„Niedrigere Zinsen und viele Covenants werden den Markt in Zukunft prägen“ Interview mit SCALA Corporate Finance-Geschäftsführer Manfred Steinbeißer

Mittwoch, 7. Mai 2014

Die SCALA Corporate Finance GmbH ist eine unabhängige Beratungsgesellschaft und entwickelt Finanzierungskonzepte für mittelständische Unternehmen. Die Anleihen Finder Redaktion sprach mit Geschäftsführer Manfred Steinbeißer über die derzeit schwierige Situation am Markt für Mittelstandsanleihen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage des Marktes für Mittelstandsanleihen ein?

OLYMPUS DIGITAL CAMERAManfred Steinbeißer: Der Markt für Mittelstandsanleihen ist immer noch sehr jung und durchlebt im Moment seine „Kinderkrankheiten“. So denke ich, dass wir uns aufgrund der Defaults einiger Emittenten in einer kritischen Phase befinden. Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Kapitalmarkt für mittelständische Unternehmen eine große Zukunft haben wird – Basel III und Solvency II werden diese Entwicklung unterstützen. Der Mittelstandsanleihemarkt wird die Entwicklung, sich Zug um Zug zu professionalisieren, fortsetzen. Zinsen und Covenants werden sich verstärkt am wirklichen Risiko orientieren.

Anleihen Finder Redaktion:„Spreu vom Weizen“, „Umbruchphase“ oder „Finger weg von Ramschanleihen“ sind Schlagwörter, die in der Diskussion um Mittelstandsanleihen in den letzten Monaten auftauchten. Welche Etiketten kleben Sie auf die Kiste voller Mittelstandsanleihen?

Manfred Steinbeißer: Die genannten Etiketten haben alle ihre Berechtigung: So prognostiziere ich, dass wir nach einer Erholung des Marktes bonitätsstarke Mittelständler sehen werden, die mit einem deutlich niedrigeren Zins und einem hohen Maß an Covenants den Markt erobern werden. Auf der anderen Seite werden wir auch immer wieder schwache Emittenten sehen, die jedoch in Zukunft entweder in der Emission scheitern werden oder nur als richtiger High Yield akzeptiert werden.

Anleihen Finder Redaktion: Was halten Sie von den Leitplanken, die die Börse Frankfurt Emittenten von Unternehmensanleihen im Entry Standard in ihrem „Best Practice Guide“ empfiehlt?

Manfred Steinbeißer: Der  „Best Practice Guide“ ist ein Schritt in die genau richtige Richtung. Alle Teilnehmer am Kapitalmarkt – insbesondere auch die Börsen – müssen ein Interesse daran haben, dass die Emissionen einen hohen bzw. noch  höheren Qualitätsmaßstab einhalten. Kritisch ist jedoch zu sehen, dass in dem Guide sehr stark auf die Bankenemission abgestellt wird. Die Diversifikation der Passivseite der Bilanz auch und gerade durch bankenunabhängige Finanzierungswege ist eine der Zielstellungen, wenn Mittelständler diesen Schritt wagen. Aus diesem Grunde glaube ich, dass die Eigenemission bei der der  Emittent den „driver´s seat“ behält, gerade bei mittelständischen Unternehmen einen wichtigen Stellenwert behalten wird – was ja nicht heißt, dass Banken hier nicht z.B. die Rolle eines Solo Bookrunners / Selling Agents für die institutionellen Investoren einnehmen können.

Anleihen Finder Redaktion: Inwiefern haben Mittelstandsanleihen als Baustein in der Unternehmensfinanzierung Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsformen? Auf der anderen Seite: Welche Nachteile haben sie?

