Penell GmbH: „Um es klar zu sagen, Penell wird es auch ohne Anleihe weiter geben. Uns geht das Geld nicht aus. Wir wollen mit dem Geld einfach flexibler sein“ – Interview mit Kurt Penell, Gesellschaftergeschäftsführer der Penell GmbH

Dienstag, 20. Mai 2014
Penell GmbH: „Um es klar zu sagen, Penell wird es auch ohne Anleihe weiter geben. Uns geht das Geld nicht aus. Wir wollen mit dem Geld einfach flexibler sein“ – Interview mit Kurt Penell, Gesellschaftergeschäftsführer der Penell GmbH


Die Penell GmbH zahlt für ihre Unternehmensanleihe (WKN A11QQ8/ISIN DE000A11QQ82) einen Zins in Höhe von 7,75 Prozent. Die Anleihen Finder Redaktion sprach mit Kurt Penell (Foto), Diplom-Ingenieur und Gesellschaftergeschäftsführer der Penell GmbH, über die Hintergründe der Anleihen-Emission:

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Penell, wie verdient die Penell GmbH Geld? Könnten Sie bitte kurz auch einem Laien, dem Ihre Branche fremd ist, Ihr Geschäftsmodell anschaulich erklären?

Kurt Penell: Wir beraten, planen und ändern für unsere Kunden weltweit die Elektroversorgung beim Bau von Infrastrukturprojekten. Die Penell-Projektkompetenz erstreckt sich insbesondere auf die Bereiche Tunnel-, Tief- und Hochbau, Bergbau- und Transportlogistik, Chemie und Pharma. Während das Engineering „nur Mittel zum Zweck ist“, verdient Penell hauptsächlich sein Geld durch den Verkauf der Elektroartikel vom kleinsten Schalter bis zum dicksten Kabel. Dabei agieren wir nicht nur als „normaler Lieferant“. Der Kunde sehnt sich den industriell ausgerichteten Handelspartner regelrecht herbei, der nicht nur den rein kommerziellen Anteil, sondern auch den darüber hinausgehenden technischen Anteil zu einem guten Stück mitbewältigen kann. Daher werden wir oft schon in der Planungsphase eines neuen Projektes eingebunden und liefern unser Know-how. Durch diese Kompetenz unterscheiden wir uns von unseren Wettbewerbern.

Anleihen Finder Redaktion: In einer Ihrer Unternehmenspräsentationen steht unter der Überschrift „Gute Gründe für eine Anleihe“, dass die Penell GmbH „aktuell Aufträge ablehnen muss, sofern diese nicht aus eigener Kraft finanziert werden können.“ Können Sie die Zusammenhänge bitte unseren Lesern erklären?

„Können uns nicht um jedes Projekt bemühen“

Kurt Penell: Gerade bei Infrastrukturprojekten handelt es sich oft um gigantische Investitionssummen. Bei solchen Projekten kann es schnell zu zeitlichen Verschiebungen kommen. Von uns wird verlangt, dass wir innerhalb kürzester Zeit die Materialien für Elektroversorgung sicherstellen. Obwohl die Projekte oft mehrere Jahre im Voraus geplant werden, muss es plötzlich ganz schnell gehen. Dadurch, dass wir große Bestände an Kupferkabeln am Lager haben, können wir schnell reagieren. Dies bedeutet aber auch, dass wir enorme Mittel im Lagerbestand gebunden haben. Aktuell sind dies 7,4 Millionen Euro. Wir können uns daher nicht um jedes Projekt bemühen. Durch das frische Geld aus der Anleihe wollen wir flexibler auf Anfragen reagieren können.

Exposed cables and wires

Anleihen Finder Redaktion: Sie vertreten eine der ersten Unternehmungen in diesem Jahr, die sich im derzeit schwierigen Marktumfeld für Mittelstandsanleihen mit einer Neuemission aufs Düsseldorfer Börsenparkett wagt. Brauchen Sie dringend Geld oder warum wählen Sie mutig ausgerechnet diesen Zeitpunkt?

Kurt Penell: Um es klar zu sagen, Penell wird es auch ohne Anleihe weiter geben. Uns geht das Geld nicht aus. Wir wollen mit dem Geld einfach flexibler sein. Auf der einen Seite gegenüber den Banken, auf der anderen Seite wollen wir flexibler auf die große Nachfrage reagieren. Wann der richtige Zeitpunkt für den Emissionsstart einer solchen Anleihe ist, lässt sich immer schwer sagen. So etwas will gut geplant sein. Grundsätzlich sehe ich das Umfeld für gut strukturierte Anleihen positiv. Wir haben mit der DICAMA AG und den weiteren Projektpartnern ein sehr professionell arbeitendes Team, das uns bei den Vorbereitungen zur Emission hervorragend zur Seite steht. Die Anleihestruktur weist ein sehr attraktives Sicherheitenpaket für die Anleger aus. Ich sehe deshalb keinen Grund, jetzt nicht mit einer, für den Anleger attraktiv gestalteten Anleihe an den Markt heranzutreten.

Anleihen Finder Redaktion: Warum haben Sie sich im Sortiment Finanzvehikel für die Begebung einer Mittelstandsanleihe entschieden? Welche Rolle spielen Banken im Mix Ihrer Unternehmensfinanzierung?

