„Vedes muss sich nicht vor Unternehmen mit Investment Grade verstecken“ – Interview mit Thomas Märtz, CEO der VEDES AG

Dienstag, 3. Juni 2014
„Vedes muss sich nicht vor Unternehmen mit Investment Grade verstecken“ – Interview mit Thomas Märtz, CEO der VEDES AG


Ab kommenden Dienstag, den 10. Juni 2014, kann die 7,125 Prozent-Unternehmensanleihe der VEDES AG gezeichnet werden. Ab dem 24. Juni soll die Vedes-Anleihe im Börsensegment Entry Standard für Unternehmensanleihen der Börse Frankfurt gehandelt werden können.
Die Anleihen Finder Redaktion sprach mit Thomas Märtz (Foto oben), dem CEO der VEDES AG, über die Hintergründe der Anleihen-Emission der VEDES AG:

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Märtz, die VEDES AG wird oft auf den ersten Blick mit Spielwaren in Verbindung gebracht. Sie beschreiben aber drei Säulen Ihres Geschäftsmodells genauer: Zentralregulierung, Großhandel und Dienstleistungen. Wie verdienen Sie auf diesen drei Feldern Geld?

Thomas Märtz: Vor 110 Jahren, also 1904, als Vereinigung Deutscher Spielwarenfachgeschäfte, kurz VEDES, gegründet, sind wir heute eine führende Verbundgruppe und eines der größten Fachhandelsunternehmen für Spiel, Freizeit und Familie in Europa.

VEDES bedient heute mehr als 1.050 Fachhändler mit rund 1.150 Geschäften in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Niederlande, Luxemburg, Ungarn und Belgien sowie rund 4.500 Kunden im Großhandel. Im Großhandel agieren wir ganz klassisch und Sie sehen die Umsätze und Erträge vollständig in unserer Gewinn- und Verlustrechnung. 2013 erzielten wir einen Großhandelsumsatz von 51,8 Mio. Euro.

Die Zentralregulierung ist dagegen etwas erklärungsbedürftiger. Hier regulieren wir für unsere mehr als 1.050 angeschlossenen Fachhändler die von ihnen bei Lieferanten getätigten Direktkäufe im Wege des bankverbürgten Delkredere. Das bedeutet, dass zunächst nach Auftragserteilung der Vertragslieferant die Waren an unser Verbundmitglied liefert. Die DZB Bank erhält als externer Zentralregulierer eine Rechnungskopie und zahlt daraufhin in erster Kondition an den Vertragslieferanten. Abschließend erfolgt eine Abrechnung zwischen der DZB Bank und dem Verbundmitglied. Im Geschäftsjahr 2013 haben wir Geschäfte im Wert von 264,8 Mio. Euro zentralreguliert und so Provisionserlöse in Höhe von 5,4 Mio. Euro erzielt. Hinzu kommen dann noch Werbemittelerlöse in Höhe von 5,1 Mio. Euro.

Im Geschäftsbereich Dienstleistungen erbringt VEDES Leistungen im Bereich Logistik, Marketing, IT, Ladenbau und betriebswirtschaftliche Beratung vorwiegend an Mitglieder. 2013 lag der Umsatz in diesem Bereich bei 0,3 Mio. Euro.

„Risiko-Minimierung durch Einbindung der DZB Bank“

Anleihen Finder Redaktion: Im Bereich Zentralregulierung arbeitet die VEDES AG mit „bankverbürgtem Delkredere“. Können Sie bitte einem Privatanleger, der Branchenlaie ist, erklären, warum eine Zentralregulierung mit dieser Form des Delkrederes Sinn macht? Und ist die Zentralregulierung die „Cashcow“ der VEDES AG? Wenn nicht, welcher Geschäftsbereich ist der lukrativste?

Thomas Märtz: Unsere Einzelhändler können dank der Zentralregulierung alle Lieferanten in erster Kondition bezahlen. Gleichzeitig haben die Lieferanten eine extrem hohe Sicherheit und müssen nicht alle uns angeschlossenen über 1.050 Einzelhändler einzeln managen. Wir wiederum minimieren unser Risiko durch die Einbindung der DZB Bank. Alle Marktteilnehmer erhalten auf die Weise die größtmögliche Sicherheit und können dementsprechend mit attraktiven Konditionen arbeiten.

