SiC Processing: Frisches Kapital für Expansion und Forschung

Montag, 14. März 2011

Mit dem „SiC-Processing-TechBond“ hat der Spezialdienstleister für die Photovoltaik-Industrie seine erste Unternehmensanleihe begeben. Thomas Heckmann, CEO von SiC, stellt sich den Fragen von Anleihen Finder.

Anleihen Finder: „Sehr geehrter Herr Heckmann, die SiC-Gruppe ist der weltweit führende Anbieter für die Wiederaufbereitung von Grundstoffen, die im Rahmen der Wafer-Herstellung für die Photovoltaik-Industrie eingesetzt werden. Würden Sie uns bitte das Kernprodukt der SiC-Gruppe etwas näher bringen und darlegen?“

Thomas Heckmann: Wafer, die Silizium-Trägerplatten für Solarmodule, werden im Nasssägeverfahren aus großen Siliziumblöcken gesägt. Dabei wird Sägesuspension – so genannte Slurry – eingesetzt. Sie besteht aus Siliziumcarbid (SiC) und Glykol.
„SiC Processing verfügt über ein eigenes, patentgeschütztes Verfahren und erzielt einzigartige Rückgewinnungsraten.“
Durch den Sägeprozess verunreinigt die Slurry und nutzt sich ab. Um schlechtere Produktionsergebnisse zu vermeiden und eine gleichbleibend hohe Qualität in der Wafer-Herstellung zu gewährleisten, muss die Sägesuspension regelmäßig aufbereitet werden. SiC Processing wendet für dafür ein eigenes, patentgeschütztes Verfahren an und erzielt damit Rück-gewinnungsraten, die kein anderes Verfahren bietet: 75 bis 85 Prozent beim Siliziumcarbid und über 95 Prozent beim Glykol. So sparen unsere Kunden beim Rohstoffeinsatz etwa 50 Prozent.

Anleihen Finder: „Die Emission Ihres TechBonds war bereits am ersten Zeichnungstag (16.02.2011) ein durchschlagender Erfolg: Rund die Hälfte des Emissionsvolumens von EUR 100 Mio. wurde platziert. Was ist Ihre Erklärung für diesen Platzierungserfolg und wie werden Sie das Kapital verwenden?“

Thomas Heckmann: Unsere Erfolgsgeschichte und unsere Wachstumsaussichten, gepaart mit dem für ein mittelständisches Unter-nehmen überdurchschnittlich guten BBB+ Rating überzeugen die Anleger. Bislang sind wird in Deutschland, Norwegen, USA, Italien und China gut aufgestellt. Weiter wachsen werden wir in den Zukunftsmärkten Indien und China.
Wir wollen die Mittel verwenden, um unsere Aufbereitungskapazitäten von derzeit jährlich 215.000 Tonnen auf über 400.000 Tonnen zu erhöhen. Die Abnahme dieser Mengen ist bereits überwiegend durch feste Verträge gesichert. Wir haben 16 Linien im Plan, mit je 15.000 Tonnen Kapazität pro Linie, davon bereits 10 Linien im Bau. Die neuen Produktionslinien werden allesamt in Asien errichtet, vor allem in China, aber auch der indische Markt wird sehr stark wachsen.
Außerdem investieren wir in Forschung und Entwicklung. Dazu werden wir den Standort Bautzen weiter ausbauen. Dort haben wir gerade eine Pilotanlage in Betrieb genommen, um unsere Produktionsabläufe und –verfahren weiter zu optimieren. Auch die Entwicklung neuer Anwendungsgebiete ist für uns ein Thema. Aber der Großteil der Mittel fließt in die Expansion und in Forschung und Entwicklung.

Anleihen Finder: „Sie weisen im Emissionsprospekt auf einen umfangreichen Katalog an Risiken hin. Einige der genannten Risiken, wie z.B. dass aufgrund von mangelhaften Risiko-Management-Systemen Schäden entstehen können, werden im Ratingbericht dahingehend entkräftet, dass Ihre Systeme absolut funktionsfähig sind.
Andere Risiken scheinen relevanter zu sein. Halten Sie es beispielsweise für notwendig, Ihre schmale Kundenbasis zu verbreitern? Haben Sie eine Strategie, um mit einer weiteren Reduzierung der staatlichen Unter-stützung Ihrer Abnehmer – den Herstellern von Photovoltaikanlagen – und dem damit potenziell entstehen-den Nachfragerückgang umzugehen?“

Thomas Heckmann: In Deutschland, wo aktuell die Solarförderung deutlich reduziert wird, erwirtschaften wir nur etwa ein Viertel unseres Umsatzes. Gut drei Viertel des Jahresumsatzes erzielen wir mit unseren Standorten im übrigen Europa, den USA und China. Einen Nachfragerückgang in Deutschland können wir nicht bestätigen. Die großen Wafer-Produzenten sind seit langem solide Stammkunden der SiC Processing. Darüber hinaus arbeiten  wir ständig  daran, unsere Kundenbasis zu verbreitern. Unser Engagement in China und Indien eröffnet uns dazu beste Möglichkeiten.

