Strafzölle für China werfen Schatten auf deutsche Solarunternehmen – Setzt der Strafzoll die Solar-Branche sogar noch mehr unter Druck?

Donnerstag, 20. Juni 2013


Nach vielen kontrovers geführten Verhandlungen hat die EU-Kommission nun entschieden: Wegen „Preis-Dumpings“ werden zukünftig Zölle auf Photovoltaik-Komponenten aus China erhoben und zwar vorläufig in Höhe von 11,8 Prozent. Ab August könnten die Zölle dann deutlich angehoben werden. Aber hilft das den deutschen Solarunternehmen tatsächlich, wieder auf die Beine zu kommen? Oder setzen die Zölle die Branche sogar noch mehr unter Druck?

Mit Preisen für Solarzellen, die unter den Herstellungskosten liegen, wollen chinesische Lieferanten die europäische Konkurrenz aus dem Markt drängen. So jedenfalls lautet der Vorwurf einiger deutscher Hersteller von Solarkomponenten wie beispielsweise des angeschlagenen Bonner Unternehmens Solarworld. Zahlreiche andere Player auf dem deutschen Markt für Solarenergie schlagen angesichts der nun beschlossenen Strafzölle jedoch die Hände über dem Kopf zusammen.

Schutzzölle: Photovoltaik-Anlagen in der EU nicht mehr rentabel

„Von den Strafzöllen profitieren einige wenige deutsche Hersteller von Solarkomponenten“, erklärt Philippe Welter, Branchenspezialist und Herausgeber des Solarstrom-Magazins „Photon“. „Dagegen werden viele Projektierer von Solarparks sowie Händler und Handwerker darunter leiden, da die Solarmodule für sie jetzt teurer werden.“  Neben den Überkapazitäten im Markt und der gesunkenen Vergütung durch die EEG-Novelle seien die Strafzölle nun ein weiterer Faktor, der die Branche belastet. „ Sollte es zu dauerhaften Zöllen kommen, würden chinesische Module so teuer, dass sich damit in der EU nur noch schwerlich Photovoltaik-Anlagen rentabel errichten lassen. Das gleiche gilt dann aber auch für gleichteure EU-Module“, befürchtet Welter.

Viele Solar Projektierer sind auch Anleihe-Emittenten

Unter den Solarpark-Projektierern sind viele mittelständische Anleihe-Emittenten (siehe Tabelle). Je nach Geschäftsmodell müssen diese sich nun mit steigenden Preisen für Solarzellen arrangieren.

Einkäufer von Solarzellen ist auch die Centrosolar AG aus München. Das Unternehmen produziert und vertreibt Photovoltaik-Komplettsysteme für Eigenheime und kleinere Betriebe. Die Solarmodule stellt Centrosolar selbst in Deutschland her. „Die Zellen für unsere Module kommen jedoch nicht aus der Eigenproduktion, sondern die beziehen wir aus Asien – wenn auch nicht aus China“, erläutert Dr. Alexander Kirsch, CEO der Centrosolar AG. „Die Module aus China haben bei den kleineren Dachanlagen, die wir bauen, keinen so hohen Marktanteil, weil der Modulpreis nur einen prozentual geringen Anteil der Gesamtkosten ausmacht.“ Bezüglich der Strafzölle hofft Dr. Kirsch auf eine Verhandlungslösung. „Nachdem die USA Preisdumping festgestellt haben, hat es nun auch die EU. Es wird jetzt sicher etwas geschehen, idealerweise eine einvernehmliche Lösung.“

Deutlich kritischer ist die Meinung von Dr. Andreas Hoynigg, Vorstand der Anleihe-Emittentin Solar8 Energy AG. „Ich halte jede Art von Handelshemmnissen für falsch. Ich glaube auch nicht an einen nachhaltigen positiven Effekt der Strafzölle für die europäische Solarindustrie.“ Solar8 Energy betreibt Photovoltaik-Großkraftwerke in Italien. Von den Strafzöllen ist das Unternehmen laut Hoynigg (noch) nicht betroffen. „Da wir zurzeit keine neuen Anlagen errichten, hat dies keinen Einfluss auf unser Geschäft.“

S.A.G.-Solarstrom: Keine Dividende wegen Strafzöllen

Die Aktionäre der S.A.G. Solarstrom AG dagegen, verzichten nicht zuletzt wegen der EU-Entscheidung sogar auf eine Dividendenausschüttung. „Angesichts des nach wie vor schwierigen Marktumfeldes mit den Anfang Juni eingeführten Strafzöllen auf chinesische Module sollen der Unternehmensgruppe mit dieser Liquiditätsreserve Handlungsspielräume eröffnet werden“, begründet das Solarunternehmen in einer Pressemitteilung diesen Schritt.

Dr. Karl Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der S.A.G. Solarstrom AG, findet zu den Strafzöllen der EU deutliche Worte: „Die Zölle werden nur eins erreichen – nämlich den deutschen und europäischen Markt zunächst sehr effektiv abzuwürgen.“  Die S.A.G. Solarstrom AG produziert selbst keine Komponenten, sondern kauft qualitätsorientiert nach Preis-Leistungsverhältnis auf dem Weltmarkt ein. Aktuell bezieht das Unternehmen den überwiegenden Anteil seiner Module aus China, weil es dort ein sehr attraktives Preis-Leistungsverhältnis vorfindet. Dr. Kuhlmann: „Die Strafzölle haben daher erheblichen Einfluss auf unsere Geschäftstätigkeit in Europa. Wir werden in den nächsten Wochen Möglichkeiten eruieren, eventuell über Drittländer zu sourcen, auf andere Hersteller auszuweichen oder Kostensenkungspotenziale im Gesamtsystem zu erschließen. Im Moment bestätigen wir noch unsere Prognose. Allerdings wird es sicher auch von entscheidender Bedeutung sein, ob sich eine Verhandlungslösung zwischen der EU-Kommission und China bis August abzeichnen wird.“

Es bleibt abzuwarten, wie die neuen Strafzölle – sollten sie beibehalten und sogar erhöht werden – den deutschen Markt für Solarenergie langfristig beeinflussen. Eines scheint jedoch sicher: Einem Großteil der betroffenen Unternehmen hat die EU mit ihrer Entscheidung keinen Gefallen getan.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: saxon/flickr

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