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Wir sind in allen drei Geschäftsbereichen mit unseren Erträgen zufrieden. Unser stärkster Wachstumstreiber ist sicherlich der Großhandel.

Anleihen Finder Redaktion: Wem gehört die VEDES AG?

Thomas Märtz: An der VEDES AG sind die VEDES Vereinigung der Spielwaren-Fachgeschäfte eG mit rund 82% und die SPIELZEUG-RING GmbH & Co. KG mit rund 17% beteiligt. Hinter diesen Beteiligungen stehen unsere mehr als 1.050 angeschlossenen Einzelhändler mit ihren rund 1.150 Geschäften. 1% der Anteile befindet sich im Streubesitz. Wir gehören also den uns angeschlossenen Einzelhändlern.

„Sicherlich ist die Integration des Großhandels von Hoffmann mit gewissen Risiken behaftet“

Anleihen Finder Redaktion: Wen definieren Sie als Ihre Hauptkonkurrenten?

Thomas Märtz: Bislang waren dies alle Vertriebskanäle, die nicht dem Fachhandel zuzurechnen waren. Durch unseren starken Wachstumskurs verschwimmen da die Grenzen allmählich. Denn wir beliefern mittlerweile auch SB-Kanäle, große Online-Anbieter und andere Vertriebsformen. Als Konkurrenten würde ich heute vor allem Vertriebsformen sehen, die sich nicht in dem Maße der Produktqualität, der Beratung und dem Service verpflichtet führen wie wir.

Anleihen Finder Redaktion: Wo liegen die Hauptrisiken Ihres Geschäftes?

Thomas Märtz: Sicherlich ist die Integration des Großhandels von Hoffmann mit gewissen Risiken behaftet. Allerdings überwiegen die Chancen ganz eindeutig. Oft genannt wird auch der demographische Wandel. Aber auch das ist nur sehr eingeschränkt richtig. Zwar hat sich die Zahl der Kinder seit den geburtenstarken Jahrgängen nahezu halbiert. Aber an den Kindern wird nicht gespart und das verfügbare Einkommen der Haushalte verteilt sich eben jetzt auf weniger Kinder. Unsere Branche ist darüber hinaus stark von der Saisonalität im Weihnachtsgeschäft geprägt. Aber auch mit diesem Risiko kann die Branche umgehen.

Anleihen Finder Redaktion: Handel ist ohne Online-Handel nicht mehr denkbar. Gerade beim Thema Spielwaren kommen sofort die Namen großer Online-Händler in den Sinn. Wie will VEDES hier gegenüber den internationalen Internet-Riesen bestehen?

Thomas Märtz: Wir machen sie zu unseren Kunden. Im Großhandel beliefern wir bereits einige größere Online-Händler.

Unsere Online-Strategie in der VEDES AG ist eine B2B-Strategie. Das heißt, wir schaffen für unsere Einzelhändler das optimale Umfeld für deren erfolgreiches Online-Geschäft. Die wichtigsten Felder, die wir hier umfassend abdecken, sind die Logistik, die IT, die Prozess-Kompetenz und vor allem das wohl umfassendste Sortiment der Branche. Unsere Händler erhalten durch uns beispielsweise Logistik-Leistungen, wie sie nur wenige im Internet bieten können.

Wir haben einen eigenen Online-Shop der VEDES AG, in dem unsere Einzelhandelspartner eingebunden sind – er ist gewissermaßen eine Plattform für unsere Einzelhändler. Shopgestaltung, Sortimentsbildung und Content erfolgen durch die VEDES Zentrale. Der Online-Umsatz wird direkt vom Händler generiert. Das Full-Fillment inkl. Zahlungsabwicklung übernimmt ein Dienstleistungspartner.

Unsere Online-Strategie ist integraler Teil unserer Gesamtstrategie. Wir wollen unsere Kunden, in erster Linie die Einzelhändler, stationär oder online, optimal mit unseren Dienstleistungen unterstützen. Wir wollen ihnen nicht mit unserem eigenen Shop Konkurrenz machen, sondern dafür sorgen, dass sie möglichst viel Umsatz direkt generieren und die entsprechenden Produkte über uns beziehen.

