Willi Balz: Finanzmärkte sollten sich mit Fakten beschäftigen, nicht mit dem Inhalt meiner Garage

Donnerstag, 8. November 2012


Lesen Sie heute im zweiten Teil des Anleihen Finder-Interviews mit Willi Balz (Foto unten), dem Gründer und Alleinaktionär der Windreich AG, über Kritik von Finanzmarkt-Akteuren an Willi Balz, die „Adrian Neweys“, seine privaten Sicherheiten und über den Schuldenstand der Windreich AG:

Anleihen Finder Redaktion: Die Redaktion des Anleger-Magazins Börse online empfiehlt, die Windreich-Anleihe 2011/2016 (WKN A1H3V3) zu verkaufen. In einem Anlagecheck von 54 Mittelstandsanleihen kommentiert die Börse online-Redaktion die Windreich-Anleihe 2011/2016 lapidar mit zwei Wörtern: „nicht kapitalmarktfähig“. Wie kommentieren Sie diese Etikettierung? – Und  Heinz Steffen, Gründer der Analysegesellschaft Fairesearch, bezweifelt in einem Interview mit Börse online-Journalisten die Kapitalmarktreife des Windreich-Managements. Er führt als Argument an, dass „trotz der angespannten Liquiditätslage des Unternehmens immer noch Oldtimer sowie hohe Forderungen gegenüber Hauptgesellschaftern im Anlagevermögen seien“. Heinz Steffen fordert eine „strikte Trennung“ zwischen privaten und geschäftlichen Interessen. Können Sie seine Kritik und seine Forderung nachvollziehen?

Willi Balz: Offshore-Windenergie ist der tragende Stützpfeiler der Energiewende. Hier entsteht jetzt eine völlig neue Industrie mit gigantischem Zukunftspotenzial. Es gibt keinen Markt mit besseren und sichereren Wachstumsperspektiven. Und hier ist Windreich uneingeschränkt Marktführer. Im Gegensatz zu anderen großen Marktteilnehmern schaffen wir es, durch frühzeitiges Kümmern, unsere Projekte mit Genehmigung und Netzanbindung planmäßig umzusetzen. Das sind Fakten. Warum also unsere Anleihe verkaufen, was soll daran nicht kapitalmarktfähig sein. Das Marktumfeld? Die Marktposition? Der Track-Record? Oder das Management? Wir haben mit Heiko Roß (Ex-Geschäftsführer unseres stärksten Konkurrenten BARD Holding), Tim Kittelhake (Vater des Projekts Global Tech I), Anil Srivastava (Ex-CEO von AREVA Renewables, Gründer der AREVA Werke in Bremerhaven) quasi die „Adrian Neweys“, also die besten Köpfe, der Offshore Windbranche im Team. Mit diesen Tatsachen sollten sich die Finanzmärkte beschäftigen, nicht mit dem Inhalt meiner Garage.

Ich kenne Herrn Steffen und den Artikel nicht. Ich würde aber gerne das Gespräch mit ihm suchen. Zu den Vorwürfen: Ich habe schon vor längerer Zeit erkannt, dass die Finanzmärkte clevere Investitionen in Sachwerte wie historische Rennwagen nicht schätzen. Wir haben die Fahrzeuge vor drei Jahren aus den Bilanzen entnommen. Ich finde es unfair, wenn man mir einen Fehler, den ich vor drei Jahren bereinigt habe, heute noch vorwirft. Damals wurde auch die Lüge verbreitet, dass erhebliche Teile der Anleihe-Erlöse in Oldtimer investiert wurden. Dabei gab es die Oldtimer schon lange vor den Anleihen.

Auch das Argument „strikte Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Interessen“ ist für unsere geschätzten Anleihezeichner und den geschäftlichen Erfolg der Windreich AG kontraproduktiv. Denn meine privaten und geschäftlichen Interessen sind völlig identisch. Ich bin der einzige Aktionär der Windreich AG. Was spricht dagegen, meine privaten Sicherheiten von zur Stunde über 200 Millionen Euro für meine Vision zur Verfügung stellen, die Energiewende wie geplant mit Hilfe der Nordsee-Offshore-Windparks umzusetzen?

