„Unser Ziel ist es, die ‚Nordische Prämie‘ zu vereinnahmen“ – Interview mit Fondsmanager Ulrich Teutsch

Donnerstag, 30. April 2026 Lesezeit: 7 Minuten Allgemein, Interviews

Im Fokus: Lazard Nordic High Yield Bond Fund

Mit dem Lazard Nordic High Yield Bond Fund setzt Lazard Asset Management auf den skandinavischen High-Yield-Markt. „Nordic Bonds“ locken nicht nur mit überdurchschnittlichen Risikoaufschlägen, sondern gelten dank variabler Verzinsung und kurzer Duration auch als vergleichsweise robust in volatilen Zinsphasen. Fondsmanager Ulrich Teutsch erklärt im Interview, warum der Norden Europas aktuell besonders spannende Opportunitäten bietet, nach welchen Kriterien Emittenten ausgewählt werden und welche Performance der Fonds liefert.

Anleihen Finder: Hallo Herr Teutsch, stellen Sie uns den Lazard Nordic High Yield Bond Fund doch zunächst kurz vor. Wie groß ist das Fondsvolumen, welches Anlageuniversum hat der Fonds und was ist Ihr Rendite-Ziel?

Ulrich Teutsch: Der Lazard Nordic High Yield Bond Fund hat seit seiner Auflegung im Jahr 2022 eine dynamische Entwicklung verzeichnet und verwaltet aktuell (Stand: April 2026) ein Vermögen von über 700 Mio. EUR. Unser Anlageuniversum konzentriert sich primär auf skandinavische Emittenten aus Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland. Wir sind jedoch strategisch flexibel: Wir investieren auch in globale Unternehmen, sofern diese das spezifische Nordic Bond-Format nutzen oder in nordischen Lokalwährungen emittieren. Unser Ziel ist es, die strukturelle Mehrrendite des Nordens – die sogenannte „Nordische Prämie“ – zu vereinnahmen. Für das laufende Jahr 2026 erwarten wir ein klassisches „Carry Year“ mit einer angestrebten Euro-gesicherten Rendite von rund 8 %.

Anleihen Finder: Was macht den skandinavischen High-Yield-Markt und generell die „Nordic Bonds“ aus Ihrer Sicht besonders attraktiv?

Ulrich Teutsch: Es ist die Kombination aus attraktiver Prämie und technischer Robustheit. Wir erzielen im nordischen High Yield-Markt historisch etwa 250 bis 300 Basispunkte höhere Risikoprämien als in den traditionellen High Yield-Märkten. Diese Prämie ist primär eine Komplexitätsprämie, da viele Emittenten kleiner sind und kein offizielles Rating haben, was sie für große globale Fonds unzugänglich macht. Ein entscheidender Vorteil ist zudem die Zinsstruktur: Der Markt besteht fast ausschließlich aus variabel verzinslichen Anleihen, sogenannten Floating Rate Notes, wodurch wir es mit einer sehr geringen Duration und somit einem deutlich reduzierten Zinsänderungsrisiko zu tun haben.

„Wir erzielen im nordischen High Yield-Markt historisch etwa 250 bis 300 Basispunkte höhere Risikoprämien als in den traditionellen High Yield-Märkten“

Anleihen Finder: Wie sieht das Portfolio des Fonds aus und wie ist er strukturiert? Welche deutschen Bond-Emittenten befinden sich im Fonds-Portfolio?

Ulrich Teutsch: Das Portfolio ist mit aktuell 125 Emittenten sehr granular aufgestellt, um Einzelwertrisiken zu minimieren. Per Ende März 2026 sind ca. 80 % der Positionen aus Skandinavien, mit Norwegen (38,6 %) und Schweden (28 %) als die größten Länderallokationen. Die Ratingstruktur zielt auf ein Durchschnittsrating von BB+ bis B- ab, wobei wir die fehlenden externen Ratings durch unsere eigene Kreditanalyse ersetzen.