Manfred Steinbeißer: Ein klarer Vorteil ist, dass durch Mittelstandsanleihen – ähnlich wie durch Schuldscheindarlehen – eine Diversifikation der Passivseite erreicht wird. So macht sich das Unternehmen unabhängiger von der reinen Bankenfinanzierung und öffnet sich einem „bunten Strauß“ von Investoren, wie z.B. Privatanlegern, Family & Friends, Familiy Offices, Vermögensverwaltern etc. Investoren haben ein gutes „Gedächtnis“ und sind bei Folgeemissionen oft Wiederholungstäter, sprich: der Mittelständler hat die Möglichkeit, sich hiermit eine neue, zusätzliche Finanzierungsquelle zu eröffnen! Der Nachteil der Emission der Mittelstandsanleihe ist der doch relativ gesehen hohe erstmalige Aufwand sowie das im Moment noch relativ hohe Zinsniveau der Mittelstandsanleihen, welches Unternehmen mit guter oder sehr guter Bonität noch abschreckt.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Unternehmensfinanzierungs-Vehikel werden sich langfristig am stärksten durchsetzen? In welcher Reihenfolge sehen Sie Genussscheine, Schuldscheindarlehen und Mittelstandsanleihen oder andere Instrumente?

Manfred Steinbeißer: Ich denke, dass dies oft auch eine Frage von Wellenbewegungen ist. So laufen seit einiger Zeit die Schuldscheindarlehen sehr erfolgreich. Mittel- und langfristig werden sich meiner Ansicht nach neben dem Bankkredit, der nach wie vor eine sehr wichtige Rolle spielen wird, vor allem Mittelstandsanleihen und Schuldscheindarlehen bei Fremdfinanzierung durchsetzen.

Anleihen Finder Redaktion: Die Finanzierungsform Crowdfunding scheint sich zu etablieren. Ist die Schwarmfinanzierung eine tragfähige Alternative im Instrumentenkasten Unternehmensfinanzierung? Welche Vorteile bzw. Nachteile sehen Sie im Vergleich zu Mittelstandsanleihen oder anderen Instrumenten der Unternehmensfinanzierung?

Manfred Steinbeißer: Crowdfunding ist eine interessante Erscheinung. Ich sehe dies insbesondere bei kleineren Finanzierungen sowohl im Fremd- wie auch im Eigenkapitalbereich für junge Unternehmen. Der Vorteil ist sicherlich ein im Vergleich zu einer von einer europäischen Aufsichtsbehörde gebilligten Emission wesentlich geringerer Aufwand. Der Nachteil ist, dass auf dieser Basis kein verlässlicher Emissionserfolg, v.a. wenn es um Summen geht, die etwas größere Mittelständler benötigen, gewährleistet werden kann. Trotzdem sollte man die Entwicklung dieses Finanzierungsweges weiter verfolgen … vielleicht denken wir alle in einigen Jahren anders hierüber.

Anleihen Finder Redaktion: Welches Kapitalmarkt-Instrument der kleinen und mittleren Unternehmungen (KMU) ist aus Investoren-Sicht das Ihrer Meinung nach attraktivste?

Manfred Steinbeißer: Als Kapitalmarkt-Instrument sehe ich für KMUs je nach Zweck entweder die Anleihe oder die Aktie als nach wie vor sehr attraktiv. So gilt es – und dies gilt auch für die Politik – die Anziehungskraft des Kapitalmarkts für die Mittelständler als Finanzierungsquelle zu erhöhen. Volkswirtschaften, die auch mittel- und langfristig noch erfolgreich sein wollen, müssen den Unternehmen eine attraktive Möglichkeit bieten, sich auch über den Kapitalmarkt gut finanzieren zu können.

Anleihen Finder Redaktion: Angenommen Sie könnten sich die perfekte Neuemission einer KMU- Unternehmensanleihe basteln. Wie sehe diese  – grob umrissen – aus? Was darf nicht fehlen? Auf was würden Sie verzichten?

Manfred Steinbeißer: Mittelständisches Unternehmen mit einem guten Brand und einem leicht verständlichen Geschäftsmodell und einer ansprechend hohe Eigenkapitalquote benötigt 50 – 100 Mio. Kapital für attraktive Expansionsfelder. Der Emittent zahlt aufgrund seiner sehr guten Bonität einen Zins der deutlich unter 6 % liegt. Die Anleihe ist mit einem sehr guten Niveau an Covenants ausgestattet. Gegebenenfalls werden zusätzliche Absicherungen geboten, die von einem Treuhänder verwaltet werden.

Anleihen Finder Redaktion: Vielen Dank!

 

Anleihen Finder Redaktion

Titelfoto: Rainer Sturm_pixelio.de

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