Kein Zutritt für Privatanleger: Warum immer mehr Emissionen nur Institutionelle Investoren angeboten werden

Freitag, 16. Mai 2014


Der Begriff „Privatplatzierung“ bei Mittelstandsanleihen führt zunächst in die Irre. Denn: Bei genau diesen Emissionen hat der private Anleger keine Möglichkeit, die Anleihe zu zeichnen. Dies bleibt vielmehr institutionellen Investoren wie Versicherungen, Banken, Vermögensverwaltern oder Investmentfonds vorbehalten. Was für die Privatanleger besonders ärgerlich sein dürfte: Privatplatzierungen setzen sich auf dem Markt für Mittelstandsanleihen immer mehr durch. Gerade bei Aufstockungen bereits platzierter Anleihen verzichten viele Emittenten auf ein öffentliches Angebot.

Die Liste ist lang: Die MBB Clean Energy AG, die Immobilienunternehmen Grand City Properties S.A., HELMA Eigenheimbau AG und DIC Asset AG, der Schifffahrtskonzern Rickmers Holding GmbH & Cie. KG, die eterna Mode Holding GmbH, die HOMANN HOLZWERKSTOFFE sowie der GmbH FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. All diese Emittenten habenihre Anleihen um insgesamt EUR 620 Mio. aufgestockt, ohne sie privaten Anlegern zur Zeichnung anzubieten. Andere Unternehmen, wie beispielsweise die ADLER Real Estate AG oder die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG, haben bereits von Anfang an nur auf institutionelle Anleger gesetzt.

Doch was macht die Privatplatzierung so attraktiv, dass sogar Fußballvereine wie der FC Gelsenkirchen-Schalke 04 darauf setzen – obwohl man meinen sollte, dass bei einer Fußballanleihe vor allem Fans aus Sympathie für ihren Verein zeichnen?

Kostenersparnis bei Werbung und Personal

„Die Adressierung an institutionelle Anleger ist für Emittenten effizienter. Anstatt mit vielen Einzelanlegern zu sprechen, kann der gleiche Platzierungserfolg auch mit wenigen Adressen erreicht werden“, erläutert Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG.

Gerade bei Anleiheaufstockungen kann der Emittent zudem auf bereits erarbeitete Kontakte zurückgreifen. Friedrich: „Die Investoren aus der Erstplatzierung sind bereits bekannt. Diese kennen bereits das Geschäftsmodell und die Zahlen, Daten und Fakten. Mit der Aufstockung an bekannte Adressen über eine Privatplatzierung erspart sich der Emittent zusätzliche Kosten für Marketing und Werbung, die ansonsten über ein öffentliches Angebot anfallen. Bei einer Emission, die auch privaten Anlegern angeboten wird, muss das Unternehmen qualifiziertes Personal für die Betreuung der privaten Anleger vorhalten.“

Ein zusätzlicher Pluspunkt einer Privatplatzierung sei, dass die Emittenten aus den Gesprächen mit Profi-Investoren wertvolle Informationen erhielten, durch die sie auch die Investorenseite besser verstehen könnten.

Kursschwankungen durch Verkaufsorders

Es kann jedoch auch Nachteile haben, auf ein öffentliches Angebot zu verzichten: „Gerade ein öffentliches Angebot kann dazu genutzt werden, das Unternehmen im Bekanntheitsgrad zu steigern, um neue Kunden, Absatzmärkte, Geschäftspartner und Lieferanten zu gewinnen“, gibt Hans-Jürgen Friedrich zu bedenken. „Zudem können bei einer geringeren Anzahl von Investoren mit einem größeren prozentualen Anteil an den Emissionen ausgelöste Verkaufsorders eine nachteilige Wirkung auf den Anleihekurs haben.“

Trotzdem beobachtet Friedrich, dass auf Grund der Kosten- Nutzen-Effizienz, der gesetzlichen Regulierungen und des Anlegerschutzes die Privatplatzierungen mehr und mehr in den Vordergrund rücken. Privatanlegern bleibt dann nur die Möglichkeit, über einen Anleihefonds an diesen Privatplatzierungen zu partizipieren, sofern das Fondsmanagement die Entscheidung trifft, sich an der Emission zu beteiligen. Oder aber sie warten bis zum Börsenstart, um dann – hoffentlich zu einem günstigen Kurs – die gewünschte Anleihe erwerben zu können.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: blu-news.org/flickr

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