URA-Beurteilung: Neue Anleihen von Schalke 04 und Werder Bremen erhalten keinen URA-Haken – Folgeanleihen mit niedrigeren Zinskupons

Dienstag, 13. Juli 2021


Neues URA-Update – die Analysten der URA Research haben nach der Auswertung und Analyse der in 2021 veröffentlichten Finanzberichte die URA-Beurteilungen für 13 Anleihen bestätigt. Bei 2 Anleihen (FC Schalke 04 2016/23 und Katjes International 2019/24) hat sich die Beurteilung verschlechtert. Eine Verbesserung hat es indes bei keiner der beobachteten Anleihen gegeben. Die neue Anleihe von Schalke 04 und die erste Anleihe von Werder Bremen wurden zudem neu in die URA-Beobachtung aufgenommen.

Generell sei laut URA zu beobachten, dass sich bei Folgeanleihen insgesamt auch aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus meist der Kupon verringere. Zudem werden von Emittenten externe Ratings schon längere Zeit nicht mehr eingeholt und aufgrund häufiger Privatplatzierungen immer weniger Wertpapierprospekte veröffentlicht. Positiv merken die Analysten an, dass sich in einzelnen Fällen die Anleihebedingungen (zumindest gibt es insgesamt keine Verschlechterungen) verbessern, z.B. bei der Verpflichtung zur Veröffentlichung von Finanzberichten nach einer bestimmten Zeit (teilweise auch verknüpft mit Zins-Step-Ups), bei der Begrenzung der Finanzschulden bzw. Mindest-Eigenkapitalquote oder der Einschaltung von Treuhändern (z.B. bei Anleihen im Nordic Bond-Format).

Unveränderte URA-Beurteilung

Bestätigt wurden zuletzt, nach dem Monitoring der neuen Finanzberichte, die URA-Beurteilungen für folgende 13 Anleihen:

3 „URA-Haken“ für Homann Holzwerkstoffe-Anleihe 2021/16, Hörmann Industries-Anleihe 2019/24 und Karlsberg-Anleihe 2020/25

2 Haken für PNE-Anleihe 2018/23 und Semper idem Underberg Anleihe 2019/25

1 Haken für DEAG-Anleihe 2018/23 und Photon Energy-Anleihe 2017/22

0 Haken für BDT-Anleihe 2017/24, Neue ZWL GmbH (4 Anleihen) und VST-Anleihe 2019/24

Herabgestufte URA-Beurteilung

Schalke 04-Anleihe 2016/23:

Die dritte Anleihe des FC Schalke 04 hat sich von ganz knapp 1 Haken (und bereits „watch“) auf 0 „URA-Haken“ verschlechtert. Hier hatten sich laut URA-Analysten bereits vor dem Abstieg in die 2. Liga (Mai 2021) die Finanzzahlen deutlich verschlechtert und diverse Probleme verstärkt.

Katjes International Anleihe 2019/24:

Katjes International GmbH & Co. KG ist eine Beteiligungsgesellschaft für starke Markenhersteller – bisher v.a. für Süßwarenfirmen außerhalb Deutschlands, neuerdings auch für Hustenbonbons (Dallmann) und Pflegeprodukte (Bübchen). Die dritte Katjes-Anleihe hat sich von ganz knapp 2 Haken auf 1 „URA-Haken“ verschlechtert. Im Geschäftsjahr 2020 hat sich zwar das berichtete EBIT von 6 auf 11 Mio. Euro erhöht, darin seien laut URA jedoch a.o. Erträge von 16 Mio. Euro aus negativem Goodwill enthalten, die laut IFRS im Gegensatz zu HGB sofort GuV-wirksam sind (günstiger Kaufpreis bei der Akquisition von Bübchen unter dem Buchwert). Bereinigt ergebe sich ein negatives EBIT und ein halbiertes EBITDA in einer von Corona kaum beeinträchtigen Branche, bei gleichzeitig erhöhten Nettofinanzschulden, so die URA-Analysten, die auf eine Verschlechterung wichtiger Bondkennzahlen verweisen.

Neu im URA-Monitoring

In die von URA Research veröffentlichte Anleihen-Liste sind von zahlreichen neuen Anleihen nur die Folgeanleihe von Schalke 04 und die vergleichbare neue Werder Bremen-Anleihe zusätzlich aufgenommen worden. Beide Fußball-Anleihen haben keinen „URA-Haken“ erhalten. Aus unterschiedlichen Gründen (Corona-Einflüsse, kurze Unternehmenshistorie, wenig aussagefähige Finanzdaten oder fehlende Anleiheprospekte) wurden einige in 2020 und 2021 bisher neu emittierte Anleihen noch nicht aufgenommen. Dazu gehören die Anleihen von ABO Wind, ACTAQUA, Agrarius, Agri Resources, Greencells, hep global, LR Global Holding, Mutares, nextbike, SUNfarming oder Veganz.

Schalke 04-Anleihe 2021/26:

Neu in der URA-Beobachtung ist die vierte Anleihe des FC Schalke 04, die zur Refinanzierung der am 7.7.2021 zurückgezahlten zweiten Anleihe emittiert wurde. Diese vierte Anleihe erhält wie die noch ausstehende dritte Anleihe 0 „URA-Haken“.

