„Planbares Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Erlösen“ – Doppel-Interview mit der JDC-Spitze Dr. Sebastian Grabmaier und Ralph Konrad

Die Jung, DMS & Cie. Pool GmbH hat sich für die Begebung einer Folgeanleihe entschieden. Die neue 5,50%-Anleihe des Finanzdienstleisters kann zwischen dem 11.11. und 27.11.2019 gezeichnet werden. Gleichzeitig findet auch eine Privatplatzierung bei qualifizierten Anlegern und ein Umtauschangebot für Alt-Anleger bis zum 22.11.2019 statt. Der Anleihen Finder hat mit den beiden Vorständen des Unternehmens, CEO Dr. Sebastian Grabmaier und CFO Ralph Konrad, über JDC und die neue Anleihe gesprochen.
Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Konrad, warum hat sich die Jung, DMS & Cie. Pool GmbH für das Finanzierungsinstrument „Unternehmensanleihe“ entschieden?

Ralph Konrad: Die erste Anleihe haben wir im Jahr 2015 emittiert. Damals war es unser Wunsch, unsere Unternehmensfinanzierung unabhängig von Banken zu gestalten, um nicht abhängig von Entscheidungen einzelner Personen oder Abteilungen zu sein. Das war aus heutiger Sicht auch richtig. Wir fühlen uns mit dem Finanzierungsinstrument der Anleihe sehr wohl.
Anleihen Finder: Neben der Refinanzierung der JDC-Anleihe 2015/20 – wo haben Sie konkreten weiteren Investitionsbedarf?
Ralph Konrad: Wir haben neben der JDC-Anleihe 2015/2020 noch ein kleineres Bankdarlehen von ca. 2,5 Mio. EUR in der Bilanz, welches wir zurückführen wollen. Daneben wollen wir in unser Wachstum investieren und wie bisher auch weitere Versicherungs- und Fondsbestände kaufen. Das ist für uns ein sehr rentierliches Geschäft.
Anleihen Finder: Was ist denn genau das Geschäftsmodell der Jung, DMS & Cie. Pool GmbH?
„App anstatt verstaubter Versicherungsordner“
Sebastian Grabmaier: JDC ist ein Technologie- und Serviceprovider für Finanzberater, größere Finanzvertriebsorganisationen (z.B. Banken) und für Endkunden. Wir digitalisieren Informationen rund um Finanzprodukte und stellen diese unseren Kunden und den Endkunden in modernen Softwaresystemen zur Verfügung. Der Finanzberater kann so sein Geschäft effizienter abwickeln und der Endkunde hat erstmals alle Informationen über seine Finanzprodukte in einer App und kann seinen verstaubten Versicherungsordner zur Seite stellen.
Anleihen Finder: Um es besser zu veranschaulichen – wer sind Ihre Kunden?

Sebastian Grabmaier: Unsere ersten Kunden waren Finanzmakler. Davon haben wir mittlerweile mehr als 16.000. Die Zusammenarbeit mit Maklern ist auch immer noch unsere Leidenschaft. Inzwischen sind unsere Kunden aber deutlich größer. Wir wickeln z.B. das Belegschaftsgeschäft von Lufthansa, BMW und bald auch VW ab. Bei den Banken nutzen z.B. die Sparda Süd West und die comdirect Bank unsere Plattform.
Anleihen Finder: In wieweit sind Sie dabei vom Mutterkonzern, der börsennotierten JDC Group AG, abhängig bzw. mit diesem verflochten? Es gibt ja bspw. einen Gewinnabführungsvertrag.
