Lothar Probst von lp inviso: „Ich befürchte durch die Börsensteuer einen deutlichen Rückgang bei den Umsätzen an der Börse. Dadurch wird die ohnehin schwach ausgeprägte Aktienkultur weiter kaputt gemacht.“

Mittwoch, 20. Februar 2013

Die EU-Finanzminister haben die Einführung der Transaktionssteuer beschlossen. Die finale Ausgestaltung ist zwar noch nicht beschlossen, es ist jedoch damit zu rechnen, dass die neue Steuer in etwa 0,1 Prozent des Transaktionswertes bei Aktien und Anleihen sowie 0,01 Prozent bei Derivaten betragen wird. Anleihen Finder holte Stimmen aus dem Markt ein und befragte Lothar Probst, Geschäftsführer der lp inviso GmbH.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Probst, wie bewerten Sie die Transaktionssteuer? Wird sie Auswirkungen auf den Markt mittelständischer Unternehmensanleihen haben?

Lothar Probst: Ich bin grundsätzlich liberal eingestellt. Der staatliche Eingriff sollte in den Märkten – egal, ob Finanzmärkte oder andere- auf ein Minimum beschränkt bleiben. Als Negativbeispiel kann z.B. die Landwirtschaft angeführt werden.

Unterschiedliche Umsetzung von EU – Richtlinien gab es bisher zuhauf. So ist auch hier zu befürchten, dass es keine EU-weit einheitliche Umsetzung der neuen Steuer gibt.

Anleihen Finder Redaktion:
Bei Ihrer letzten Musterdepot-Anpassung haben Sie 31.000 Euro bewegt – und hätten damit 31 Euro Transaktionssteuer bezahlen müssen. Das erscheint zunächst nicht viel, summiert sich aber bei vielen Bewegungen im Depot. Bei Banken oder Fondsverwaltern, die häufiger umschichten, könnte dies schon teurer werden. Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Steuer hier ein?

Lothar Probst: Ich befürchte nochmals einen deutlichen Rückgang bei den Umsätzen an der Börse. Dadurch wird die ohnehin schwach ausgeprägte Aktienkultur weiter kaputt gemacht.

Die Einnahmen aus dieser Steuer werden deutlich überschätzt. Außerdem werden die Märkte nicht mehr so gut funktionieren durch die zu erwartenden größeren Spreads und die zurückgehende Liquidität – vor allem in Extremsituationen.

Unverständlich  sind auch die unterschiedlich geplanten Steuersätze. Schließlich sollen Derivate ja Auslöser der Finanzkrise gewesen sein.

Anleihen Finder Redaktion: Was sollten die Verantwortlichen besonders im Blick haben, wenn es um die Ausgestaltung der neuen Steuer geht?

Lothar Probst: Um einen möglichst hohen Betrag aus dieser Steuer abzuschöpfen, sollte alles mit 0,01% besteuert werden. Ebenso sollten alle Marktteilnehmer -auch Makler – gleich behandelt und besteuert werden. Das hätte den Charme, dass sich möglichst wenig Marktteilnehmer aus dem aktiven Geschehen zurückziehen. Diese Steuer soll der Idee nach die Kosten der Finanzkrise bezahlen. Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen, die Verursacher der Krise -also die Banken- direkt in die Verantwortung zu nehmen und nicht mit einer Steuer ums Eck zu kommen, die wieder auf die Allgemeinheit umgelegt wird.

Anleihen Finder Redaktion: Vielen Dank für Ihre Einschätzungen.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Images of Money/flickr(oben), lp inviso GmbH (unten)

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