Ein interessanter Aspekt für Ihre Leser: Deutschland macht aktuell rund 10 % des Portfolios aus. Darunter befinden sich Emittenten wie beispielsweise die Homann Holzwerkstoffe oder aber die LifeFit Group, die beide das Nordic Bond-Format seit Jahren erfolgreich nutzen.

„Deutschland macht aktuell rund 10 % des Portfolios aus“

Anleihen Finder: Nach welchen zentralen Kriterien wählen Sie einzelne Emittenten für das Portfolio aus? Wie gewichten Sie dabei Bonität, Cashflow-Stabilität, Verschuldungsgrad und ESG-Aspekte bei den Emittenten?

Ulrich Teutsch: Wir nutzen unseren eigenen proprietären LAM Quantitative Credit Score, der jeden Emittenten auf Basis von Solvenz, Profitabilität und Liquidität bewertet. Da viele Firmen kein Rating besitzen, ist die fundamentale Analyse der Cashflows und der Verschuldungsgrad für uns essenziell. Wir stellen oft fest, dass die Verschuldung im Norden tendenziell moderater ist als z. B. in den USA oder im restlichen Europa. Der Fonds ist als Artikel 8-Produkt klassifiziert. Wir setzen jedoch weniger auf pauschale Ausschlüsse als vielmehr auf die Finanzierung von Transformationspfaden, beispielsweise bei Unternehmen im Energie-Service-Sektor, die von fossilen Brennstoffen auf Offshore-Windkraft umstellen.

Anleihen Finder: Gibt es auch klare Ausschlusskriterien oder „Red Flags“, die für Sie ein Investment verhindern?

Ulrich Teutsch: Absolut. Die Überwachung bestehender Positionen und unsere konsequente Verkaufsdisziplin bilden das Rückgrat des Risikomanagements. Der Verkaufsprozess ist tief in der fundamentalen Kreditanalyse verwurzelt: Ein Ausstieg erfolgt systematisch, wenn das ursprüngliche Kursziel erreicht ist, sich das Chance-Risiko-Profil aufgrund veränderter Marktbewertungen verschlechtert oder die fundamentale Kreditqualität eines Emittenten – etwa durch nachlassende Cashflows – nicht mehr den Anforderungen entspricht. Flankiert wird dieser Prozess durch regelmäßige Portfolio-Reviews und Szenario-Stresstests, die von Lazards unabhängigen Risikomanagement-Teams unterstützt werden. Diese stellen sicher, dass alle Positionen stets mit der Risikotoleranz der Nordic High Yield-Strategie im Einklang stehen.

Daneben sind beispielsweise fehlende Governance oder mangelnde Transparenz bei der Besicherung für uns Ausschlusskriterien.

Anleihen Finder:  Wie bewerten Sie die bisherige Performance des Fonds seit Auflage 2022 – sowohl absolut als auch im Vergleich zur Peergroup?

„Aktuell weist unser Portfolio eine Euro-gesicherte Rendite von deutlich über 8 % auf“

Ulrich Teutsch: Seit dem Start 2022 konnten wir für unsere Investoren im Lazard Nordic High Yield Bond Fund (A Acc EUR-Anteilklasse | IE000MHDVN90) eine Rendite von kumuliert fast 30 % erwirtschaften (2023: 9,6 %, 2024: 12,0 %, 2025: 5,4 %). 2025 sahen wir im Herbst einen technischen „Soft Patch“, da eine Rekordflut an Neuemissionen die Spreads kurzzeitig ausgeweitet hat. Die relative Attraktivität ist also gestiegen. Da sich auch die Emissionsflut normalisieren dürfte, erwarten wir dieses Jahr ein klassisches „Carry Year“. Aktuell weist unser Portfolio eine Euro-gesicherte Rendite von deutlich über 8 % auf. Wir sind daher sehr zuversichtlich, 2026 wieder am oberen Ende unserer Renditeerwartungen zu landen.

