Trendfolge bei Anleihen: Systematisch in Anleihe-Perlen investieren

Donnerstag, 10. September 2026 Lesezeit: 4 Minuten Allgemein, Kolumne

BEITRAG von Leo Willert, Gründer und Head of Trading bei ARTS Asset Management

Die eigentlich als stabil geltenden Anleihenmärkte weisen aktuell eine sehr turbulente Entwicklung auf. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen sind seit Mitte August auf ein Niveau angestiegen, das seit 15 Jahren nicht mehr erreicht worden ist. Dieses hohe Niveau dürfte weiter bestehen bleiben. Angesichts einer hartnäckigen Inflation in den USA und Europa werden die Fed und die EZB dazu angehalten, an der Zinsschraube weiter nach oben zu drehen. Darüber hinaus werden die Märkte gegenwärtig von Anleiheemissionen zu attraktiven Zinskonditionen förmlich geflutet: Neben der rekordhohen Schuldenaufnahme durch den US-Staat finanzieren sich auch US-Technologieunternehmen zunehmend über den Anleihenmarkt, um ihre gigantischen Investitionen in den Ausbau von künstlicher Intelligenz und Rechenzentren schnell voranzutreiben. Das erhöhte Anleihenangebot trifft auf eine tendenziell schwächere Nachfrage. So investiert etwa Japan, der größte Gläubiger für US-Staatsanleihen, aufgrund der steigenden Zinsentwicklung im eigenen Land weniger in US-Bonds.

Auch wenn das höhere Zinsniveau Anleihen gegenüber anderen Assetklassen wie Aktien attraktiver macht, ist dieses auch Ausdruck einer höheren Unsicherheit an den Anleihenmärkten. Die US-Staatsverschuldung hat mittlerweile die Schwelle von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Durch die höheren Zinsen steigt auch automatisch die Schuldenlast. Die Zinskosten der USA sind in diesem Jahr dreimal höher als noch 2020. Die US-Regierung überlässt die Zinsentwicklung auch nicht mehr nur Marktkräften, sondern versucht durch Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen und Interventionen beim japanischen Yen Einfluss darauf zu nehmen. Investoren stellen sich immer mehr die Frage, ob die USA mittel- und langfristig ihre Schulden bedienen werden können.

Langlaufende Staatsanleihen, insbesondere aus den USA, wandeln sich angesichts dieser Entwicklung vom Stabilitätsanker zum spekulativen Risiko-Asset. Dennoch sind Anleihen noch immer eine attraktive Assetklasse – wenn man die richtigen findet. Die schiere Größe des Anleihenmarktes sowie die hohe Vielfalt in Bezug auf Emittenten, Herkunftsland, Rating und Laufzeiten erfordert eine aktive und sorgfältige Anlageselektion.

Anleihensegmente weisen schwankende Performance auf

Ein Vergleich der Performance verschiedener Bond-Segmente über die vergangenen Jahre zeigt auf, dass die Renditeunterschiede zwischen den Anleihesegmenten deutlich ausgeprägt sein können und über die Zeit schwanken. Während 2023 globale High-Yield-Anleihen die stärkste Wertentwicklung aufwiesen, gefolgt von inflationsindexierten Euro-Anleihen und deutschen Staatsanleihen, lagen 2024 insbesondere Staatsanleihen aus den Emerging Markets sowie High-Yield-Anleihen aus den Emerging Markets und den USA vorn. 2025 zeigten kurzlaufende Staatsanleihen und auf Euro lautende Investment-Grade-Unternehmensanleihen eine überdurchschnittliche Performance. Im Jahr 2026 sind insbesondere Staatsanleihen von Schwellenländern und Wandelanleihen performancestark. Diese Varianz verdeutlicht, wie wichtig auch im Anleihenmarkt eine breite Diversifikation ist, um Chancen über verschiedene Marktsegmente hinweg zu nutzen und das Renditepotenzial des Portfolios zu erhöhen. Ein aktiver Asset-Management-Ansatz kann darüber hinaus dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und das Portfolio in Phasen deutlicher Kursverluste gezielt abzusichern. Auch bei den eigentlich als stabil geltenden Anleihen können drastische Kursverluste eintreten, wie sich im Jahr 2022 zeigte, als sowohl Anleihen als auch Aktien zweistellig an Wert verloren.

Graphik 1: Quelle ARTS Asset Management GmbH

Ein flexibler, regelbasierter Investmentansatz kann dabei helfen, von der unterschiedlichen Entwicklung einzelner Anleihesegmente zu profitieren. Ein bewährter Ansatz ist die wissenschaftlich fundierte Momentum-Theorie, nach der Wertpapiere mit einer überdurchschnittlich positiven Kursentwicklung eine erhöhte Wahrscheinlichkeit aufweisen, ihren bestehenden Trend kurz- bis mittelfristig fortzusetzen. Diese statistische Regel lässt sich auch bei Anleihen und Anleihefonds beobachten und zunutze machen.

Graphik 2: Zeitraum 5 Jahre, 31.08.2021-31.08.2026. Quelle: Cyberfinancials Datenkommunikation GmbH

Ein Beispiel hierfür ist der Dach-Anleihefonds C-QUADRAT ARTS Total Return Bond (ISIN: AT0000634720), der eine regelbasierte Momentum-Strategie verfolgt. Ein technisches Handelssystem identifiziert automatisiert die trendstärksten Anleihefonds und -ETFs und investiert gezielt in diese Titel. Verschlechtert sich das Momentum eines Investments, kann die Position wieder reduziert beziehungsweise aufgelöst werden. So entsteht eine rotierende Anlagestrategie, in der flexibel in die Momentum-stärksten Bonds investiert werden kann. Dabei kann das technische Handelssystem auch Bonds aus eher unbekannten Anlageländern und Nischenbranchen selektieren. Zur Absicherung kommen ergänzend Stop-Loss-Mechanismen zum Einsatz, die bei einem Unterschreiten definierter Schwellenwerte einen automatisierten Ausstieg auslösen können.

Der Ansatz ermöglicht es, Anlageentscheidungen systematisch und weitgehend frei von Emotionen sowie ohne die Notwendigkeit konkreter Marktprognosen zu treffen. Das Trendfolgemodell reagiert auf bereits beobachtbare Marktentwicklungen und trifft seine Anlageentscheidungen auf Basis quantitativer Signale und klar definierter Regeln. So kann von der Vielseitigkeit des Bond-Marktes profitiert werden und immer in die attraktivsten Märkte allokiert werden.

Leo Willert, ARTS Asset Management

Anleihen Finder News auf Social Media-Kanälen oder als Newsletter abonnieren