Der Weg zur Mittelstandsanleihen-Meisterschaft – Der Markt könnte von qualitativ besseren Mittelstandsanleihen und einer neuen Klasse von Investoren profitieren

Donnerstag, 3. Juli 2014


Immerhin zwei Treffer gegen Algerien und zwei auf dem Mittelstandsanleihen-Markt: Die Zeichnungsfrist der Beate Uhse-Unternehmensanleihe hatte am Montag kaum begonnen, da war sie auch schon zu Ende: Mehrfache Überzeichnung, 30 Millionen Euro platziert. Tolles Tor, Volley-Schuss unhaltbar rechts oben in den Winkel.

Der zweite Treffer gelang der UBM Realitätentwicklung AG. Schon vor dem Wochenende kam die Meldung: Bereits 55 Millionen Euro eingesammelt. Hinzu kamen mehr als 70 Millionen Euro, die im Rahmen eines Umtauschangebots platziert wurden. Am Ende setzte die UBM noch in der Nachspielzeit einen drauf: Aufgrund hoher Nachfrage zog die UBM-Mannschaft eine Zehn-Millionen-Aufstockungsoption. Spielstand nach der Verlängerung: 71,1 Millionen Euro aus dem Umtauschangebot plus 88,9 Millionen Euro im Rahmen des öffentlichen Angebots vom 25. Juni bis 2. Juli 2014 plus. Macht unterm Strich: 160 Millionen Euro, die die UBM bei institutionellen und privaten Investoren verwandeln konnte. Das Trainerteam kam von der IKB Deutsche Industriebank und der Raiffeisen Bank International, die die Emission als Joint Lead Manager fit machten.

Die Treffer von Beate Uhse und der der UBM sind Zeichen für die aufsteigende Form der Mittelstandsanleihen-Mannschaft. Aber der Weg bis zur Meisterschaft ist noch weit.

Beate Uhse gut trainiert

Marktinsider sind sich einig, dass besonders die Emission der Beate Uhse AG einen Trend markiert, der seit der Veröffentlichung des Best Practice Guide der Börse Frankfurt anhält: Banken, Börsen und Emissionsbegleiter bemühen sich um mehr messbare Qualität. So wurde das Beate Uhse-Emissions-Team vor dem Eröffnungsspiel offensichtlich gut trainiert und trat dann selbstbewusst auf dem Spielfeld an. Schon in der Mitteilung an die Presse vor der Emission trommelte Serge van der Hooft, Spielführer der Beate Uhse Aktiengesellschaft: „Während des Ausgestaltungsprozesses der Anleihe haben wir uns strikt an den Vorgaben des Best Practice Guides für Mittelstandsanleihen der Deutschen Börse orientiert. Hier konnten wir alle qualitativen Anforderungen erfüllen und weisen bei einigen Kennzahlen einen weit besseren Faktor aus als gefordert. Besonders stark ist beispielsweise unsere EBITDA/Interest Coverage, die auch nach Emission der Anleihe noch weit über dem Mindestwert liegen wird.“ Es ist kein Geheimnis, dass die Beate Uhse-Emissions-Stürmer vom Spielüberblick ihres Bookrunners, der youmex AG, profitieren. Man hört, dass die youmex AG-Spielmacher ihre Erfahrungen und Wünsche schon beim beim Entstehungsprozess des Best Practice Guide der Börse Frankfurt via Arbeitsgruppen erfolgreich eingebracht haben.

„Eine neue Klasse von Investoren“

Karl Filbert, Head of Sales Close Brothers Seydler Bank AG, zieht ein erstes Fazit der ersten Halbzeit 2014:  „Wir haben in diesem Jahr ein gutes Dutzend Neuemissionen von Mittelstandsanleihen gesehen, darunter einige Privatplatzierungen an institutionelle Investoren. Der Großteil dieser neuen Anleihen zeichnet sich durch gute Sicherheiten, hohe Transparenz, klare Strukturierung und angemessene Renditen aus. Gleichzeitig sehen wir eine neue Klasse von Investoren am Markt, die solche Eigenschaften von Anleihen auch aktiv bei den Emittenten einfordern. Der Markt unterzieht sich derzeit also einem Wandel, den wir als sehr positiv einschätzen.

Durch diesen Wandel wird es für einige Emittenten schwieriger, Anleihen zu platzieren, zumindest müssen bestimmte Risiken mit teilweise deutlich höheren Zinsen abgegolten werden. Unser Eindruck ist aber, dass die Emittenten im Großen und Ganzen die neuen Gegebenheiten akzeptieren und sich auf die Anforderungen der Investoren einstellen“, fasst Karl Filbert  im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion zusammen.

Noch eine Neuemission vor der Sommerpause?

Könne das Mittelstandsanleihen-Team nach der rumpeligen, durchwachsenden ersten Halbzeit also in der zweiten Halbzeit 2014 punkten und einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft gehen? Noch scheint die erste Halbzeit nicht abgepfiffen worden zu sein. Vor der Sommerpause soll noch ein Emittent einer Mittelstandsanleihe versuchen, in die nächste Runde zu kommen, behaupten mehrere Marktkenner unabhängig voneinander.

Richtig los soll es aber erst wieder nach der Sommerpause im Herbst gehen. Karl Filbert: „Wir gehen insbesondere für den Herbst von einer ganzen Reihe von sehr interessanten und innovativen Emissionen aus. Das alles bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass sich der Markt für Mittelstandsanleihen als fester Bestandteil der Unternehmensfinanzierung etabliert hat und erst noch davor steht, richtig durchzustarten.“

Schwachstellen der Mittelstandsanleihen-Mannschaft

Auf der anderen Seite gibt es genügend kundige Kritiker vor allem aus den Reihen der Vermögensverwalter und Fondsmanager, die dem neuen Spielsystem noch nicht trauen und für die das Risiko von Mittelstandsanleihen zu hoch ist. In einem Audio-Interview von Börsen Radio Network  findet Markus Steinbeis, Leiter Fondsmanagement bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen, Schwachstellen der Mittelstandsanleihen-Mannschaft. Demnach habe Risikokapital auf den europäischen Märkten zurzeit keine Probleme Investoren zu finden. Aber es gebe deutliche Qualitätsunterschiede zwischen dem Markt für europäische Hochzinsanleihen und dem deutschen Mittelstandsanleihen-Markt. So hätten sich bei seiner Vermögensverwaltung Unternehmen vorgestellt, die offensichtlich keine Bankkredite bekommen würden. Diese hätten dann aber Anleihen zu wesentlichen geringeren Zinssätzen im Vergleich zu den Zinsen von Bankkrediten ausgegeben. Das spräche nicht für die Qualität der Spieler in der Mittelstandsanleihen-Mannschaft.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Stefan Z./flickr

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