Anleihen Finder: „In den Anleihebedingungen ist ein Kündigungsrecht für SiC vorgesehen, so dass die Anleihe zu verschiedenen Zeitpunkten und Kaufpreisen von den Anlegern zurück erworben werden kann. Gibt es einen besonderen Grund für das Rückkaufsrecht und wird den Anlegern der eventuell entstehende Zinsausfallschaden durch eine Vorfälligkeitsentschädigung ausgeglichen?“

Thomas Heckmann: Nein, mit dem Rückkaufsrecht wollen wir uns die Flexibilität in der Unternehmensfinanzierung bewahren. Im Falle einer vorzeitigen Kündigung der Anleihe erhalten die Anleger, abhängig vom Wahlrückzahlungstag, einen Zinsaufschlag von bis zu einem Prozent auf den Nennbetrag.

Anleihen Finder: „Auch den Anleihegläubigern wird ein Kündigungsrecht im Rahmen eines Kontrollwechsels eingeräumt (Erläuterung: bisherige Mehrheitsgesellschafter geben die Stimmenmehrheit z.B. durch Veräußerung an Dritte ab). Gibt es solch eine Change-of-Control-Klausel auch für andere Finanzierungsverträge? Könnte den Anleihegläubigern ein Schaden daraus entstehen, dass dieses Recht auch von diesen Gläubigern wahrgenommen wird und für wie wahrscheinlich halten Sie einen Kontrollwechsel?“

Thomas Heckmann: Wir haben derzeit noch einen Darlehensvertrag mit einer Change-of-Control-Klausel auf Ebene der SIC Processing GmbH. Diesen werden wir allerdings aus den Erlösen zurückführen, sodass darüber hinaus keine weiteren Kündigungsrechte bestehen.
Da unser derzeitiger Gesellschafterkreis seit August 2010 an Bord ist, rechnen wir kurzfristig nicht mit einem Kontrollwechsel.

Anleihen Finder:„Laut Prospekt ist die Emittentin der Anleihe, die SiC Processing GmbH, als Konzernobergesellschaft der Gruppe eine reine Managementgesellschaft, ohne eigene operative Tätigkeit. Die Geldströme zur Bedienung des Kapitaldienstes müssten nach unserem Verständnis also aus der Gewinnabführung der Tochtergesellschaften generiert werden. Die Gläubiger der Tochtergesellschaften bzw. die mit Vermögensgegenständen von Tochtergesellschaften besicherten Fremdkapitalgeber würden demnach vor den Anleihegläubigern bedient. Ist unser Verständnis der strukturellen Nachrangigkeit der Anleihe richtig und entsteht hieraus für die Anleihegläubiger ein erhöhtes Ausfallrisiko?“

Thomas Heckmann: In Summe ist an dieser Stelle zu betonen, dass die SiC Processing-Gruppe eine sehr niedrige Nettoverschuldung aufweist – lediglich das 1,5-fache des EBITDA zum Jahresende 2010. Dies beinhaltet auch alle Kreditverträge bei den Tochtergesellschaften.
Die SiC Processing GmbH erzielt feste Einnahmen über Lizenz- und Managementleistungen, die sie für Ihre Tochtergesellschaften erbringt. Außer-dem gehen die Gewinne der Produktionsgesellschaft in Bautzen im Rahmen eines Ergebnisabführungs-vertrages an die SiC Processing GmbH. Die in den beiden deutschen SiC-Gesellschaften generierten Cash Flows sind mehr als ausreichend, um den Kapitaldienst für die Anleihe zu bedienen. Die Creditreform hat die SiC Processing GmbH mit BBB+ bewertet, was einer stark befriedigenden Bonität und einem niedrigen Ausfallrisiko von ca. 5 Prozent über die nächsten 5 Jahre entspricht.

Anleihen Finder: „Die im Ratingreport der Creditreform Rating Agentur genannten IFRS-Konzernumsatz- und Ertragszahlen zeigen abermals imposante Steigerungen von EUR 100 Mio. auf EUR 160 Mio. bzw. von EUR 10 auf EUR 18 Mio.
Auf Basis der im Prospekt veröffentlichten Zwischenzahlen zum 30.09.2010 entsprach das EBIT (Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern) des Konzerns dem Fünf-fachen der Zinslast. Entsprechend gut gesichert war die Schuldendienstfähigkeit der Gruppe, was sich auch in der vergebenen Ratingnote BBB+ widerspiegelt. Wie sind Ihre Pläne für 2011? Dürfen die Anleger abermals mit einer solch starken Entwicklung rechnen?“

Thomas Heckmann: Für 2011 rechnen wir mit rund 200 Millionen Euro und für 2012 mit 300 Millionen Euro Umsatz. Das heißt: Wir wachsen weiterhin dynamisch. Wir gehen davon aus, dass unsere EBITDA-Marge in den kommenden drei Jahren von aktuell 30 Prozent auf über 40 Prozent steigt. Maßgeblich dazu beitragen werden unsere Werke in den asiatischen Märkten, denn dort profitieren wir von einer niedrigeren Kostenstruktur. Das bedeutet: Wir wachsen nachhaltig und profitabel!

Anleihen Finder: „Wir danken Ihnen für Ihre offenen Worte und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Erreichung Ihrer Unternehmensziele.“

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