Markt-Kommentar: Schub für die Glaubwürdigkeit der Fed

Donnerstag, 17. September 2026 Lesezeit: 2 Minuten Allgemein, Kolumne

Kommentar von Felipe Villarroel, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) hat, wie vom Markt erwartet, die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben. Fed-Chef Warsh lieferte dazu eine fundierte, prägnante und vor allem klare Stellungnahme: Die Inflation liegt über dem Zielwert und wird gesenkt werden. Die Botschaft gewann zusätzlich an Gewicht durch den „Dot Plot“, der signalisiert, dass die Fed die Zinsen voraussichtlich noch einmal vor Jahresende anheben wird.

Für das lange Ende der Zinskurve ist das paradoxerweise eine gute Nachricht. Ein dramatischer Ausverkauf bei Laufzeiten ab zehn Jahren droht aus unserer Sicht vor allem dann, wenn (1) Inflation außer Kontrolle gerät und die Zentralbank als unfähig oder unwillig gilt, sie zurück zum Ziel zu bringen, und/oder (2) eine unberechenbare Finanzpolitik mit zu hohen Defiziten den Eindruck mangelnder Haushaltsdisziplin verstärkt. Nach zuletzt teils verwirrenden Aussagen gab es Zweifel am ersten Punkt. Die gestrige Kommunikation räumt dieses Risiko vorerst aus dem Weg. Die fiskalischen Risiken bleiben jedoch grundsätzlich bestehen.

Auch über die Laufzeitprämie lässt sich die Reaktion erklären: Wenn Anleger an der Entschlossenheit oder Fähigkeit einer Zentralbank zweifeln, verlangen sie eine höhere Prämie, um Kapital langfristig zu binden. Wir erwarten, dass diese Prämien nach den jüngsten Entscheidungen etwas nachlassen dürften, auch wenn sie nicht der einzige Treiber langfristiger Renditen sind. Der Dot Plot deutet zudem eher auf einen begrenzten weiteren Schritt und anschließend ein Verharren hin – weniger restriktiv, als es die kurzfristigen Marktpreise nahelegen.

Nicht zuletzt bleibt entscheidend, dass der Inflationsschock nicht ausschließlich angebotsseitig ist: Auch das starke Wachstum hielt die Inflation über dem Ziel, und das schon vor Beginn des Iran-Konflikts im März. Das ist ein Grund, warum wir grundsätzlich Euro-Vermögenswerte bevorzugen: Die EZB hatte die Inflation im Zielbereich und ist vor allem mit einem Angebotsschock konfrontiert – was die Wahrscheinlichkeit begrenzt, dass viele Zinsschritte nötig sind. Insgesamt hat Warsh der Glaubwürdigkeit der Fed aus unserer Sicht einen dringend benötigten Schub verliehen.

Felipe Villarroel, TwentyFour Asset Management

Titelfoto: pixabay.com

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