Mittelstandsanleihe – quo vadis ? – Was muss passieren, dass die starke Nachfrage nach Mittelstandsanleihen auch bedient werden kann? – Gastkommentar von Günter Jucho von Jucho & Coll. Deutsche Industrieanleihen

Freitag, 14. März 2014


Mittelstandsanleihen am Ende – eine Blase ist geplatzt – solche Horrorszenarien waren in den letzten Wochen in den Wirtschaftsteilen zu lesen. Doch was ist tatsächlich passiert? Ist der Anleihen-Markt in der Tat am Ende? Das sehen die tatsächlich am Markt Beteiligten allerdings ganz anders.

Wenn man die Ausfälle näher betrachtet, so relativiert sich der oberflächliche Eindruck.

günter_jucho_jucho_collGefährdet sind zwei Arten von Anleihen:

(a) solche, deren optimistische Planungen sich erst unter Einbeziehung von  Subventionen gut rechneten, dazu gehören viele Unternehmen, die sich mit Erneuerbarer Energie beschäftigen und

(b) solche mit klangvollem Namen, die die Aufmerksamkeit beim Studium des Wertpapierprospektes und der Unternehmenszahlen ermatten ließen.

Damit ist allerdings Schluss. Der Markt ist in einer Bereinigungsphase, die Zeiten, bei denen die Nennung eines Markenartikels allein einen Run auf die Anleihen auslöste, wird sich nicht wiederholen.

Aber die Nachfrage nach Investments in diese Art von Wertpapieren ist nach wie vor ungebrochen. So gehen die uns bekannten Investoren davon aus, auch in Zukunft in Mittelstandsanleihen zu investieren. Es wird allerdings nicht nur ein überzeugendes Produkt erwartet, sondern man schaut sich in jeden Einzelfall das Unternehmen und sein Management sehr genau an, bevor man sich engagiert.

Aus dem Geschäftsmodell heraus plausibel Zinslast und Rückzahlung bedienen können

Ähnliche Aussagen trifft auch ICF Kursmakler AG in Frankfurt: „ Die Frage nach der Qualität des Emittenten rückt bei einigen Emissionsbegleitern leider erst jetzt in den Vordergrund.  ICF-seitig haben wir jedoch schon immer darauf geachtet, dass aus dem Geschäftsmodell heraus plausibel Zinslast und Rückzahlung bedient werden können.

Als Beispiel sei hier die Anleihe der Deutsche Rohstoff AG genannt, die bereits ein Jahr nach Anleihebegebung durch Veräußerung des überaus erfolgreichen Windsor-Projektes die Anleihe-Rückführung mehr als sichergestellt hat. Wenn dann noch zusätzlich Sicherheiten geben werden und vernünftige Covenants das Risiko der Anleihegläubiger minimieren, so räumen wir dem Mittelstands-Anleihemarkt eine echte Zukunftschance ein.“

Schweizerische Investoren, die sich bereits deutlich an deutschen Mittelstandsanleihen beteiligt haben, sehen inzwischen ein Rating im Investment Grade als Grundvoraussetzung für ein weiteres Engagement. Dann wird man sich dort weiterhin in nennenswerten Abschnitten engagieren.

Vertrauen der Anleger gewinnen

Was bedeutet das für den Emittenten? Die Story für eine Mittelstandsanleihe muss gut überlegt sein, reine Umfinanzierungen sind eher problematisch, Restrukturierungen ebenfalls, der Unternehmer muss bereit sein, seine Zahlen offen zu kommunizieren. Ein gutes Rating ist inzwischen zwingend erforderlich. Nur so kann er das Vertrauen der Anleger gewinnen.

Fazit – Der Anleihenmarkt wird auch weiterhin wachsen. Der Baseler Ausschuss für die Finanzaufsicht, der weltweit die Regeln für das Bankgeschäft setzt, hat verkündet, dass ab 2019 Obergrenzen für Schulden verpflichtend gelten werden, das wird die Kreditpolitik der Banken ganz entscheidend restriktiv beeinflussen.

Die Mittelstandsanleihe ist weiterhin eine gute Alternative zum Bankkredit. Sie erfordert allerdings in der Vorbereitung ebenso viel Sorgfalt wie eine klassische Bank – Finanzierung, sonst wird die Vermarktung in Zukunft problematisch.

Günter Jucho, Jucho & Coll. Deutsche Industrieanleihen

Foto: Jucho & Coll. Deutsche Industrieanleihen (kleines Foto), shankar s./flickr

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