Warum Mittelstandsanleihen nicht im Visier der Family Offices sind

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Ein Family Office-CEO verrät, wie seine Unternehmerkunden investieren.

Patrick J. Aregger ist CEO und Partner des Landert Family Office AG mit Sitz im schweizerischen Zollikon nahe Zürich. Für Patrick J. Aregger ist Diskretion eine der wichtigsten Tugenden in seinem Geschäft. Trotzdem stellte er sich den Fragen der Anleihen Finder Redaktion und verrät, dass Mittelstandsanleihen zurzeit keine Rolle in seinen Anlagestrategien spielen.

Anleihen Finder: Auf welche Weise können Family Offices für ein Investment in Mittelstandsanleihen à la Seidensticker, Katjes und Underberg gewonnen werden?

Patrick J. Aregger: Unsere Kunden sind weitgehend selbst Unternehmer, die einen erheblichen Vermögensanteil in ihrem (Mittelstands)Unternehmen haben. Folglich ist unser Fokus im Sinne der Vermögensdiversifikation nicht primär auf Mittelstandsanleihen gerichtet.

Anleihen Finder: Welche Besonderheiten müssen Emittenten und Berater beachten, wenn Family Offices als Investoren gewonnen werden sollen?

Patrick J. Aregger: Family Office Kunden zeichnen sich durch Unternehmer-Spirit aus. Von Ihnen gewählte Investitionen müssen unternehmerisch plausibel sein und ein Alignment zu den Eigentümern darstellen.

Anleihen Finder: Wie schätzen Sie die derzeitige Intensität der Engagements von Familiy Offices bei Mittelstandsanleihen ein? Gibt es hier einen Trend nach oben oder unten festzustellen?

Patrick J. Aregger: Attraktive Beteiligungen im Aktien-Segment im Mittelstandsunternehmen sind rar und sehr gesucht. Dieses Vakuum wirkt sich positiv auf die Anleihenseite aus, wobei – wie schon erwähnt – der klassische Family Office Kunde Unternehmer ist, d.h. er kommt von der Seite des Aktionärs, der Verantwortung sucht und mitbestimmen will.

Anleihen Finder: Welche Gewichtung haben Mittelstandsanleihen generell in Ihrem Geschäft? 

Patrick J. Aregger: Derzeit null. Da unsere Kunden größtenteils bedeutende Vermögensteile in ihren angestammten Unternehmen haben (auch wenn diese zwischenzeitlich öffentlich kotiert sein können), haben sie damit de facto einen großen illiquiden Block in ihrem Vermögen. Unsere Aufgabe ist, die Kunden in ihrer gesamten Vermögensaufstellung zu beraten und den liquiden Teil des Vermögens zu verwalten. In diesem (liquiden Teil) meiden wir weitgehen Illiquidität (Fehlsteuerung der Liquiditäts-/Illiquiditätsschranke ist die gravierendste und existentielle Gefahr für jedes Vermögen). 

Anleihen Finder: Herr Aregger, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Christoph Morisse, Mitglied der Anleihen Finder Redaktion.

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