der EEG-Vergütung heute schon besser. Die jüngsten EEG-Novellen ziehen hohe Kürzungen für die Photovoltaik nach sich. Aber die Bedingungen für Wind und Wasser waren und sind zu recht mindestens konstant – wenn nicht sogar verbessert. Hinzu kommt, dass das politische Risiko null ist. Alle Parteien stehen hinter der Energiewende und die ist nur mit Offshore möglich. Und im Offshore-Markt sind wir mit weitem Abstand führend.

Beim Energiegipfel in Berlin zwischen den Vertretern der Bundesländer und der Bundesregierung wurde gerade diese Woche ein klares Bekenntnis zum Ausbau der Offshore-Windenergie formuliert.

Im Übrigen wäre es doch völlig undenkbar gewesen, bei unserem ersten Projekt Global Tech die Projektfinanzierung mit 1,047 Mrd. Euro auf die Beine zu stellen, wenn wir keine Einspeisesicherheit gehabt hätten. 16 weltweit renommierte Banken haben sich an der Finanzierung beteiligt. Wenn da irgendjemand Zweifel am EEG gehabt hätte, wäre die bislang weltweit größte Projektfinanzierung im Bereich der erneuerbaren Energien nicht gelungen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie funktioniert das, dass Sie den Strom teurer verkaufen als die Einspeisevergütung? Wer kauft den Strom für den teureren Preis?

Willi Balz: Die ehrlichen Naturstromanbieter. Es ist leicht möglich, an einen Händler, der mit grünem Strom handelt, zu Preisen zu verkaufen, die über EEG-Niveau liegen. Es ist aber auch möglich, wieder ins EEG zurückzufallen. Das kann man je nach Lage anpassen. Bitte vergessen Sie nicht, dass die Preise, die der Endverbraucher zahlt, weit über den EEG-Vergütungen für Windstrom liegen.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Projekte stehen bei Windreich demnächst an und welche sind in der langfristigen Planung?

Willi Balz: Allein die genehmigten Projekte reichen schon bis ins Jahr 2016. Wir haben danach eine Pipeline mit 22 sauber hintereinander getakteten Projekten mit allen Zutaten wie zum Beispiel Baugenehmigungen, Netzanbindung, Errichtungsschiffe, Umspannwerke und Windkraftanlagen, also Projektsicherheit für 20 Jahre.

Unser Ziel ist es, die Projekte möglichst spät und idealerweise nicht vollständig zu verkaufen, so dass wir künftig immer höhere Erlöse aus Stromeinnahmen haben. Allein die Beteiligung am Projekt Global Tech würde uns – im Falle des Nichtverkaufs – heute einen Brutto-Stromerlös von über 50 Millionen Euro pro Jahr und damit langfristige und konstante Zuflüsse bescheren. Und schon im nächsten Jahr wird Global Tech Strom produzieren. Der Gesamt-Stromertrag aus einem 400-MW-Offshorepark beträgt ca. 330 Mio. Euro jährlich!

Anleihen Finder Redaktion: Wir hören heraus, dass Sie sich von vielen Finanz- und Wirtschaftsjournalisten nicht gerecht behandelt fühlen. Daraus ergibt sich die Frage, ob das Anleihen-Thema für Sie gestorben ist. Oder gedenken Sie auch in Zukunft, Anleihen zu begeben?

Willi Balz: Nein, so schnell gebe ich nicht auf, das Anleihen-Thema ist überhaupt nicht gestorben. Ich glaube fest daran, dass die Finanzmärkte bald die Sinnhaftigkeit unseres Handelns für künftige Generationen und die Werthaltigkeit unseres Geschäftsmodells heute erkennen werden. Wir konnten durch die begebenen Anleihen die Marktführerschaft erreichen. Das hätten wir zu der Zeit mit unserer Bankenstruktur – überwiegend Volksbanken und Sparkassen – in diesem Ausmaß nicht geschafft. Also für mich sind die Anleihen auch weiterhin ein Thema.

Mich schmerzt es aber, wenn ich mir die Kurse anschaue, und die Windreich AG häufig auch in eine Art Sippenhaft mit Photovoltaik, Rückschlägen von unfähigen Marktteilnehmern usw. genommen wird. Also wie gesagt, für mich sind Anleihen auch künftig ein Thema. Ich hinterfrage aber kritisch, in welchem Bereich wir uns noch verbessern können. Ich sehe immer noch Probleme bei unserer Finanzmarktkommunikation. Mit Sicherheit aber nicht in unserer unternehmerischen Tätigkeit. Die Lage im Bereich Energiewende und Offshore-Industrie ist, insbesondere bei der Windreich AG, erheblich besser als die Stimmung.

Anleihen Finder Redaktion: Auf jeden Fall positiv auswirken wird sich eine reibungslose Rückzahlung der ersten Anleihe, wenn die Rückzahlung ansteht und sie wie die Zinszahlungen reibungslos abläuft.

Willi Balz: Ja, das sind Fakten. Wie ich immer wieder gehört habe, hat man uns pünktliche Zinszahlungen kaum zugetraut. Aber allein von den Verkaufserlösen unserer Global Tech-Anteile könnten wir unsere Anleihen vorzeitig komplett zurückzahlen. Da schmerzt es schon, dass die Finanzwelt nicht sieht, welche immensen Werte hier geschaffen wurden. Der Marktwert der Windreich AG ist die Summe aller Projektwerte und liegt demzufolge in Milliardenhöhe. Im für CO2-freie Stromerzeugung interessantesten Meer der Welt haben wir 35 Prozent-Marktanteil. Die Eon hat 3,5 Prozent.

Anleihen Finder Redaktion: Jetzt könnte man überlegen, wenn Sie viel Liquidität zur Verfügung haben und die Anleihe nun gerade deutlich unter hundert notiert, ob das eine Möglichkeit wäre, einige Anleihen selbst zurückzukaufen, was deutlich günstiger für Sie werden könnte.

Willi Balz: Ja, wir lassen uns hierzu aktuell beraten, um einen für alle Beteiligten fairen Weg zu finden. Das ist natürlich naheliegend. Eindeutig dagegen spricht jedoch, dass wir mit unseren Projektentwicklungen deutlich höhere Renditen erzielen!

Anleihen Finder Redaktion: Herr Balz, vielen Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion

Fotos: Windreich AG

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