PORR-Chef Strauss: „Ich betone, dass wir in diesem Jahr unser Ergebnis deutlich verbessern“

Donnerstag, 29. November 2012


Im zweiten Teil des Anleihen Finder-Interviews spricht Karl-Heinz Strauss (Foto), Vorstandsvorsitzender der österreichischen PORR AG über ein besseres Jahresergebnis, weniger Eigenkapital und sinkender Produktionsleistung bei gleichzeitig steigendem Auftragseingang und Auftragsbestand.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie uns bitte die Gründe dafür nennen, warum Sie laut Prospekt keine Prognose zur GuV für das laufende Jahr abgeben wollen? Sie sagen, „die Aussichten der Emittentin haben sich nicht wesentlich verschlechtert“ zu 2011. Heißt dies, dass ein Konzernergebnis iHv EUR – 70 Mio. (analog zu 2011) zu erwarten ist?

Karl-Heinz Strauss: Prognosen sind grundsätzlich immer sehr vage. In meiner bisherigen Laufbahn war ich immer gut beraten, nicht allzu viel zu spekulieren. Ich möchte aber betonen, dass wir in diesem Jahr unser Ergebnis deutlich verbessern konnten. Zum 30. Juni 2012 konnten wir ein EBIT von knapp EUR 19 Mio. verzeichnen, was einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von fast EUR acht Millionen bedeutet. Mit einem Auftragsbestand von fast EUR 3,2 Mrd. zum 30. Juni 2012 liegen wir außerdem rund 36 Prozent über dem Vorjahreswert. Damit sind unsere Auftragsbücher bereits jetzt so gut gefüllt, dass für dieses Jahr nahezu alle Kapazitäten voll ausgelastet sind. Ich gehe darauf basierend davon aus, dass wir durch unsere diversifizierten Projekte Erträge und Cashflows generieren, um unsere Stabilität festigen und unsere mittelfristigen Ziele erreichen zu können.

Anleihen Finder Redaktion: Ein Blick in die Entwicklung der Eigenkapitalausstattung zeigt ein Rückgang von EUR 477,3 Mio. in 2010 auf EUR 303,2 Mio. in 2011. Dies ist nicht allein durch das Konzernergebnis in 2011 zu erklären. Wodurch ist der signifikante Rückgang begründet?

Karl-Heinz Strauss: Der Rückgang ist neben dem negativen Jahresergebnis 2011 auf den Erwerb der restlichen 47,5 Prozent der Anteile an der TEERAG-ASDAG AG zurückzuführen. Das führte unter anderem zum Wegfall wesentlicher Anteile der nicht kontrollierenden Gesellschafter von Tochterunternehmen. Daneben reduzierte dieser Erwerb den Anteil der Aktionäre des Mutterunternehmens am Eigenkapital. Wie bereits erwähnt, planen wir in den kommenden Jahren die Eigenkapitalseite zu stärken. Die PORR AG verfügt derzeit über ca. EUR 700-800 Mio. an Immobilienvermögen. Davon sind ca. EUR 300 Mio. betriebsnotwendig. Der restliche Teil soll durch verschiedene Maßnahmen veräußert werden. Hierdurch wollen wir in den kommenden Jahren eine Bilanzverkürzung und einen Abbau von Verbindlichkeiten erreichen.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie uns bitte kurz erläutern, weshalb bei steigendem Auftragseingang und Auftragsbestand die Produktionsleistung sinkt?

Karl-Heinz Strauss: Wir konzentrieren uns im Rahmen der strategischen Neupositionierung in unserer Geschäftstätigkeit verstärkt auf die wirtschaftlich stabilen Heimmärkte. Hier konnten wir uns im ersten Halbjahr 2012 mit EUR 710 Mio. über einen Zuwachs der Produktionsleistung von knapp 1,1 Prozent freuen. Die mit dieser Strategie einhergehende selektive Projektauswahl bedingt die von Ihnen angesprochene Entwicklung. Daneben hatten die Fertigstellung einiger Großprojekte, wie der Save-Brücke in Belgrad, witterungsbedingte Einflüsse sowie das wirtschaftlich schwierige Umfeld einen erheblichen Anteil an der sinkenden Produktionsleistung. Darüber hinaus werden die Umsätze aus denen im 4. Quartal 2011 akquirierten Großaufträgen erst schwergewichtig in 2013 verumsatzt. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass nicht die Leistung, sondern das Ergebnis unseren Unternehmenserfolg misst.

Anleihen Finder Redaktion: Sie haben bereits frühzeitig ein Fokussierungs- und Optimierungsprogramm mit dem Namen fitforfuture gestartet. Was genau verstehen Sie darunter und können Sie die erwarteten Effekte bitte quantifizieren?

Karl-Heinz Strauss: Wir verfolgen seit 2011 einen rigorosen Optimierungsprozess, der eine umfassende Restrukturierung des Konzerns beinhaltet. Mit der neuen Organisationsstruktur soll eine deutliche Effizienzsteigerung erzielt werden. Dabei sichern neu strukturierte Managementteams mit klaren Verantwortlichkeiten eine ergebnisorientierte, transparente Führung. Konkret streben wir also über das Optimierungsprogramm fitforfuture bis zum Jahr 2015 neben einer Effizienzsteigerung auch vermehrte Standardisierung, Prozessoptimierung und Komplexitätsreduktion an und sehen in diesem Prozess ein deutliches Potenzial zur Kosteneinsparung.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Konsequenzen ergeben sich für die PORR AG, wenn die Maßnahmen nicht in diesem Umfang oder sehr verspätet eintreten?