Ralph Konrad: Ja, es gibt einen Ergebnisabführungsvertrag. Insofern ist die Jung, DMS & Cie. Pool GmbH eng mit dem Konzern verflochten. Zum Beispiel nutzt die Jung, DMS & Cie. Pool GmbH die gesamte Technologie-Plattform, die in der Muttergesellschaft entwickelt und betrieben wird. Auch werden bestimmte Funktionen (z.B. Finanzen) aus der Holding erbracht. Über alle Produkteinheiten deckt die JDC-Gruppe als einziger Anbieter vom Frontend zum Backend eine umfassende Abwicklungsarchitektur aus einer Hand über die gesamte Wertschöpfungskette ab. Die Jung, DMS & Cie. Pool GmbH als Emittentin ist dabei die zentrale Stelle im Konzern, bei der die Provisionen generiert und abgerechnet werden.
Anleihen Finder: Stichwort Digitalisierung: Wie hat sich der Markt für Finanzdienstleistungen in den letzten Jahren geändert? Was sind die großen Herausforderungen für Ihr Unternehmen?
„Endkunden erwarten von der Finanzbranche digitale Dienstleistungen“
Sebastian Grabmaier: Auf der einen Seite haben wir „alle drei Monate“ eine neue Regulierungswelle. Jede gesetzliche Änderung muss in der IT von Finanzdienstleistern abgebildet werden. Das erfordert sehr viel Geld und die Kosten steigen stetig. Auf der anderen Seite erwarten die Endkunden inzwischen auch von der Finanzbranche digitale Dienstleistungen. Vor allem die Versicherungsbranche hinkt hier aber bislang deutlich hinterher. Die Brücke schlagen Unternehmen wie JDC, die analoge Versicherungsprozesse digitalisieren und sich dabei stets auf dem neuesten Stand der Regulierung befinden. Das können sich aber nur noch die großen Plattformen der Branche – wie z.B. der JDC-Konzern – leisten. Kleinere Unternehmen werden aus dem Markt ausscheiden – da sind sich alle Experten einig.
Hinweis: Sie lesen ein Interview aus unserem aktuellen Anleihen Finder-Newsletter November-01-2019. Bleiben Sie stets kostenlos informiert.
Anleihen Finder: Andersherum gefragt, wo sehen Sie die größten Zukunfts-Potenziale des Konzerns?
Sebastian Grabmaier: Wir werden von dieser Konsolidierung überproportional profitieren. Immer mehr Makler und auch größere Vermittlungsorganisationen, wie ganz aktuell z.B. die VW Bank, entscheiden sich, unsere Versicherungsplattform zu nutzen. Wie erwähnt, können kleinere Unternehmen hier nicht mehr Schritt halten. Der gesamte Versicherungsmarkt wächst aber. Deshalb können wir unseren Marktanteil steigern.
Anleihen Finder: Wie haben sich die operativen Finanzkennzahlen in den letzten Jahren entwickelt? Welche Geschäftsbereiche florieren dabei, welche sind eher problematisch?
„Besonders stark wächst unser AdvisorTech-Bereich“
Ralph Konrad: Problematische Geschäftsbereiche sehe ich nicht. Besonders stark wächst unser AdvisorTech-Bereich, innerhalb dessen wir Großkunden wie z.B. Albatros, mit rund 150.000 Verträgen der führende Belegschaftsmakler der Lufthansa, abwickeln. Hier sind wir zum Halbjahr 2019 um über 20% gewachsen und seitdem sind weitere Großkunden wie BMW, comdirect oder die Sparda Bank dazugekommen. Aber auch der Advisory Bereich, also die klassische Finanzberatung über angebundene Vermittler, wächst erfreulich. Die Jung, DMS & Cie. Pool GmbH ist unsere profitabelste Einheit im Konzern und kann ihr Ergebnis seit Jahren steigern.
Anleihen Finder: Wie ist das Verhältnis Eigenkapital/Fremdkapital?
Ralph Konrad: Unsere Eigenkapitalquote im Konzern ist bei ca. 40% und damit auskömmlich. Bei der Jung, DMS & Cie. Pool GmbH ist die Eigenkapitalquote geringer, weil die steigenden Gewinne über den Ergebnisabführungsvertrag an die Mutter abgeführt werden und rein technisch keine Gewinnrücklagen in der Jung, DMS & Cie. Pool GmbH gebildet werden können.
