Wie man gutes Geld mit Mittelstandsanleihen verdient – oder welche Argumente zu einer ausgewogenen Kritik des Handelsblattes gehören würden

Dienstag, 9. September 2014


In der vorletzten Woche feuerte das Handelsblatt im Stile einer Boulevardzeitung aus vollem Rohr gegen Mittelstandsanleihen. Gestützt auf die Zitate von Deutschlands meistzitiertem Anleger-Anwalt Klaus Nieding hieß es sogar, dass der deutsche Mittelstand in Gefahr sei und die Anlageform Anleihe gleich dazu. Starker Tobak –  Hut ab! Das sorgt für Klicks und Auflage.

Doch trotz des medialen Schlagzeilen-Getöses schafft es das Handelsblatt, ein zwar nicht neues, aber zutreffendes Argument gegen Mittelstandsanleihen anzuführen: die verhältnismäßig vielen Ausfälle am Markt für Mittelstandsanleihen.

„Die Kritik am Markt für Mittelstandsanleihen ist durchaus berechtigt, allerdings ramponiert damit der deutsche Mittelstand mitnichten sein Image, wenn überhaupt ramponieren einzelne Emittenten und betreuende Banken und einzelne Ratingagenturen ihr Image“, erwidert Andreas Wegerich, youmex-Vorstand und einer der Top-Manager auf dem Markt der Mittelstandsanleihen.

„In manchen Fällen kriminelle Energie“

„Die Gesamtaussage des Handelsblatt-Artikels, dass 15 Unternehmen in Schwierigkeiten geraten sind, ist nicht heranziehbar, weil mit den Erneuerbaren Energien fasst eine ganze Branche weggefallen ist. Zudem kann man nie ausschließen, dass bei manchen Fällen kriminelle Energie dabei war“, erklärt Marius Hoerner, Portfolio Manager bei  ARTUS Asset Management AG.

Wer sind die Top Performer auf Markt der Mittelstandsdanleihen?

Die Anleihen Finder Redaktion wollte es genauer wissen und fragte zuerst bei Menschen nach, die wie die Anleihen Finder GmbH einen Teil ihres Geldes am Markt für Mittelstandsanleihen verdienen. „Bei aller berechtigter Kritik der Finanzpresse, welche konkreten Argumente sprechen denn überhaupt noch für den Markt der Mittelstandsanleihen? Wie kann man mit Mittelstandsanleihen gutes Geld verdienen und nicht zuletzt: Welche Mittelstandsanleihen sehen Sie als Top-Performer, die offensichtlich nicht zu den Pleitekandidaten gehören?“

Andreas Wegerich findet die Frage nach Top-Performern schwierig: „Top Performer vermag ich nicht zu benennen, da aufgrund der dünnen Umsätze die Pricings im Markt unstimmig sind. Die guten Titel sind zum großen Teil überbewertet und werfen damit zu geringe Renditen ab. Der Zweitmarkt scheint eher etwas für Profis zu sein als für die Masse der Anleger! Die jüngste Vergangenheit hat – trotz der großen Kritikwelle – gezeigt, dass fair gepreiste, solide geratete Unternehmen sehr erfolgreich an den Markt gehen können. Mit Bastei Lübbe, Alfmeier, Vedes und Beate Uhse haben wir sehr schöne Beispiele aus unterschiedlichen Branchen.

Oft genannt: Alfmeier-Anleihe

Die im Entry Standard der Börse Frankfurt notierte Alfmeier-Anleihe (WKN A1X3MA /ISIN DE000A1X3MA5) gehört auch bei Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, zu den guten Adressen: „Die Vergangenheit gibt mehrere Beispiele dafür, dass mittelständischen Unternehmen eine Etablierung auf den Kapitalmarkt erfolgreich gelungen ist. Kuka, Dürr oder Nabaltec sind nur einige Beispiele. Diese Adressen nutzen bereits andere Marktsegmente und können sich die benötigten Finanzierungsmittel zu niedrigeren Zinsen über den Kapitalmarkt beschaffen. Weitere Unternehmen wie z.B. Alfmeier, German Pellets, Grand City Property, KTG-Energie, MetalCorp oder Uniwheels können auf der Grundlage ihrer derzeit erfolgreichen Entwicklung folgen.“

Und Alfmeier zum dritten – Marius Hoerner von ARTUS Asset Management AG nennt ebenfalls die Alfmeier-Anleihe: „Top-Performer aus drei verschiedenen Branchen sind Bastei Lübbe, Adler Real Estate AG und Alfmeier.“

„Erfolgreiche Kandidaten sind aus unserer Sicht bspw. die Adler Real Estate, die von einem günstigen Marktumfeld bei Wohnimmobilien und darüber hinaus von dem derzeitigen Niedrigzinsumfeld profitiert. Auch Restrukturierungskandidaten wie Beate Uhse oder die österreichische Porr sind erfolgsversprechend. Unternehmen wie Bioenergie Taufkirchen oder BDT Media sind solide aufgestellt und haben gute Zukunftsaussichten“, sagt Manuela Tränkel, die seit 2004 ein Family Office von München aus betreut.