Anleihen Finder: Wen sprechen Sie mit dem Fonds an?

Ulrich Teutsch: Wir haben eine sehr gesunde Mischung unserer Investorenbasis. Unser größter Einzelinvestor liegt unter der 10-Prozent-Grenze, die Top-5-Kunden machen keinen dominanten Anteil aus. Die Basis reicht von Pensionsfonds und Versicherungen über Banken-Depots (Depot A und B) bis hin zum Retail-Segment. Besonders bemerkenswert ist für uns, dass wir mittlerweile signifikante Zuflüsse von skandinavischen Investoren selbst verzeichnen. Wir legen aktuell sogar eine NOK-Anteilsscheinklasse auf, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Zuletzt haben wir auch einen neuen Investor aus Südamerika dazugewinnen können, was mittlerweile auch das globale Interesse an diesem besonderen Markt bzw. unserem Fonds unterstreicht.

Anleihen Finder: Wie gehen Sie mit Zinsänderungen und Spreadbewegungen im High Yield-Segment um? Welche Rolle spielen darüber hinaus Covenants und Gläubigerrechte bei Ihren Investments?

„Steigen die Zinsen, steigt unser Kupon“

Ulrich Teutsch: Dank der variabel verzinslichen Wertpapiere (Floating Rate Notes) sind wir gegen Zinsanstiege weitgehend immun – steigen die Zinsen, steigt unser Kupon. Bei den Gläubigerrechten bietet das Nordic-Format einen entscheidenden Vorteil: die sogenannten „Maintenance Covenants“.  Dabei handelt es sich um vertragliche Klauseln in den Anleihebedingungen, die die Emittenten verpflichten, bestimmte Finanzkennzahlen einzuhalten oder Handlungen zu unterlassen. Anders als im restlichen Europa, wo Covenants oft nur bei neuen Ereignissen geprüft werden, müssen Emittenten im Nordic Bond-Format ihre Kennzahlen laufend einhalten. Dies ermöglicht es uns, negative Trends frühzeitig zu erkennen. Zudem sind viele Anleihen physisch besichert, was im Ernstfall zu deutlich höheren Rückzahlungsquoten (Recovery Rates) führen würde.

Anleihen Finder: Wie bewerten Sie aktuell das Risiko-Rendite-Profil im europäischen High Yield-Markt? Sehen Sie aktuell eher Chancen oder Risiken?

Ulrich Teutsch: Während traditionelle Unternehmensanleihen im High Yield-Segment derzeit historisch teuer bewertet sind, liegen wir bei den Spreads von nordischen High Yield-Anleihen über dem Langzeitdurchschnitt. Das fundamentale Bild ist weiter intakt. So sinkt der Leverage – also der Verschuldungsgrad der Unternehmen – im Durchschnitt weiter. Auch die Ausfallraten sind aktuell nicht erhöht und Frühindikatoren wie die Distress-Ratio sind noch immer eher niedrig. Wir sehen daher mehr Chancen als Risiken. Das Risiko-Rendite-Profil ist asymmetrisch zu Gunsten der Anleger verschoben: Das Abwärtsrisiko ist durch hohe Besicherung und Maintenance Covenants begrenzt, während wir das volle Aufwärtspotenzial der „Nordischen Prämie“ nutzen.

Anleihen Finder: Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit dem Fonds in den kommenden Jahren?

„Die Marke von 1 Mrd. EUR an AuM haben wir fest im Blick“

Ulrich Teutsch: Wir streben ein gesundes, kontinuierliches Wachstum an und glauben weiterhin an den Erfolg unseres Nordic High Yield-Ansatzes. Die Marke von 1 Mrd. EUR an AuM haben wir fest im Blick.

Anleihen Finder: Herr Teutsch, besten Dank.

Anleihen Finder Redaktion.

HINWEIS: Weitere Informationen zum Fonds finden Sie hier

Titelbild: pixabay.com

Portraitbild: Ulrich Teutsch, Lazard Asset Management

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