Stärken: Die Jahre vor Corona und auch zuletzt nach vorübergehendem Kurseinbruch ein wieder hohes Investorenvertrauen (beide Anleihekurse wieder um die 100%). Weitere staatliche Unterstützung im Krisenfall wahrscheinlich. Nach Mitgliedern einer der 10 größten Sportvereine weltweit. Lt. KPMG im „Unternehmenswert“ in 2021 immer noch der 15-wertvollste Verein Europas. Erfolgreiches Nachwuchszentrum „Knappenschmiede“. Stille Reserven v.a. im Lizenzspielerbereich (dem negativen Konzern-Eigenkapital von  -71 Mio. EUR steht eine Differenz zwischen dem Marktwert lt. „transfermarkt.de“ (aktuell 85 Mio. EUR) und dem aktivierten Buchwert der Spieler (60 Mio.  zum 31.12.2020) gegenüber). Neue Finanzchefin mit einer geänderten Einstellung: Keine Wetten auf die Zukunft mehr eingehen (siehe Anleihen Finder-Interview), Schuldenabbau vor Investitionen (Investitionen in das Vereinszentrum „Berger Feld“ gestoppt). Überlegungen, vielleicht doch einen Investor am Lizenzspielbetrieb zu beteiligen (bisher wollte man „Herr im eigenen Hause bleiben“). Eine Lizenz an den eigenen eSports-Aktivitäten wurde entgegen früheren Absichten zwecks Cash-Generierung verkauft.

Schwächen: Im Mai 2021 Abstieg in die 2. Bundesliga. In 2020 Corona-bedingt („Geisterspiele“) ein negatives EBITDA und erhöhte Nettofinanzschulden. Schon vor Corona zu hohe Spielergehälter. Schon die beiden Jahre vor dem Abstieg die internationalen Wettbewerbe und damit hohe Einnahmen verfehlt, bei gleichzeitig hohen schuldenfinanzierten Investitionen in neue Spieler und in das neue Firmengelände. In den letzten Jahren zahlreiche Rücktritte in Vorstand und Aufsichtsrat sowie bei Trainern. Das Eigenkapital im Konzern war bisher nur einmal positiv (2018) und war in 2020 (Rekord-Nettoverlust -53 Mio. EUR) mit -71 Mio. EUR der schlechteste Wert seit 2014. Im Testat des Geschäftsberichts 2020 ein Hinweis auf eine „Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit“. Wichtige Vermögensteile sind für Kredite verpfändet.

Zukunft in der 2. Liga: Durch den Abstieg sind geringere Einnahmen aus Tickets (trotz der speziell bei S04 sehr loyalen Anhänger), aus Catering, v.a. aus der besonders wichtigen medialen Verwertung und vermutlich auch bei den – bei S04 bisher loyalen – Sponsoren zu erwarten. Es muss sich laut URA noch zeigen, ob die geplanten signifikanten Transfererlöse und  Reduzierungen der Gehaltskosten bei den Spielern tatsächlich erreicht werden können, ohne die für einen „mittelfristigen“ Wiederaufstieg nötige Qualität zu gefährden. Bei Verstoß gegen die bestehenden Auflagen bei der DFL-Lizenzierung zum 15.9.21 droht ein Abzug von 6 Punkten. Weiterhin bleibt unsicher, wann und in welchem Umfang wieder Großveranstaltungen stattfinden können.

Werder Bremen-Anleihe 2021/26:

Neu in der URA-Beobachtung ist zudem die erste Anleihe des SV Werder Bremen, die wie die neue Schalke-Anleihe 0 „URA-Haken“ erhält. Der kumulierte Umsatz zum 31.12.2020 betrug 98 Mio. (Schalke: 175 Mio.), der Verlust -35 Mio. bzw. -36% v.U. (Schalke: -52 Mio. bzw. -30% v.U.).

Stärken laut URA: Hohes Investorenvertrauen: Anleihekurs notiert seit der Emission über 100%. Weitere staatliche Unterstützung im Krisenfall wahrscheinlich. Gute Nachwuchsarbeit. Stille Reserven: Die Differenz zwischen Marktwert lt. transfermarkt.de und Buchwert der Spieler beträgt 57 Mio. EUR und damit deutlich mehr als bei Schalke (25 Mio.).

Schwächen laut URA: Im Mai 2021 Abstieg in die 2. Bundesliga, mit den bei Schalke 04 genannten Konsequenzen. Nicht erst im Corona-Geschäftsjahr 6/2020 ein negativer Free Cashflow, sondern bereits in den beiden Vorjahre. Seit dem GJ 6/2020 erstmals ein negatives Eigenkapital (-13 Mio.), das sich im Halbjahr zum 31.12.2020 auf -31 Mio. erhöht hat (36% der Bilanzsumme, verglichen mit 28% bei Schalke zum 31.12.2020). Im Testat des Geschäftsberichts 6/2020 ein Hinweis auf eine „Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit“, die auch im Halbjahresbericht 12/2020 fortbesteht. Werder betont den 3. Platz in der ewigen Bundesligatabelle und die „starke Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit und Soziales“, für die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb hat es jedoch nach 2011 nicht mehr gereicht.

Zukunft in der 2. Liga: Siehe die Ausführungen zu Schalke. Bei Werder könnte die Senkung der Spielerkosten aufgrund der u.U. schon stärker auf einen möglichen Abstieg ausgerichtete Vertragsgestaltung einfacher sein als bei S04.

Anleihen Finder Redaktion.

Foto: pixabay.com

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