An einer Stelle ist die Kritik allerdings berechtigt, wenn das Gesellschafterdarlehen gemeint ist. Hier habe ich vor langer Zeit, nämlich im Jahr 2007, von einem damaligen Geschäftspartner, der Theolia S.A., privat erhebliche Volumen Onshore-Windparks gekauft. Daraus resultieren die Gesellschafterdarlehen. Diese Darlehen wollen wir aber noch in diesem Jahr ausgleichen.

Anleihen Finder Redaktion: In einem Bericht der Fachjournalisten von e21.info heißt es in Bezug auf den Halbjahresbericht der Windreich AG schlagzeilenwirksam, dass „Windreich eine halbe Milliarde Schulden anhäuft“. Im e21.info-Bericht heißt es wörtlich: „Der Schuldenberg des Projektierers wuchs zum 30. Juni auf knapp 480 Mio. Euro an.“ Und weiter: Unternehmensgründer und Vorstandschef Willi Balz suche dringend nach Geldgebern. Es ginge vor allem um Kredite von Banken und staatliche Bürgschaften. Inwiefern können Sie diese Darstellung der Finanzlage und der Aktivitäten der Windreich AG bestätigen?

Willi Balz: Der Betrag ist zu hoch und stimmte so nicht. Durch den Geschäftsabschluss Deutsche Bucht konnten wir die Verbindlichkeiten in erheblichem Maße reduzieren.  Um Bürgschaften bemühen wir uns im Rahmen der Projektfinanzierung MEG 1.

In unserer Projektpipeline sind zurzeit 22 vorfinanzierte Projekte in Arbeit. Da fließen uns jeden Monat mehrere Millionen ab, um die Projekte im Zeitplan zu halten. Aber auf der anderen Seite haben wir uns so für die nächsten sechzehn Jahre Flächen gesichert und damit 35 Prozent Marktanteil in der Nordsee. Dafür haben wir bewusst eine knappe Liquidität in Kauf genommen. Beides gleichzeitig geht nicht.

Wir werden mit den Erlösen aus dem Geschäft Deutsche Bucht unsere Projektpipeline nicht noch weiter ausbauen, sondern konsequent Verbindlichkeiten zurückzuführen. Sie werden in unserer Bilanz zum Jahresende Reduktionen der Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe finden.

Durch diese Projektpipeline können wir so ein Geschäft wie Deutsche Bucht jährlich mindestens einmal wiederholen. Außerdem war Deutsche Bucht ja ein Projekt mit nur 210 Megawatt, also quasi ein halber Windpark. Unsere künftigen Projekte haben 400 und teilweise 500 Megawatt. Dadurch logischerweise auch die doppelten Erlöse.

Anleihen Finder Redaktion: Die 480 Millionen Euro stimmen nicht. Aber welche Zahl stimmt denn?

Willi Balz: Die richtige Zahl ist 330 Millionen Euro externe Verbindlichkeiten.

Die Verbindlichkeiten sind in den letzten Jahren gewachsen, weil wir einige Projekte parallel vorangetrieben haben. Wir wollten für Verkäufe den richtigen Zeitpunkt abwarten. Hätten wir zum Beispiel vor der Katastrophe in Fukushima verkauft, hätten wir nicht so hohe Erlöse erhalten. Hätten wir Global Tech-Anteile vor dem pünktlichen Baubeginn verkauft, wäre der Wertzuwachs geringer gewesen. Und hätte ich Deutsche Bucht vor der Einigung mit der TenneT verkauft, hätte ich aufgrund der noch nicht so weit fortgeschrittenen Projektreife einen geringeren Erlös erhalten.

Lesen Sie im dritten und letzten Teil des großen dreiteiligen Anleihen Finder-Interviews mit Willi Balz:

Warum es für Willi Balz wichtig ist, wo die Windreich-Anleihen am Ende der Laufzeit stehen, warum Anleihen für ihn sehr wohl ein Thema für die Zukunft sind und welche Fehler er im eigenen Haus erkennt.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Windreich AG

1. Willi Balz: Es liegt nahe, eigene Anleihen zurückzukaufen

3. Interview- Teil, Windreich-Chef Will Balz: “Für mich sind Anleihen auch weiterhin ein Thema”

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