„Es ist schon etwas frustrierend, wenn Sie Aufträge ablehnen müssen, nur weil sie nicht genügend Working-Capital haben“

Kurt Penell: Die Anleihe ist eines von vielen möglichen Finanzierungsinstrumenten. Leider sind die Banken in ihrem Rahmen beschränkt, Kredite an Unternehmen zu vergeben. Dies ist aber nun einmal so. Deshalb mussten wir uns eine Alternative überlegen und haben uns für die Anleihe entschieden. Es ist schon etwas frustrierend, wenn Sie Aufträge ablehnen müssen, nur weil sie nicht genügend Working-Capital haben. Dies soll aber keine Kritik an den Banken sein. Sie setzen nur die gesetzlichen Vorgaben nach Basel III um.

Anleihen Finder Redaktion: Sie planen mit fünf Millionen Euro an maximalem Emissionsvolumen Ihrer Unternehmensanleihe. Wie werden Sie die Mittel aus der Anleihen-Emission verwenden?

Kurt Penell: Wir werden 2,2 Millionen Euro zur Rückführung von Krediten bei den Banken verwenden. Die restliche Summe wird als Working Capital in den Ausbau des Geschäfts gesteckt.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Anhaltspunkte haben Anleger, um sich ein Bild von der Bonität der Penell GmbH bzw. von der Ausfallwahrscheinlichkeit der Penell-Mittelstandsanleihe zu machen? Gibt es zum Beispiel ein Rating?

„Obwohl wir wussten, dass wir kein Rating im Investmentgrade-Bereich bekommen werden, haben wir uns trotzdem für diesen Weg entschieden“

Kurt Penell: Wir haben von Feri ein vorläufiges Rating mit der Note B+ bekommen. Das ist bestimmt nicht die beste Ratingnote. Obwohl wir wussten, dass wir kein Rating im Investmentgrade-Bereich bekommen werden, haben wir uns trotzdem für diesen Weg entschieden. Wir wollen für unsere Investoren die maximale Transparenz und sind guter Dinge, im laufenden Jahr durch die konsequente Umsetzung unserer Ziele, mit möglicherweise einem Ratingupgrade in den BB-Bereich rechnen zu können.

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Anleihen Finder Redaktion: Welche Sicherheiten bieten Sie Ihren Anleihe-Gläubigern an? Und: Inwiefern haben Sie sich bei der Strukturierung Ihrer Anleihe von den aktuellen Forderungen nach mehr Covenants leiten lassen?

„Komplettes Lager an Kupferkabeln verpfändet“

Kurt Penell: Die Penell-Anleihe bietet Investoren ein umfangreiches Sicherheitenpaket. So ist beispielsweise das komplette Lager an Kupferkabeln verpfändet. Im Extremfall könnte man dieses in kürzester Zeit liquidieren. Für Kupfer gibt es täglich einen Marktpreis, zu dem Kupfer verkauft bzw. angekauft werden kann. Aktuell hat unser Warenlager einen Wert von rund 7,4 Millionen Euro. Somit ist die Anleihe über 100 Prozent mit dem fungiblen Asset Kupfer besichert. Zusätzlich werden wir die Zinsen für die ersten zwei Zinszahlungen aus dem Emissionserlös auf einem Treuhandkonto belassen. Bei den Anlegerschutzrechten haben wir u. a. den Kontrollwechsel, Drittverzug, unzulässige Ausschüttungen, Thesaurierungsverpflichtung von 75 Prozent etc. mit bedacht. Im Detail können sie diese bei uns auf der Homepage www.penell-gmbh.de nachlesen. Bei der Auswahl dieser sogenannten Covenants haben wir uns nach den aktuellen Marktverhältnissen gerichtet.

Anleihen Finder Redaktion: Bitte wagen Sie einen Blick in die Zukunft. Wo soll die Penell GmbH am Ende der Laufzeit der Penell-Mittelstandsanleihe stehen? Was werden Sie mit den Anleihe-Mitteln voraussichtlich erreicht haben?

Kurt Penell: Wir planen ein starkes Wachstum in den nächsten Jahren. Schon jetzt gibt es kaum ein internationales Großprojekt, bei dem wir nicht angefragt werden. Aus Gründen der begrenzten Liquidität haben wir die starke Nachfrage nicht bedienen können, dass wird und muss sich ändern. Die Emission wird dem Unternehmen insgesamt sehr gut tun. Auch in der Verwaltung wird sich durch die Rahmenbedingungen einer Anleiheemission einiges ändern. Zum Teil haben wir schon darauf reagiert. Wir haben unsere Finanzabteilung schon deutlich ausgebaut. Wir werden schon bald ein erweitertes Warenwirtschaftssystem implementieren. Dies wird auch dazu führen, dass sich unser Rating im nächsten Turnus deutlich verbessern kann. Davon bin ich überzeugt.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Penell, vielen Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion. Das Interview führte Christoph Morisse.

Kurzvita von Kurt Penell
1987 Eintritt in die Penell Elektro-Großhandel GmbH
1991 Erteilung von Prokura
Seit 1993 Gesellschaftergeschäftsführer der Penell Elektro-Großhandel GmbH

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