Karl-Heinz Strauss: Diese Restrukturierung haben wir nicht umsonst Optimierungsprozess genannt. Der Begriff beantwortet Ihre Frage bereits: Wir waren auch vorher schon gut für die aktuellen Herausforderungen des Umfeldes aufgestellt und wollen uns jetzt strategisch noch verbessern. Dabei möchte ich betonen, dass wir bereits erste Erfolge basierend auf fitforfuture verzeichnen konnten und damit dieser Prozess positiv gestartet ist. Daher gehe ich davon aus, dass sich dies auch in der zukünftigen Entwicklung fortsetzen wird.

Anleihen Finder Redaktion: Lassen Sie uns nun über Ihre aktuelle Anleiheemission sprechen. Was planen Sie mit dem eingesammelten Kapital?

Karl-Heinz Strauss: Wir planen mit den finanziellen Mitteln aus der Emission die Finanzkraft nachhaltig zu stärken und das Finanzportfolio unseres Konzerns zu optimieren. Daneben verwenden wir den Erlös, um Finanzverbindlichkeiten, die in 2013 fällig werden, bedienen zu können.

Anleihen Finder Redaktion: Hinsichtlich der Rückführung auslaufender Verbindlichkeiten stellt sich uns die Frage: Liegen die Konditionen der Anleihe unterhalb der bestehenden Zinsbelastungen? Wäre ein Bankkredit nicht günstiger gewesen?

Karl-Heinz Strauss:
Wir haben uns für die Emission einer Unternehmensanleihe entschieden, da wir in den vergangenen Jahren mit dieser Finanzierungsmaßnahme durchweg positive Erfahrungen gemacht haben. Eines der wesentlichen Ziele, die wir seit jeher verfolgen, ist, unsere Bankenlinien für die operative Projektfinanzierung sowie für Avallinien, die im Projektgeschäft eine unabdingbare Notwendigkeit darstellen, freizuhalten.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang Ihr Genussrecht mit einem Volumen von EUR 70 Mio.? Wie lange läuft es noch und soll es eventuell auch getilgt werden?

Karl-Heinz Strauss: Das Genussrecht ist Eigenkapital und hat daher keine fix vorgesehene Fälligkeit. Die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit wird regelmäßig überprüft.

Anleihen Finder Redaktion: Die Emittentin der Anleihe ist eine Holdinggesellschaft und verfügt daher selbst über keinerlei nennenswertes operatives Geschäft und ist auf die Zahlungen aus ihren Beteiligungen angewiesen. Sollten diese verspätet oder teilweise gar nicht fließen, könnte dies auch massive Auswirkungen auf die Bedienung der Zinszahlungen der Anleihe haben. Wie lange würde Ihr Liquiditätsmanagement in der Holding in einem solchen Fall ausreichen?

Karl-Heinz Strauss: Für die PORR ist es entscheidend, dass unsere Projekte wie in der Vergangenheit erfolgreich abgewickelt werden. Dabei ist das Risiko, dass die Emittentin der Anleihe als Holdinggesellschaft von den Töchtern abhängig ist, meiner Meinung nach eher theoretischer Natur.

Anleihen Finder Redaktion: Was waren die Argumente, weshalb Sie auf ein Rating der Emittentin oder der Anleihe verzichtet haben?

Karl-Heinz-Strauss: Die PORR AG erfüllt wegen des langjährigen Börsenlistings einen hohen Transparenzlevel. Ratings dienen in der Regel privaten Gesellschaften, die zuvor keine Zahlen und Informationen veröffentlicht haben. Unser Unternehmen hat sich aber bereits einen Track Record im Anleihemarkt aufgebaut.

Anleihen Finder Redaktion: Abschließend stellt sich uns noch die Frage, welche Veränderungen Sie durch die neue Eigentümerstruktur durch die Übernahme durch die Strauss-Gruppe sehen – insbesondere im Hinblick auf die Anleihe-Gläubiger und die Mittelverwendung?

Karl-Heinz Strauss:
Am 25.10.2012 haben wir bekannt gegeben, dass die STRAUSS-Gruppe ein Aktienpaket erworben hat, das insgesamt einem Anteil an den Stimmrechten von 37,93 Prozent und einem Anteil am Grundkapital von 47,89 Prozent der PORR entspricht. Gemeinsam mit der Ortner-Gruppe halten wir damit rund 72,75 Prozent aller stimmberechtigten Aktien. Gemeinsam bilden wir ein langfristiges Syndikat. Für Anleihegläubiger kann das nur positiv sein, da wir ein nachhaltiges und stabiles Aktionariat mit einem zentralen Interesse an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens bilden. Die Veränderung in der Aktionärsstruktur ist natürlich auch  ein guter Zeitpunkt, die Möglichkeiten des Kapitalmarkts grundsätzlich zu prüfen und neu für das Unternehmen zu nutzen.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Strauss, vielen Dank für das sehr offene Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Allgemeine Baugesellschaft – A. Porr Aktiengesellschaft PORR

Links zum Thema:

1. Interview-Teil: PORR-Chef Karl-Heinz Strauss: Wir haben das Risiko einer Immobilienblase im Blick

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