„Unsere aktuellen Gespräche mit Investoren lassen ein sehr großes Interesse vermuten“

Anleihen Finder Redaktion: Noch immer ist das Marktumfeld für Neuemissionen von Mittelstandsanleihen schwierig. Nur wenige wagen sich aus der Deckung, um am Kapitalmarkt aktiv zu werden. Aus welchen Gründen wagen Sie es?

Thomas Märtz: Wir haben unsere erste Anleihe im Dezember 2013, also erst vor sechs Monaten erfolgreich emittiert. Auch unsere aktuellen Gespräche mit Investoren lassen ein sehr großes Interesse vermuten. Und aus Unternehmenssicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Anleihe als langfristigen Baustein im Finanzierungsmix der VEDES Gruppe zu etablieren.

Anleihen Finder Redaktion: Die Börse Frankfurt empfiehlt im „Best Practice Guide: Entry Standard für Unternehmensanleihen“, dass Handelsunternehmen eine Bilanzsumme von mindestens 100 Millionen Euro ausweisen sollten. Nicht alle empfohlenen Kennzahlen müssen zwanghaft erfüllt werden. Bitte geben Sie uns Einblick in Ihre aktuellen Geschäftszahlen.

Thomas Märtz: Wir sind nicht so ohne weiteres mit anderen Unternehmen auch aus dem Handel vergleichbar. Beispielsweise laufen über unsere Zentralregulierung Umsätze von 265 Mio. Euro, von denen Sie aber nur die reinen Provisionserlöse von 5,4 Mio. Euro in unseren Zahlen sehen. Unsere Mitglieder erzielen einen jährlichen Außenumsatz von 570 Mio. Euro. Wir selbst haben 2013 einen Umsatz von 63,1 Mio. Euro und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 1,7 Mio. Euro erwirtschaftet. Der operative Cash Flow lag 2013 bei 3,7 Mio. Euro, die Bilanzsumme bei 41,1 Mio. Euro und die Eigenkapitalquote bei 40,2% – trotz der 2013 erfolgten Anleiheemission.

Anleihen Finder Redaktion: Im Best Practice Guide der Börse Frankfurt werden auch Kennzahlen zur Kapitaldienstdeckung, zur Verschuldung und zur Kapitalstruktur aufgeführt. Die Emittentin einer Unternehmensanleihe sollte – in Gesamtheit betrachtet – anhand von konkreten Zahlen deutlich machen können, wie sie die Anleihe plus Zinsen zurückzahlen wird. Können Sie das bitte für die VEDES AG unseren Lesern darstellen?

Thomas Märtz: Unsere Finanzzahlen 2013, die dafür die Grundlage darstellen würden, spiegeln das heutige Unternehmen nur noch sehr eingeschränkt wider. Die Übernahme des operativen Großhandelsgeschäfts von Hoffmann hat die Vergleichbarkeit des Unternehmens mit den Vergangenheitswerten sehr eingeschränkt. In unserer neuen Situation kommt hinzu, dass wir 2014 ein Übergangsjahr haben werden, das klar unter dem Einfluss der Integration und der damit einhergehenden Kosten steht. Ein EBITDA 2013 von knapp 2,0 Mio. Euro und ein operativer Cash Flow von 3,7 Mio. Euro unterstreichen aber die gesunde eigene Refinanzierungskraft des Unternehmens.

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Anleihen Finder Redaktion: Wofür werden Sie die Anleihe-Millionen einsetzen?

Thomas Märtz: Ausgehend von einer Vollplatzierung sowie bei vollständiger Annahme des Umtauschangebots und nach Abzug sämtlicher Emissionskosten fließt der VEDES AG durch die Schuldverschreibung 2014/2019 voraussichtlich ein Nettoemissionserlös von bis zu rund 7,2 Mio. Euro zu. Sollte das Umtauschangebot nicht vollständig in Höhe von 12,0 Mio. Euro angenommen werden, werden wir einen Teil des Nettoemissionserlöses bis zur Höhe des Nennbetrages der nicht umgetauschten Schuldverschreibungen für deren Rückzahlung verwenden und den dafür erforderlichen Betrag auf ein Konto einzahlen, das zugunsten eines Sicherheitentreuhänders für die Anleihegläubiger verpfändet werden soll.

