Minibond-Markt inside: „Zinspapiere werden höheren Aktienbeständen trotz teilweise attraktiver Dividendenrenditen oftmals vorgezogen“

Dienstag, 28. April 2015


Manuela Tränkel beantwortet Fragen unserer Leser, die wir in den letzten Tagen gesammelt haben. Im Jahr 2014 hatte Manuela Tränkel  von Mandura Asset Management AG München, die beste Wertentwicklung von drei Anleihen Finder-Musterdepots geschafft.

Wieso hat Enterprise Holdings nicht das Maximalvolumen platzieren können?

Die Enterprise Holdings konnte trotz des schwierigen Umfeld rd. € 20 Mio. platzieren. Das Grexit-Szenario, der Austritt von Griechenland aus der Europäischen Währungsunion sorgt immer wieder für Verunsicherung, auch wenn dies bereits weitgehend bei Aktien und Anleihen eingepreist ist. Dennoch konnte die Enterprise Holdings immerhin rd. € 20 Mio. platzieren. Weitere Emittenten mussten hingegen ihre geplanten Anleiheemissionen verschieben.

Viel Liquidität

O-Töne aus dem Markt: „Die Investoren lassen sich nicht mehr mit irgendwelchen Projektanleihen abspeisen, deren Emittenten erst in der Zukunft – wenn überhaupt – stabile Cashflows versprechen.“ „Vor Ostern wurde alles schnell durchgedrückt, übers Knie gebrochen. Warum die Eile und Hektik, ist mir nicht ganz klar geworden.“  

Teilweise hat man versucht, die Gunst der Stunde zu nutzen, da das Marktumfeld generell positiv gesehen wurde und weiterhin sehr viel Liquidität vorhanden ist, die investiert werden muss. Potentielle Emittenten muss aber auch feststellen, dass ein schlüssiges Konzept und eine gute Investmentstory als Grundstein vorhanden sein müssen, um erfolgreich platzieren zu können.

Investoren werden bei Minibonds kritischer. Gut für den Markt, ist die Meinung der meisten. Vor allem institutionelle Investoren sind hier ausschlaggebend – siehe auch den Trend zur Privatplatzierung.

Institutionelle Investoren wägen Chancen und Risiken zunehmend kritischer ab. Der Verwendung der Mittel wird viel Beachtung geschenkt, insbesondere wieviel der eingenommen Gelder zur Ablösung von Bankverbindlichkeiten und Gesellschafterdarlehen verwendet und welche Summe in künftiges Wachstum investiert werden soll. Ein hohes Augenwerk wird auf die Besicherung gelegt und vor allem auf die Werthaltigkeit oder mögliche Verwertungsmöglichkeiten der Sicherheiten. Die Emission einer Anleihe sollte nicht der letzte Ausweg sein, weil ein Unternehmen keine Bankfinanzierung mehr bekommt.

Anleihe das richtige Instrument?

Darüber hinaus wird kritisch überlegt, ob die Begebung einer Anleihe das geeignete Instrument zur Unternehmensfinanzierung ist oder ob nicht eher Private-Equity oder Mezzanine Kapital sinnvoll wäre. In diesem Zusammenhang wird auch bewertet, ob die eingenommen Mittel bspw. als Eigenkapitalsurrogat eingesetzt und nochmals geleveragt werden, um von niedrigem Zinsumfeld zu profitieren und umso die Eigenkapitalrendite zu steigern.

Bei Unternehmen die eine Restrukturierung hinter sich haben, wird überlegt, ob der Turnaround bereits vollzogen ist, ob eine Rückkehr zu profitablem Wachstum gelingen kann, was üblicherweise mit dem Gewinnen von Marktanteilen, einer Steigerung der operativen Marge oder einen Technologieführerschaft einhergeht.

Unternehmensinteresse im Vordergrund?

Ein sehr wichtiger Faktor ist die Beurteilung des Managements und ob dieses nicht nur über einen strategischen Weitblick verfügt, sondern dies auch in die Realität umsetzen kann. Wichtig ist zu beurteilen, ob das Unternehmensinteresse im Vordergrund steht oder das der Gesellschafter.

Wachstumsperspektiven und im speziellen, ob sich das Wachstum eher beschleunigt oder verlangsamt, ist ebenso zu beurteilen, wie die allgemeine Branchenentwicklung des Anleiheemittenten. Hinterfragt wird auch, wie der bisherige Geschäftsverlauf war, um Risiken besser identifizieren zu können, und welche Assets bereits vorhanden sind. Es wird evaluiert, wie werthaltig diese sein könnten im Vergleich dazu, wie diese in der Bilanz des Unternehmens ausgewiesen werden.

Wer sind diese institutionellen Investoren, die immer wieder  Roadshows der Minibond-Emittenten besuchen bzw. sich vom Management oder Emissionsbegleitern besuchen lassen? Gibt es dabei bestimmte Klassen der institutionellen Investoren, die immer wieder bei Minibond-Roadshows eingeladen werden oder von sich aus auftauchen?

Bei den kleinen Emissionsvolumen kommen nur kleinere institutionelle Anleger in Frage. Sie haben das gleiche Problem wie die großen Kapitalanleger. Der Kapitalmarkt gibt zu wenig Zinsen, also muss höheres Risiko gefahren werden. Generell lässt sich sagen, dass Zinspapiere höheren Aktienbeständen trotz teilweise attraktiver Dividendenrenditen oftmals vorgezogen werden.

Probleme mit Ratings

Das große Problem ist das Rating. Es hat sich gezeigt, dass nur das Rating der drei großen Agenturen von großen institutionellen Anlegern akzeptiert wird. Die kleinen Ratingagenturen sind wohl von der Bafin anerkannt, haben sich aber in letzter Zeit zum Teil nicht mit Ruhm bekleckert.

Versorgungskassen, Pensionskassen, Stiftungen, aber auch die Kirche und Privatbanken schauen sich die Anleiheemissionen an. Viele dieser Institutionen legen auf regelmäßige Ausschüttungen großen Wert. Aber auch Fonds und Zertifikate, die speziell für die Assetklasse Mittelstandsbonds aufgelegt wurden, werden bei Neuemissionen angesprochen.

Kann man als Privatanleger von den institutionellen Anlegern lernen? Wenn ja, was vor allem?

Die Sicherheitenkonzepte werden hinterfragt und die Geschäftsmodelle plausibilisiert. Bei Investments wird überlegt, ob der Emittent einen verteidigbaren Wettbewerbsvorteil hat und das Geschäftsmodell zukunftsfähig ist. Der Verschuldungsgrad und die operative Ertragskraft aber auch die Innovationskraft des Emittenten sind ebenso wichtige Faktoren wie die Möglichkeit des Managements durch Wachstum den Unternehmenswert so zu steigern, dass die Rückzahlung der Anleihe nicht von vorne herein ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die Integrität Management und Fähigkeit, sich auf ein verändertes Marktumfeld einzustellen, Risiken frühzeitig zu identifizieren oder falsche Weichenstellungen zu korrigieren, sind entscheidend.

Die Beobachtung des News-Flows und die Prüfung, ob umgesetzt wird, was dem Kapitalmarkt versprochen wurde ist schon deshalb wichtig, weil der Anleihegläubiger im Gegensatz zu einem Aktionär keine Möglichkeit hat, sich bei der jährlichen Hauptversammlung zu informieren.

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Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Manuela Tränkel

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