Anleihen Finder: Die neue Anleihe wird mit 5,50% p.a. verzinst und liegt damit 0,50% unter dem Vorgänger-Bond, der einige Sicherheiten aufzuweisen hatte. Warum ist das gerechtfertigt und welche Sicherheiten bieten Sie bei der aktuellen Anleihe?
Ralph Konrad: Auch die neue Anleihe ist wieder besichert, die Struktur hat sich gegenüber der JDC-Anleihe 2015/2020 nur in Nuancen geändert. Der reduzierte Zins folgt zum einen der Entwicklung des Zinsniveaus und zum anderen der positiven Entwicklung der Jung, DMS & Cie. Pool GmbH und der gesamten JDC-Gruppe. In den vergangenen Jahren haben wir uns vom reinen Maklerpool zur Technologie- und Serviceplattform mit eigenentwickelten Software-Lösungen und innovativen Tools weiterentwickelt. Mit 5,5% Zins p.a. bieten wir im aktuellen Anleihe-Umfeld sicher ein attraktives Produkt.
Anleihen Finder: Warum haben Sie sich diesmal für ein öffentliches Anleihen-Angebot an Privatanleger entschieden?
„Erwarten eine deutlich höhere Liquidität“
Ralph Konrad: Unsere erste Anleihe haben wir im Rahmen einer Privatplatzierung emittiert. Das hat anfänglich zu einer schlechten Liquidität in der Anleihe geführt. Es hat dann einige Zeit gedauert, bis die Anleihe stabil über 100% notiert hat. Bei einem öffentlichen Angebot unter Einbeziehung von Privatanlegern ist mit einer deutlich höheren Liquidität zu rechnen. Das sollte den Kurs der Anleihe positiv beeinflussen.
Anleihen Finder: Konnten rückblickend die Mittel der Erst-Anleihe zielführend verwendet werden?
Sebastian Grabmaier: Ja, das konnten wir. Wir wollten von den 15 Mio. EUR rund 5 Mio. EUR im Konzern umfinanzieren und rund 10 Mio. EUR in Versicherungsbestände investieren. Letzteres ist besonders gut gelungen. Wir haben nämlich nicht nur die Versicherungsbestände der Geld.de erwerben können, sondern zusätzlich noch die gesamte technische Plattform, die heute ein zentraler Bestandteil unserer gesamten IT ist. Letztlich haben wir mit den aus den Mitteln aus der Anleihe 2015/2020 erworbenen Versicherungsbeständen auch die erfolgreiche Entwicklung der White-Label-Plattform mitfinanziert.
Anleihen Finder: Ihr Schluss-Plädoyer: Warum ist die neue JDC-Anleihe sowohl für die Emittentin als auch für die Anleger ein lohnendes Investment?
Sebastian Grabmaier: Der Erwerb von Fonds- und Versicherungsbeständen ist für uns eine attraktive Geldanlage. Wir sind in der Lage, diese Bestände auf unserer Plattform effizient zu verwalten und damit attraktive Renditen zu erzielen. Die Finanzierungsform der Anleihe macht uns außerdem unabhängig von Banken. Die Anleger erhalten eine attraktive Verzinsung und sind damit an den Erträgen aus einem sehr planbaren Geschäftsmodell beteiligt. Die Jung, DMS & Cie. hat wiederkehrende Erlöse von über 50% des Gesamtumsatzes. Ich denke, das ist für alle ein lohnendes Geschäft.
Anleihen Finder: Herr Dr. Grabmaier, Herr Konrad, vielen Dank für das angenehme Gespräch.
Anleihen Finder Redaktion.
Foto: pixabay.com
Portraitfotos: Jung, DMS und Cie. Pool GmbH
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