Die einjährige Schuldverschreibung 2013/2014 in Höhe von 12,0 Mio. Euro haben wir zur Finanzierung der Übernahme des Großhandelsgeschäfts der Hoffmann GmbH & Co. KG ausgegeben. Der verbleibende Nettoemissionserlös aus der Schuldverschreibung 2014/2019 soll für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden. Dabei sollen ca. 50% des Nettoemissionserlöses Investitionen dienen, insbesondere dem Aufbau von Warenvorräten, um den in den nächsten zwei Jahren angestrebten Großhandelsumsatz von 125 Mio. Euro jährlich abwickeln und die erwartete Nachfrage in Spitzenzeiten abdecken zu können. Weitere ca. 50% des Nettoemissionserlöses sollen der Finanzierung der mit der Hoffmann-Übernahme verbundenen weiteren Integrationskosten dienen.

„Wir sind selbstbewusst genug zu sagen, dass die VEDES mit Ihrer 110-jährigen Geschichte, ihrer Ertragsstärke und der außergewöhnlichen Marktposition sich nicht vor Unternehmen mit Investment Grade verstecken muss“

Anleihen Finder Redaktion: Feri EuroRating gibt Ihrer VEDES-Unternehmensanleihe eine Bonitätsbeurteilung, die nicht im Investment Grade-Bereich liegt. Inwiefern können Sie das „BB“-Rating nachvollziehen?

Thomas Märtz: Wir sind selbstbewusst genug zu sagen, dass die VEDES mit Ihrer 110-jährigen Geschichte, ihrer Ertragsstärke und der außergewöhnlichen Marktposition sich nicht vor Unternehmen mit Investment Grade verstecken muss. Aber ich kann eine Rating-Agentur verstehen, dass sie in einer Situation, wo die Nummer 2 im Markt die größere Nummer 1 übernimmt – wie wir es jetzt im Spielwarengroßhandel gemacht haben – einen gewissen Risikoabschlag vornimmt. Wir haben damit überhaupt kein Problem und freuen uns sogar darüber, dass damit auch der aktuelle Integrationsprozess besonders aufmerksam beurteilt wird.

Anleihen Finder Redaktion: Als Besicherung für Anleihegläubiger bieten Sie die Verpfändung der Rechte an der Marke „VEDES“ an. Inwiefern können Ihre Anleihe-Gläubiger sicher sein, dass Ihr Einsatz zum Zeitpunkt eines Besicherungsfalles durch den Wert der Marke abgedeckt sein wird?

Thomas Märtz: Dieser Fall soll ja nie eintreten. Aber wir haben ein aktuelles Wertgutachten für unsere Marke, die erst 2012 zu einer „Marke des Jahrhunderts“ in Deutschland gekürt wurde, erstellen lassen. Demnach liegt der Wert zum 31.12.2013 zwischen 27,8 Mio. Euro und 36,3 Mio. Euro, je nach Bewertungsmethode. Ich bin so selbstbewusst zu sagen, dass die Marke „VEDES“ für jeden, der im deutschen und europäischen Spielwarenhandel Fuß fassen möchte, ein sehr interessantes Akquisitionsobjekt wäre.

Anleihen Finder Redaktion: Bitte wagen Sie einen Blick in die Zukunft. Wo soll die VEDES AG am Ende der Laufzeit der VEDES-Unternehmensanleihe stehen?

Thomas Märtz: In den nächsten fünf Jahren wollen wir die VEDES Gruppe als führenden Spielwaren-Großhändler und die führende europäische Verbundgruppe mit stabilen Wachstumsraten bei Umsatz und Ertrag weiterentwickeln. Strategisches Ziel ist es, über die Vertriebskanäle Fachhandel, SB-Handel und Online eine stabile Diversifikation zu erreichen. Unsere Marke soll weiterhin ein fester Bestandteil in Familien sein und für gemeinsames Spiel, Spaß und Freude stehen.

Wir sind heute bereits in acht Ländern präsent mit mehr als 1.050 angeschlossenen Fachhändlern und weiteren rund 4.500 Großhandelskunden. Mittelfristig wollen wir hier eine deutlich stärkere Durchdringung erreichen: in Form von Marktanteilen in den Ländern und in Wertschöpfung pro Kunde. Das sind unsere Ziele und Perspektiven.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Märtz, vielen Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion. Das Interview führte Christoph Morisse.

Fotos: Vedes AG

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Unternehmensanleihe VEDES AG 2014/2019

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