So können sich Privatanleger über Minibond-Emittenten am besten informieren – So machen es die Profis

Freitag, 12. Dezember 2014


Unsere Leser fragen uns oft, wo und wie sie vertrauenswerte Informationen über Emittenten von Minibonds finden können. Die Anleihen Finder Redaktion würde gerne antworten, dass es reicht, unsere anleihen-finder.de-Internet-Seiten zu durchforsten und unseren zweiwöchigen, kostenlosen Newsletter „Der Anleihen Finder“ zu abonnieren. Aber so einfach ist es leider nicht – es wäre schlicht unseriös, wenn wir an dieser Stelle behaupten würden, dass nur die Anleihen Finder Redaktion alle relevanten Nachrichten und Hintergrundartikel des Minibond-Marktes veröffentlichen würde. So fällt die Antwort an unsere treue, stetig wachsende Leserschaft länger und vielschichtiger aus:

Die wichtigste und effektivste Methode, um sich Informationen über ein Unternehmen, dem man Geld leihen möchte, zu beschaffen, ist ein Besuch bei der Emittentin. Am besten hinfahren und sich von der Firmenleitung den Betrieb und die Zahlen zeigen lassen. So bekommt man schnell ein gutes Bauchgefühl, ob das Unternehmen das Vertrauen des Anlegers wert ist. Aber ein Besuch des Unternehmens und Gespräche mit den wichtigen Köpfen wie dem CFO sind in der Praxis für den einzelnen Privatanleger meistens nicht machbar. Auch die Emittentin kann nicht jeden einzelnen Privatanleger empfangen und umfassend informieren. Was bleibt, sind Analysen und Berichte aus zweiter Hand, die über die Medien veröffentlicht werden. Das beste Medium hierfür ist ohne Zweifel das Internet.

Wichtig ist der Wertpapierprospekt

Zentrale Informationsquelle jedes Minibonds ist der Wertpapierprospekt der Emittentin, das neben anderen Dokumenten ab einem bestimmten Anleihevolumen veröffentlicht werden muss. Den Wertpapierprospekt zu lesen und zu interpretieren, ist für einen Privatanleger allerdings harte Arbeit, weil er sehr umfangreich und voller Fach-Ausdrücke und -Bezüge ist. Auf jeden Fall lohnt sich ein Blick in die Kapitel „Risiken“ und „Covenants“ im Wertpapierprospekt (im PDF-Dokument „Strg + F“ und dann den Suchbegriff „Risiken“ o.ä. eingeben). Begriffe, die man nicht versteht, sollte man geduldig nachgooglen. Aber wie bereits erwähnt: Das ist harte Arbeit und kostet viel Zeit.

Wir Info-Profis in der Anleihen Finder Redaktion haben natürlich ein Netzwerk von ausgewiesenen Kapitalmarktexperten, die uns Tipps geben, Einschätzungen liefern und uns oft den richtigen Weg bei der Recherche weisen. Wir Redakteure können alleine nicht alle Marktinformationen überblicken und bewerten. Hier unterscheiden wir uns von der Zunft der Wertpapieranalysten, die ihre Branche und Anlageklasse meist auch im Detail sehr gut im Griff haben.

Aber welche Info-Quellen nutzen Kapitalmarkt-Profis, die einen noch besseren Einblick haben als wir Finanzjournalisten? Florian Weber, CEO der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG, meint: „Wir schauen uns auch die statistischen Daten an, die von den drei bekannten Playern im Mittelstandsmarktsegment geliefert werden (Anleihen Finder, Bondmagazin und Bondguide). Sonstige Ausarbeitungen ignorieren wir, weil nicht ersichtlich ist, wie viel journalistische Verbindung zu bezahlten Inhalten/Werbungen besteht. Insbesondere sehen wir die Verquickung von ‚Meinungsbildung‘ und Journalismus in diesem Bereich kritisch. Es bleibt leider dabei, dass es wohl darauf ankommt, dass man sich selber mit den Dingen beschäftigt und Bilanzen liest etc.“

Umfangreiche Datenbanken

Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, gibt Einblick in sein aufwändiges System der Informationsbeschaffung: „Die KFM Deutsche Mittelstand AG hat eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, die über 800 festverzinsliche Wertpapiere (Unternehmensanleihen, Schuldscheine sowie Wandelanleihen) von rund 430 Emittenten bewertet hat. Über das Internet erheben wir weitere Daten, die neben dem Emissionsprospekt und bereitgestellten Unterlagen zur Verfügung stehen. So sind insbesondere die Geschäftsberichte des Emittenten der letzten Jahre zur Beurteilung der Bonität des Unternehmens von zentraler Bedeutung. Wir nutzen unter anderem die zentrale Plattform des Bundesanzeigers und die Homepage des Emittenten. Darüber hinaus haben wir den Zugang zu mehreren Datenbanken, die uns weitere Informationen zum Unternehmen liefern. Diese Datenquellen werden auch dazu genutzt, um die Angaben im Prospekt und in den anderen Unterlagen zu überprüfen. Nicht zuletzt informieren auch wir uns natürlich über Ihre Internetpräsenz anleihen-finder.de.“

Als Privatanleger lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die bekannten Internetforen, die sich mit Anlage- und spezieller mit Anleihen-Themen befassen. Vorteil ist, dass man auch als Laie oder Anfänger erfahrenen Foren-Teilnehmer Fragen stellen kann. Das sollte man höflich tun und sich als Anfänger ausweisen. Hierzu gibt es oft so genannte Anfänger-Threads.

Von bondboard.de bis finanzfrage.net

Aber auch ausgewiesene Kapitalmarkt-Profis wie Manuela Tränkel, die in München ein Family Office betreut und zurzeit die beste Performance bei den Anleihen Finder-Musterdepots hinlegt, klicken Internetforen an: „Anleihen-Finder.de, Bondmagazin, Bondboard, Veröffentlichungen und Pressemitteilungen der Emittenten bei börsennotierten Unternehmen deren Ad-hoc-News“, antwortet Manuela Tränkel auf unsere Frage, welche Internet-Informationsquellen sie nutze, um Informationen über Minibonds zu bekommen.

Für Anleger, die mit Anleihen beginnen und sich zuerst einmal orientieren sowie austauschen wollen, lohnt ein Blick zum Beispiel in die Threads von finanzfrage.net. Fortgeschrittene und Minibond-Fans und solche, die es werden wollen, können von den Erfahrungen und Diskussionen der Teilnehmer zum Beispiel im Bondboard (Branchen-Spitzname: „Big Bondboard“) oder Wertpapier-Forum profitieren.

Schließlich lässt sich feststellen, dass man sich als Privatanleger auf keinen Fall auf eine oder zwei Quellen verlassen sollte. Es gibt in unserer pluralistischen Medien-Gesellschaft erfreulicherweise mehrere gute Infoquellen, über die Privatanleger sich ein recht umfassendes Bild über die Qualität der Emittentin machen können. Und wenn Sie trotz geduldiger Recherche-Abeit einmal nicht mehr weiter wissen: eine E-Mail an morisse@anleihen-finde.de genügt. Ich hoffe, dass ich Ihnen dann einen guten Tipp geben kann. 🙂

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Christoph Morisse. Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Jorge Franganillo/flickr

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