Die Anleihen von Wöhrl und Scholz stehen für Dr. Konrad Bösl, Vorstand der Blättchen & Partner AG, oben auf der Liste. Bösl verrät zudem, wie er Emittenten nach Branchen sortiert: „Vorausgeschickt sei, dass Top-Performer nicht jene Anleihen mit hoher Effektivverzinsung sind, sondern jene, deren Effektivverzinsung tendenziell moderat ist. Entscheidend ist, dass die Unternehmen in der Lage sein werden, die Anleihe pünktlich zu tilgen. Nach dem Ausschlussverfahren wäre ich bei allen Emittenten aus dem Bereich Erneuerbare Energien, aber auch mittelfristig für die Automotive-Branche zurückhaltend. Letztere aufgrund ihrer Konjunkturzyklizität. Auch mit der Bekleidungsindustrie fühle ich mich aufgrund des scharfen internationalen Wettbewerbs nicht wohl, mit Ausnahme der Anleihe von Wöhrl. Diese zählt zu meinen Favoriten. Daneben halte ich derzeit die Anleihe der Scholz AG nach erfolgter Restrukturierung und den Einstieg eines kapitalkräftigen Investors für kaufenswert.“

Welche Chancen haben Privatanleger?

Man darf annehmen, dass die befragten Investment-Profis wissen, was sie tun. Aber welche Chance hat der Privatanleger, einen Top-Performer von einem Pleite-Kandidaten zu unterscheiden? Also: Wie kann man als Nicht-Anlageprofi gutes Geld mit Mittelstandsanleihen verdienen? Dr. Konrad Bösl gibt Tipps für Privatanleger, die in Einzelwerte investieren wollen: „Mit den so genannten Mittelstandsanleihen kann man nur dann gutes Geld verdienen, wenn man sein Investment auf wenige Anleihen konzentriert. Wie bei jedem Investment muss man das Investitionsobjekt verstehen, im Vergleich mit anderen Unternehmen kritisch analysieren und bewerten und auch in der Zeit nach dem Investment regelmäßig die Unternehmensentwicklung verfolgen. Die Konzentration ist insbesondere bei Privatanlegern entscheidend, da ihr Informationszugang und ihre Informationsverarbeitungskapazität begrenzt sind. Sicherlich braucht es auch eine Verhaltensänderung bei den privaten und Semi-Institutionellen Investoren, in dem man lernt, auch auf schwache Signale zu achten und sich von einer Anleihe besser früher – auch unter Akzeptanz eines Verlustes – zu trennen als zu spät.“

Hans-Jürgen Friedrich von der KFM Deutsche Mittelstand AG, die den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds initiiert hat, setzt selbstverständlich auf die Fondslösung: „Wir beobachten, dass die Möglichkeiten eines direkten Investments für private Anleger zum Emissionszeitpunkt rückläufig sind. Die Angebote werden zunehmend institutionellen Anlegern zugänglich gemacht. Diese Entwicklung trägt ebenfalls zu einer Professionalisierung des Mittelstandsanleihenmarktes bei. Private Anleger haben aber die Möglichkeit, nach erfolgreichem Abschluss einer Emission die Anleihen über die Börse zu erwerben. Anleger, die die Qualität der Anleihe nicht beurteilen können, haben die Möglichkeit einen Fonds zu nutzen. Anstatt das Risiko eines Einzelinvestments einzugehen, besteht hier die Möglichkeit, in ein Bündel von sorgfältig ausgewählten Mittelstandsanleihen zu investieren und von den besseren Zinssätzen zu profitieren.“

Schließlich weist Manuela Tränkel noch auf die wichtigste Frage hin, die sich Anleihe-Gläubiger stellen sollten: Kann die Emittentin ihre Anleihe plus Zinsen problemlos zurückzahlen? „Strategische Ausrichtung des Unternehmens, Wachstumsperspektiven und  Cash-Flows sind entscheidend, um mit frischem Kapital nicht nur den Zinskupon zu erwirtschaften, sondern den Unternehmenswert langfristig zu steigern. Wenn bereits von Anfang an nicht erkennbar ist, wie bei einem hohen Leverage ein Zinskupon erwirtschaftet werden kann oder ein Geschäftsmodell nicht überzeugend ist, liegt ein Misserfolg wohl eher am Geschäftsmodell als an der Finanzierungsform über eine Anleiheemission.“

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Christoph Morisse. Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Steven Ritzer/flickr

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